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Spassfrei, Lustlos, Angestrengt, Traurig, Bemüht, Langweilig!

Berlin, 7:57, Tag 261

Wieder nichts merkenswertes geträumt, wieder etwas kurz gesschlafen, wieder pünktlich um 5 von meiner inneren Uhr gnadenlos geweckt worden und es wieder sehr genossen, noch eine Stunde liegen zu bleiben, leise zu kuscheln, flach zu liegen, nach zu denken, wach zu träumen, selig zu lächeln…

Worüber ich heute Abend auf unserem Sommerfest sprechen möchte, bestimmt meine Gedanken und wie ich meinen Tag gestalte, der eigentlich voller schöner anderer Termine ist. Die perfekte Ausrede, nicht beim Aufbau zu helfen, wobei das auch richtig viel Spass macht.

Und kann mich auch nicht richtig entscheiden, was ich hier jetzt noch schreiben möchte.

Vielleicht doch noch ein wenig zu gestern, als ich mich über Peter Kraus vom Cleff etwas aufgeregt habe. Piraten, Wegelagerer, Freibeuter, Innovatoren stand im Titel der Buchtage, und was ich gestern noch als Scherz wähnte, stellte sich als wirklich bestimmendes Thema heraus.

„Wir verändern uns, bevor wir verändert werden.“ sagen und genau merken, dass die Geschwindigkeit der Veränderung zu langsam ist und deshalb auf Deck stehen, ähm auf der Bühne vor seinen Kollegen, und mit vollen Backen gegen den Wind blasen, der sie alle antreibt. Irgendwie traurig. Also, was ist passiert?

Nach meinem Empfinden, hat der kaufmännische Geschäftsführer vom Rowohlt Verlag unter dem Beifall vieler seiner Verlagskollegen 10 Minuten lang seine Kunden, die Leser, also mich beschimpft. Er erzählte u.a., dass er für Rechtsverfolgung seine Leser im letzten Jahr 160.000 € ausgegeben hat aber damit leider nur 14.000 € erlösen konnte. Dass Vorratsdatenspeicherung (VDS) von einem demokratischen Staat gar nicht schlimm sei, das würden amerikanische Unternehmen ja heute eh schon alles machen. Und er merkt nicht mal, was er da erzählt, in welchem Film er mitspielt. Hammer!

Er vergisst, dass er irre viel dafür ausgibt, unautorisierte Nutzung der Werke seiner Autoren zu verbieten, anstatt sie dafür zu verwenden, die Nutzung der Werke einfacher, komfortabler und günstiger zu machen. Ladendiebstahl sei günstiger als Bezahlen. Von Autofahrern, die im Schutz des Autos (der Anonymität im Netz)  Stinkefinger zeigen würden, was man sich als Fahrradfahrer und Fussgänger (mit seinem Klarnamen) nicht trauen würde. Und dabei weiss er einfach nicht, was sich die Leute bei Facebook alles trauen, unter ihrem Klarnamen zu sagen.

Und er vergisst, dass ich mich bei Facebook & Co durch Nichtmitmachen von deren Datensammellust entziehen kann, ich aber den Innenminister wohl schlecht darum bitten kann, bei der VDS nicht mitzumachen, usw. Und in der gleichen Tonlage, wie abgesprochen sprach natürlich auch Matthias Leonardy, Chef der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen.

Spassfrei, Lustlos, Angestrengt, Traurig, Bemüht, Langweilig!

Da kommen also einmal im Jahr Verleger und Buchhändler zum Jammern, zum Klagen, zum Meckern über „die Umstände“ nach Berlin. Die Forderungen der Beiden kurz zusammen gefasst: Vorratsdatenspeicherung, Aufhebung der Anonymität, konsequente Rechtsdurchsetzung.

Dagegen wurden die Vorträge von Sascha Lobo und Kathrin Passig und auch heute von Gunter Dueck höflich ertragen, denn sie passen nicht ins Weltbild! Man klammert sich an die Vergangenheit: „Sie vergleichen die Ideale von heute mit den Fehlern von morgen!“

Und weil’s jetzt schon spät ist, schreib ich mal lieber an meiner Rede, statt hier, weiter.

PS: ich war echt dabei und habe ein Beweisfoto, als Sascha seine neue Art von Verlag angekündigt hat: sobooks yeah,  viel Glück, bin gespannt! Darf ich mitmachen?

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