Ordnung schaffen…

Berlin, 7:19, Tag 268 (noch 96 Tage)

Gestern mein Vortrag (lief suuper!) und ein Heimflug, zeitig um 10 ins Bett. Um zwölf dann wach, als ob ich aufstehen könnte. Selten traumlos weiter bis zwei Minuten vor dem Wecker geschlafen. Heute ein Workshop zur Entwicklung einer digitalen Strategie. Super spannende Kiste. Bin aufgeregt gespannt, aber ohne das übliche „Du machst Dich sicher gleich zum Obst auf der Bühne“-Gefühl. Es gibt ja auch keine Bühne, also nur die kleine, ausgedachte in unserem grossartigen Meetingraum-Terassen-Ensemble.

Hab grad schon die Metaplanwände und das Flipchart vorbereitet, Tee hingestellt, den Monitor gecheckt, ein Mindmap angelegt, eben Ordnung gemacht, aufgeräumt. Ich glaube, es zeigt Wertschätzung, wenn alles „ready to rock“ ist. Und es erzeugt nebenbei irgend etwas unfassbares, unbestimmbares Gefühl, so etwas wie gute Stimmung, Energie, Karma.

Ich hab lange nicht mehr aus dem Zenkoch zitiert, heute ist es mal wieder soweit:

The cleaning process itself changes the cook as well as the surroundings and the people who come into those surroundings— whether we’re in a Zen meditation hall, a living room, a kitchen, or an office.

Ok, genau das wird mir immer bewusster und immer wichtiger. Das wunderbare ist, dass alleine der Prozess des Aufräumens, Sortierens, des Säuberns seine ganz eigene Kraft hat und entfaltet. Unabhängig davon, wie man sich dabei fühlt und ob man es mag oder nicht. Ein wertungs- und absichtsloses Aufräumen der Dinge, Dateien, Texte, Räume die einen umgeben, erzeugt diese Kraft, die viel stärker wirkt, als mir lange Zeit bewusst war.

Beim Fliegen räume ich manchmal die Dateien in meiner Dropbox auf. Denn manchmal mag ich keinen Film schauen, keine Musik hören, mich nicht unterhalten, nichts mehr lesen. Es gibt Momente, da kann ich keinen neuen Input mehr ertragen. Es passt nichts mehr rein, ich bin wohl einfach satt.

Dann gibt es für mich drei Alternativen. Ich schliesse die Augen und meditiere, mache gar nichts, faulenze, stoppe alle Aktivitäten. Oder aber ich fange an zu schreiben, zu malen, das aufgenommene der letzten Tage, Wochen will dann wieder raus, sich ausserhalb von mir manifestieren. Und die dritte Alternative ist das Aufräumen von Dingen, auch eine Art Meditation. Das schönste Aufräumen ist, wenn ich nicht aufräume, um irgend einen Mangel zu beseitigen oder um irgend etwas zu finden, sondern einfach so, um Ordnung zu schaffen.

Im Zenkoch geht es dann auch weiter, mit diesem Satz:

The process of cleaning also allows us to discover the ingredients that are already in this space. We begin to see the ingredients we already have.

Man kann nicht nur in physischen oder virtuellen Dingen Ordnung schaffen, auch in seinem Kopf selbst, kann man ab und zu mal durchfegen und alles anschauen, sortieren und wieder an seinen Platz stellen. Es gibt viele Möglichkeiten dazu, jeder hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Möglichkeiten entwickelt, die einen Laufen, gehen Spazieren, setzen sich auf den Balkon oder in ein Cafe oder fahren Auto, U-Bahn und schauen aus dem Fenster. Der für mich effektivste Weg für das Aufräumen des Geistes, den ich in den letzten Jahren entdeckt habe, ist aber meine morgendliche Sitzmeditation.

Just as we start cooking a meal by cleaning the kitchen, it’s helpful to start the day by cleaning our mind. In Zen Buddhism, we clean the clean the mind by the process of meditation, or zazen, which literally means “just sitting.”

Wünsche allen einen wunderbaren Tag!

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