Schon drei mtc-Sommerfestgruppenbilder…

Berlin, 8:36, Tag 264

Mein Traum führte mich heute eine Treppe hinunter, mit Puzzles und Wasser und Brücken. Auf einem Feuerwehrfest. Erst zu Fuss, dann mit einem Auto, erst mit Aleyna, dann mit Freunden. Ein hoher Bordstein, Risse in der Strasse, dann geschafft und aufgewacht…

Es ist so viel los grade. Nein, es fühlt sich nur so an. Nach dem Sommerfest am Donnerstag startete der dritte Block eines Trainer Training bis heute, eine Weiterbildung für meine vielen Vorträge und Workshops und Trainings, die ich eh schon gebe. Die nächste Woche ist die letzte vor drei Wochen Urlaub. Also schwirren so viele Themen in meinem Kopf rum, die ich angehen möchte, über die ich hier schreiben möchte, über die ich schreiben könnte. Und noch viel mehr Themen, die ich machen möchte.

Aber hier erst mal ein Vorabzug unseres diesjährigen mtc Sommerfestgruppenbildes mit knapp – wie irre – etwa 110 ganz wunderbaren Menschen drauf! Es war eine so tolle Feier, herzlichen Dank auch hier noch mal an alle, die sie möglich gemacht haben und an alle, die mit gefeiert haben… es hat irre Spass und Freude gemacht!

5. mtc Sommerfest, 21. Juni 2012 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Und ich hab schnell mal gesucht, hier noch die Bilder aus den letzten Jahren, in denen wir auch genug Entschlossenheit zum Bild fanden.

4. mtc Sommerfest, 23. Juni 2011 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Drei mal schon… hier zum Abschluss das erste, aus 2008!

2. mtc Sommerfest, Juni 2008 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Ist es nicht herrlich zu sehen, wie sich etwas entwickelt? Wie aus drei Fenstern, vier werden und dann der Lift dazu kommt? Ach, wie schön dabei sein zu dürfen, wenn sich etwas entwickelt. Es geht mir gar nicht so sehr um Größe oder Anzahl, es ist eher das mehr an Erfahrung und an Beziehung, das mehr an Leben, was ich in den Bildern sehe und worüber ich sehr dankbar bin!

Bei allem eine Freude am Sein zu haben, wird immer stärker und immer wichtiger für mich. Raus aus dem Mangel, raus aus der Angst, hin zu Spass und Freude. Ohne Druck und Stress, ohne zu Vergleichen, keine Wertung, hin zu dem, was nun dran ist, was hier vorhanden ist. Es dann mit einem Lächeln, einem ruhigen Atem annehmen können. Den Tag mit einem optimistischen: ja, schön! begrüßen. Wenn die eigenen Akkus voll sind, fliegt man so leicht durchs Leben. Dann sieht man endlich, ohne sich gleich drauf zu stürzen. Dann spürt man endlich, was wirklich möglich ist. Dann kann man helfen, ohne selbst zum Wrack zu werden. Dann kann man durchs Leben gehen, ohne weg zu laufen.

Schönen Sonntag wünsch ich allen…

 

Nur ein Traum…

Berlin, 7:43, Tag 263

In einem halben Restaurant standen Tische. Mittagesbuffet, verschiedene Schnitzel, gestapelt auf Tellern. Braune Kruste, weisse Tischdecke. Nudeln in Schüsseln. Andere Gäste löffeln und schneiden an den verbliebenen Tischen. Vor dem Fenster die besten Plätze gibt es nicht. Nur das Parkett glänzt. Ich nahm nur Nudeln. Grosse Stücke. Ich sitze G. gegenüber und starre auf sein Essen. Dann wartete ein Taxi. Einsteigen, losfahren. Gerade aus. Dann eine Kreuzung, wir müssen rechts. Aber warum fahre ich denn selbst? Ich wende lieber. Zurück zum Restaurant. Es ist nicht weit. Die Strasse jetzt viel dunkler, mit Absperrungen. Polizeikontrolle. Sie suchen mich. Und winken das Taxi durch. Wieder im Licht wache ich müde auf…

Wünsche ein tolles Wochenende…

Meine Rede zum Sommerfest…

Berlin, 7:20, Tag 262

Hier meine gestrige Rede zu unserem 5. mtc Sommerfest. Eine Inspiration kam diesmal von Gunter Dueck, dessen Reden ich begeistert verfolge aber dessen Bücher ich nicht lese. Herzlichen Dank auch an ihn dafür!

Fotos: Michael Bartos, http://www.bartos-projects.de/blog/

meine rede zum 5. mtc-Sommerfest

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herzlich willkommen! ich begrüsse meine eltern, alle mtc kollegen, unseren dj aus wien, die incos aus gorzow, die bundesdruckerei und jouve.

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nur bayer schickt keinen, angeblich aus compliance gründen, dafür feiern wir auf ihren parties.

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herzliche grüße auch an alle anderen, die es nicht möglich machen konnten, zu kommen!

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ich nerve ab und zu meine freunde vor veranstaltungen und reden wie diesen und frage sie nach tips.

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sie sagen dann meist so etwas wie: es ist doch egal, was ich sage oder sage einfach kurz allen danke, das reicht doch.

oder berichte doch über ein paar highlights, wie taskoutsourcing oder die ausschreibung patprod oder über unsere forschungsprojekte aus dem letzten jahr

oder wiederhole doch einfach die rede vom letzten jahr, das merkt eh keiner.

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also mach ich, wie in letzter zeit sehr oft, mal was ganz anderes und neues für mich und halte eine grundsatzrede für mein team und ihr alle könnt dabei zuhören.

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heute morgen habe ich von einem ex-ibm’er gehört: die informationstechnologie industrialisiert die vermittlung/intermediäre. ich sag euch jetzt, was ich dabei gedacht habe.

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banken, da kommen wir her, vermitteln zwischen anlegern und kreditnehmern, versicherungen verbinden risikoträger mit kunden, apotheken verbinden pharmafirmen mit patienten, handel generell verbindet produzenten mit konsumenten.

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aber das internet, auf basis von informationstechnolgie, mit der wir uns richtig gut auskennen, verbindet alles miteinander. und zwar, ohne die alten vermittler zu fragen oder wirklich zu brauchen.

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und auch auf uns selbst trifft das zu.

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das internet wird dabei oft nur für sich selbst benutzt – also ala, dann machen wir jetzt auch einen webshop, online banking, eine datenbank, einen blog, eine facebookpage, einen twitteraccount.

dabei wird das internet nicht für die kunden benutzt, sondern es wird „nur“ bestehendes vereinfacht, automatisiert, commodifiziert, gecrowdsourced, ausgenutzt, kostengesenkt, optimiert…

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und genau davon leben wir heute.

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denn genau das machen wir: wir vereinfachen, wir automatisieren, wir industrialisieren… und das können wir verdammt gut.

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unsere kunden machen diese projekte sehr oft nicht, weil sie lust drauf haben oder wenigestens spass dran hätten, sondern weil sie angst um ihr armes geschäft haben, angst um ihre karrieren, um ihren bonus, um ihren status.

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und genau so etwas regt mich unwahrscheinlich auf und gleichzeit auch -an!

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unsere heutigen kunden (wir selbst eingeschlossen) nutzen das internet nur, um uns selbst zu industrialisieren, manchmal bis zur aufgabe der eigenen identität.

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auf das wirklich neue, haben sie (noch) keine lust.

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sie wollen sich nicht kannibalisieren, sie wolles retten und bewahren: die musikbranche die cd, die filmbranche die dvd, verlage, druckerein die zeitung und das buch, aber auch banken und versicherungen ihre beratung, pharmafirmen ihr wissen um heilung und natürlich auch wir unser produkt deparom und -profil!

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alle denken, wir, die patentämter, die patentabteilungen, auch pharmafirmen, dass schon nichts passieren wird, dass es schon nicht so schlimm wird, dass sich vielleicht der hype um cloud, crowd, um soziale netzerke und social business sich bald wieder legen wird. bis zur rente wird es schon reichen. hoffentlich.

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und während wir auf der einen seite noch distanz zur konkurrenz, zu anderen software- und beratungsfirmen suchen, werden wir auf der anderen seite überholt von agilen netzwerken von freiberuflern und kleinen teams, die sich nicht mal mehr berater oder entwickler oder firma nennen möchten, weil es ihnen zu oldfashioned ist.

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sie sind all-in the cloud, publizieren ihren code in github, lassen die anwendungen auf heroku laufen.

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haben mail, durch facebook und reddit ersetzt. wenn sie nach berlin kommen, melden sie sich nicht mal mehr bei immoscout an, sondern buchen urlaubsunterkünfte bei freunden, bei airbnb oder couchsurfing. statt den immoteil der zeitung anzumarkern oder ins reisebüro oder bei deren lustlosen internet versuchen wie reise.de zu gehen, kriegen sie eine push notifiation aufs handy, wenn eine neue wohnung eingestellt worden ist.

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sie machen selber, statt vermitteln zu lassen.

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sie diskutieren ihre probleme in ihren blogs oder auf reddit, erzählen ihre geschichten auf twitter und vor allem, sie machen nur projekte, auf die sie lust haben, lassen sich flattern, schreiben ihre rechnungen über wepay, oder paypal und verkaufen die links auf frei im netz liegende dateien über gumroad oder machen alles zusammen oder ganz anders.

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das sind tatsachen, die zu sehen, mir richtig spass machen, das zu erkennen mich mit freude, mit unbändiger vorfreude erfüllt.

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wisst ihr warum mich das so freut?

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weil ich sehe, was ihr alles baut und auch was ihr alles noch bauen könntet!

weil es mir jeden tag spass macht, mit und für euch zu arbeiten. und dafür bin ich extrem dankbar und darauf bin ich verdammt stolz.

weil ich sehe, dass wir mehr und mehr das glück haben, die probleme des erfolges zu erfahren.

dass wir nicht mehr zu allem ja sagen, dass wir zwar immer noch angst haben, dass wir nicht durch kommen, dass das alles nicht sein kann, dass es morgen vorbei ist.

denn das größte problem des erfolges ist, dass die welt da draussen sich zu verschwören scheint, um uns davon abzuhalten, das weiter zu tun, was uns erfolgreich gemacht hat.

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und ich glaube, dass uns folgende werte so erfolgreich haben werden lassen:

wir versuchen zu überzeugen, statt anzuweisen
wir bevorzugen projekte, statt routine
wir haben offene, statt (fester) strukturen
wir beobachten, statt zu kontrollieren
wir sind freundschaftlich, statt formal

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das sind unsere stärken, die uns verbunden mit gutem handwerk, mit der beherrschung der tools und technolgien, auch in zukunft erfolgreich bleiben lassen.

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so, nun komme ich zum schluss und möchte euch noch das wahre geheimnis unseres erfolges verraten.

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ich ahne nämlich, warum uns unsere kunden wirklich bezahlen. es gibt dafür drei gründe: ok, wir müssen einen guten job machen, es macht zweitens spass, mit uns zu arbeiten und drittens wir liefern unsere arbeit auch pünktlich ab.

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und das eigentlich geheimnis ist dabei, dass wir nicht mal alle drei zu erfüllen brauchen, zwei reichen völlig aus.

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wenn es unseren kunden spass mit uns macht, verzeihen sie uns unpünktlichkeit oder auch mal ein nicht so tolles ergebnis.

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wenn einige von uns permanent unzuverlässig sind, müssen sie schon grandiose arbeit machen, und die kunden müssen sie mögen. und wenn es tatsächlich vorkommen sollte, dass es mal keinen spass mit uns machen sollte,… nun ihr habt verstanden.

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aber meist machen wir doch alles dreies zusammen!

und genau der spass ist der hauptgrund für diese party heute!

jetzt sage ich nur noch danke beim team von monopol, und bei aschi, die heute dafür arbeiten, dass wir hier spass haben und auch danke zu ira, sabrina und udo, die die hauptlast der vorbereitung für diese party trugen.

auf ein tolles sommerfest. prosit!

(arne krueger, 21. juni 2012)

Spassfrei, Lustlos, Angestrengt, Traurig, Bemüht, Langweilig!

Berlin, 7:57, Tag 261

Wieder nichts merkenswertes geträumt, wieder etwas kurz gesschlafen, wieder pünktlich um 5 von meiner inneren Uhr gnadenlos geweckt worden und es wieder sehr genossen, noch eine Stunde liegen zu bleiben, leise zu kuscheln, flach zu liegen, nach zu denken, wach zu träumen, selig zu lächeln…

Worüber ich heute Abend auf unserem Sommerfest sprechen möchte, bestimmt meine Gedanken und wie ich meinen Tag gestalte, der eigentlich voller schöner anderer Termine ist. Die perfekte Ausrede, nicht beim Aufbau zu helfen, wobei das auch richtig viel Spass macht.

Und kann mich auch nicht richtig entscheiden, was ich hier jetzt noch schreiben möchte.

Vielleicht doch noch ein wenig zu gestern, als ich mich über Peter Kraus vom Cleff etwas aufgeregt habe. Piraten, Wegelagerer, Freibeuter, Innovatoren stand im Titel der Buchtage, und was ich gestern noch als Scherz wähnte, stellte sich als wirklich bestimmendes Thema heraus.

„Wir verändern uns, bevor wir verändert werden.“ sagen und genau merken, dass die Geschwindigkeit der Veränderung zu langsam ist und deshalb auf Deck stehen, ähm auf der Bühne vor seinen Kollegen, und mit vollen Backen gegen den Wind blasen, der sie alle antreibt. Irgendwie traurig. Also, was ist passiert?

Nach meinem Empfinden, hat der kaufmännische Geschäftsführer vom Rowohlt Verlag unter dem Beifall vieler seiner Verlagskollegen 10 Minuten lang seine Kunden, die Leser, also mich beschimpft. Er erzählte u.a., dass er für Rechtsverfolgung seine Leser im letzten Jahr 160.000 € ausgegeben hat aber damit leider nur 14.000 € erlösen konnte. Dass Vorratsdatenspeicherung (VDS) von einem demokratischen Staat gar nicht schlimm sei, das würden amerikanische Unternehmen ja heute eh schon alles machen. Und er merkt nicht mal, was er da erzählt, in welchem Film er mitspielt. Hammer!

Er vergisst, dass er irre viel dafür ausgibt, unautorisierte Nutzung der Werke seiner Autoren zu verbieten, anstatt sie dafür zu verwenden, die Nutzung der Werke einfacher, komfortabler und günstiger zu machen. Ladendiebstahl sei günstiger als Bezahlen. Von Autofahrern, die im Schutz des Autos (der Anonymität im Netz)  Stinkefinger zeigen würden, was man sich als Fahrradfahrer und Fussgänger (mit seinem Klarnamen) nicht trauen würde. Und dabei weiss er einfach nicht, was sich die Leute bei Facebook alles trauen, unter ihrem Klarnamen zu sagen.

Und er vergisst, dass ich mich bei Facebook & Co durch Nichtmitmachen von deren Datensammellust entziehen kann, ich aber den Innenminister wohl schlecht darum bitten kann, bei der VDS nicht mitzumachen, usw. Und in der gleichen Tonlage, wie abgesprochen sprach natürlich auch Matthias Leonardy, Chef der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen.

Spassfrei, Lustlos, Angestrengt, Traurig, Bemüht, Langweilig!

Da kommen also einmal im Jahr Verleger und Buchhändler zum Jammern, zum Klagen, zum Meckern über „die Umstände“ nach Berlin. Die Forderungen der Beiden kurz zusammen gefasst: Vorratsdatenspeicherung, Aufhebung der Anonymität, konsequente Rechtsdurchsetzung.

Dagegen wurden die Vorträge von Sascha Lobo und Kathrin Passig und auch heute von Gunter Dueck höflich ertragen, denn sie passen nicht ins Weltbild! Man klammert sich an die Vergangenheit: „Sie vergleichen die Ideale von heute mit den Fehlern von morgen!“

Und weil’s jetzt schon spät ist, schreib ich mal lieber an meiner Rede, statt hier, weiter.

PS: ich war echt dabei und habe ein Beweisfoto, als Sascha seine neue Art von Verlag angekündigt hat: sobooks yeah,  viel Glück, bin gespannt! Darf ich mitmachen?

Vier Gründe für ein Halleluja…

Berlin, 7:25, Tag 260

Ein Traum, ein schöner eigentlich, aber beim gemütlichen dreimaligen Snoozen ist er entschwunden ins Nichts.

Heute geh ich auf die Buchtage: Verlage im Widerstreit um Kundenorientierung und Rechtsschutz steht im Titel. Ein paar weitere Stichworte aus dem Programm sind: Bücher in der Cloud: Bedrohung oder Geschäftsmodell der Zukunft. Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt, Neue Schutzkonzepte für Ebooks, Perspektiven für Verlage in der Filesharing-Welt, DRM und Urheberrechtsverfolgung – die Erfolgsstrategien Kultur schaffender Branchen.

Der Auslöser für meine Entscheidung war aber eher, dass Sascha Lobo heute und Gunter Dueck morgen dort sprechen werden. Mich interessiert ja die gesamte Diskussion um gesellschaftlichen Wandel durch Digitalisierung enorm. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass sich die Ansichten von Sascha und mir zu sehr vielen Themen stark überschneiden, so war die Gelegenheit günstig, ihn nach re:publica mal auf -vielleicht eher feindlichem- Terrain zu erleben. Bin gespannt!

Bei Gunter Dueck ist das leicht anders, sein Vortrag auf der re:publica 11 über das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem war unübertroffen grossartig, aber an seine Bücher komm ich nicht ran und seine wöchentlichen Kolumnen lese ich – Gegensatz zu Saschas bei SPON – nur selten und oberflächlich. Vermutlich ist er mir für meinen Geschmack zu missionarisch und zu wenig aufklärerisch unterwegs oder schreibt einfach zu verschroben.

Vielleicht weil ich selbst etwas verschroben, verschwurbelt schreibe (und denk) und auf der Suche nach der klaren, unterhaltsamen Sprache bin, die ich bei u.a. bei Sascha lesen und sehen kann.

Dann überlege jetzt schon eine lange Weile warum mich eigentlich das Thema Digitaler Wandel so stark interessiert.

Ich denke, dass liegt Erstens daran, dass ich immer schon in der Software Industrie gearbeitet habe, selbst als Bauer und als Banker spielten Rechner für mich eine zentrale, bestimmende Rolle in meinem Leben. Es drehte sich immer alles um die Kisten, und was sie können, was sie machen, was sie verändern.

Durch das Erstellen und den Betrieb von kleinen und grossen Softwaresystemen bin ich (sind wir bei mtc) seit Jahrzehnten ja ganz nah dran an den Grundlagen, den Basics, den Bausteinen dieser -für mich ja überhaupt nicht plötzlich stattfinden- Revolution.

Dazu kommt wohl Zweitens, dass wir seit 2006 irgendwie auch zur Contentmafia (was ein furchtbarer Begriff!) gehöre, da zwei unserer Softwaresysteme Patentinformationen „produzieren“ und vertreiben. Das Produkt ist seit 2006 totgesagt und wurde wie ein altes Möbelstück auf die Strasse gestellt, auf der ich es mitnahm.

Und Drittens mich interessiert immer, was für Auswirkungen mein Tun hat. Was passiert bei den Kunden, wenn sie ihre Arbeitsweise durch Rechner, durchs Web ändern. Bei allen IT-Projekten meines Lebens sind mir immer die Reaktionen der Menschen, die Veränderung in den Organisationen am deutlichsten und klarsten in Erinnerung geblieben.

Ich denke man kann viel von lauten, klar sprechenden Menschen der Kulturindustrie lernen und auf andere Branchen übertragen. Das ist wohl der vierte Grund: meine grosse Leidenschaft für das Verbinden von Dingen, das Übertragen von Erfahrungen die erst mal (in meinem Kopf zumindest) nichts miteinander zu tun hatten.

So! Zum Schluss wieder etwas Metakommunikation: ich lese mir das jetzt noch mal schnell durch hier, um die schlimmsten Fehler zu bereinigen, aber ein klarer Text mit eindeutigem Ziel, einer Absicht, einem intendierten Mehrwert für Dich, verehrter Leser, wird es auch heute hier in diesem Tagebuch nicht geben. Hier übe ich öffentlich das Schreiben von Texten könnte unter anderem da oben stehen, so unfertig, unvollkommen fühlt sich das alles hier grade wieder mal an.

Mit einem wunderschönen Sonnenauge über Kreuzberg…

… verabschiede ich mich verschwurbelt lächelnd in den Tag!

Einfach loslaufen…

Noch Istanbul, 7:01, Tag 259

In einer Ruine, drei Wohnungen, eigentlich ganz nett. Verfallene Wände ermöglichen ungewohnte Einblicke. Kleine Familien leben dort, ich auch. Das Bild ist geblieben, der Traum ist verschwunden.

Bin auf dem Weg zurück nach Berlin nach zwei Tagen Sonne tanken am Strand fühlt sich das völlig ok und absolut komisch an. Knappe zwei Wochen noch, dann sind wir für drei Wochen in Beirut. Und das fühlt sich mehr als komisch an, völlig surreal.

Unser Sommerfest ist in dieser Woche, in zwei Tagen, übermorgen… oje, das wird sehr aufregend!

Dann ein langes Seminarwochenende… oje, das wird anregend!

Und dann drei Hammertermine in der nächsten Woche: Paris, Stuttgart, Berlin… oje, das wird anstrengend!

Am Wochenende danach dann Beirut… oje, wie das klingt?

So als ob ich völlig hektisch werden sollte, nervös, aufgeregt. Aber dieses zuviel erzeugt eher das Gegenteil: ein aberwitziges jetzt-ist-eh-alles-egal-lass-es-laufen-bleib-ganz-ruhig Chaos macht sich breit. Normalerweise läuft jetzt das Programm los: dass ich nicht gut genug vorbereitet bin… ich hätte, müsste, sollte! Und zwar jetzt sofort! Das endet dann in einem: hat eh keinen Sinn, also nimm es wie es kommt. Das Lampenfieber vor all meinen Auftritten ist so ähnlich und ich kann das auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Was für ein schräges Programm. Ich weiss das wohl. Und so schlimm, wie es sich hier vielleicht für den ein oder anderen liest, ist es ja auch alles gar nicht.

Denn dann küsse ich meinen Mädels ein Auf bald auf die Stirn im Schlaf und lauf einfach los…

Noch diesen einen Tag…

Bizimköy, 7:15, Tag 258

Zu kurz geschlafen, aber der gestrigen Abend sollte einfach nicht enden und der heutige Morgen konnte nicht früh genug beginnen. Es ist schön hier, weg, draussen. Der Frühling war wohl zu kalt, deshalb sind wir dieses Wochenende zum ersten mal im Jahr hier. Den ganzen letzten Sommer haben wir hier verbracht, in Grossvaters altem Sommerhaus.

Und das Essen erst! Das gibt es ja auch zu Hause, aber der frischeste Supermarkt in Berlin macht mir nicht halb so viel Appetit wie diese Pazarı auf den Dörfern hier…

 

   

Heute mach ich noch frei. Erst Morgen geht’s wieder los. Wünsche einen grossartigen Tag!