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Über meine Zwänge…

Silivri, 8:05, Tag 289

Wieder mal zeitig und wieder mit vergessenem Traum. Das Gefühl des Traumes ist aber sogar noch jetzt, nach 50min Meditation am Strand und Tee kochen und kurzem Nachrichtenüberblick verschaffen immer noch da. Und ich merke grade, wie ich auch heute nichts schreiben möchte. Es passiert hier auch grad nicht so viel, ausser dass ich weiter Erholung suche und wohl etwas ruhiger werde.

Vielleicht schreib ich aber mal einen Post über zwanghafte Handlungen. Nach meiner Unruhe, die ich am Dienstag mal wieder sehr stark bemerkte, nun etwas mehr zu den Folgen der Unruhe.

Es gibt Situationen, in denen ich offensichtlich keine Wahl habe. Ich muss dann etwas ganz bestimmtes tun, sagen oder machen. Obwohl ich weiss, dass es nicht gut ist, nicht angemessen oder dass es einfach nervt. Und damit nicht genug, ich muss das dann meist wiederholen, immer wieder, bis auch der letzte in meiner Nähe merkt, dass etwas nicht stimmt, dass irgend etwas mit mir los ist. Ich befinde mich dabei wirklich wie unter einem echtem externen Zwang, wie unter Androhung von Gewalt. Irgend etwas zwingt mich dazu, auf diesem einem Standpunkt, in dieser Schleife, dieser Tätigkeit, auf dieser Meinung beharren zu müssen.

Die jeweiligen Auslöser für alle meine zwanghaften Handlungen sind sehr unterschiedlich. Es ist mehr eine Stimmung, in der ich mich befinde, als ganz konkrete Anlässe. Und dann kann eigentlich alles Auslöser sein, eine Mücke die vorbeifliegt, eine klappende Tür, ein umgefallenes Glas, ein leeres Glas, ein volles Glas, ein zu volles Glas, egal was.

Zwanghaftes Ordnen

Es kann das Aufräumen, Saubermachen also irgend eine Form von Unordnung sein. Das sind die eher harmlosen Zwänge, die ich mit Zen und der Weg ist das Ziel ganz gut in den Griff gekriegt habe. Ich fang dann einfach an, aufzuräumen, sortiere sogar fremde Schreibtische oder erst mal kaufe Putzmittel und Werkzeuge ein, räume irgend etwas um.

Wenn andere Menschen in der Nähe sind, putze ich bevorzugt in deren Nähe. Es muss ganz deutlich werden, dass mich hier grade massiv etwas stört. Also müssen genau dort unter Deinem Stuhl, jetzt gefegt oder noch besser gesaugt werden. Das macht so richtig Krach. Beim Abwaschen wird geklappert, was das Zeug hält und verschiedene Tellerstapelvarianten probiert oder der Besteck komplett gereinigt, was beim Ein und Ausräumen je Fach zu enormen Lautstärken führen kann, die man in jedem Winkel von auch grossen Wohnungen noch hören kann.

Zwanghaftes Planen

Ein sehr beliebter Zwang ist sind das Erstellen, Ändern und die Nichteinhaltung von Plänen, ToDo’s oder sonstige Routinen sein. Das zwanghafte Planen ist schon komplexer und funktioniert alleine eigentlich nicht. Beim zwanghaften Ordnen kann man auch trotz Zen mit abwesenden Mitmenschen Spass haben, in dem man ganz pedantisch deren Sachen aufräumt. Während man einen Anfall von zwanghaftem Planen, eigentlich mit sofortiger Einsamkeit ganz gut behandeln kann.

Der Zwang funktioniert besser, wenn man ein gutes Gedächtnis hat. Ich kann mir eine beliebige Aussage, Wunsch, Plan oder auch nur Ideen von mir selbst oder anderen nehmen, und mir selbst beweisen, dass es anderes gekommen ist, als gedacht. Dies ist aber nur der Ausgangspunkt, von dem aus ich mir weiter beweise, dass noch niemals, irgendein Plan funktioniert hat und wir sofort alles ganz anders und vor allem endlich nach einem jetzt aber richtig und neu auszuarbeitenden Plan neu zu machen haben. Sei es ein beliebiges Projekt, ein Ausflug, der Urlaub, der gar der einfach Strandbesuch oder auch das Mittagessen. Mit entsprechender Planung und Vorbereitung hätte man nicht so einen Reinfall erlebt, wie dieses Mal. Es würde an alles gedacht, wir wären auf alle Eventualität vorbereitet, von den richtigen, besseren Menschen unterstützt und begleitet, mit dem gewünschten Ergebnis beglückt sein. Mit zwanghaftem Planen, kriegt man jeder Unterhaltung, jede zwischenmenschliche Beziehung innerhalb kürzester Zeit gekippt.

Zwanghaftes Vergleichen

Oh, falls man mit Unordnung oder mangelnder Planung noch nicht genug hat, kann ich mich auch sehr gut durch zwanghaftes Vergleichen motivieren. Ein Blick in die News genügt und schon finde ich jemanden, mit dem ich mich vergleichen kann und der irgend etwas besser kann oder besser gemacht hat. Dieser Zwang funktioniert sowohl allein, als auch in der Gruppe ganz gut. Einfache Gegenmaßnahmen kenn ich hier eigentlich nicht, ausser abzuwarten, bis der Anfall vorüber ist.

Es kann alles sein, ein toll formulierter Satz, ein Tweet, ein Lebenlauf, das Alter, Geld, Stil, Ausdruck, Freunde, Freuden, eben irgendwas sein. Ich schnappe mir irgend ein Detail eines anderen Lebens, vergleiche meines und mich damit und schneide meistens schlechter ab. In extrem seltenen (An)Fällen (von Größenwahn), schneide ich besser ab, wobei ich das dann nicht Zwang sondern Glück nennen würde.

Ganz grossartig wird es auch, wenn ich meine Zwangshandlungen mit denen anderer vergleiche und merke, dass es sehr viele sehr zwanghafte Menschen gibt. Wobei ich unschlüssig bin, wie ich das finden soll. Ist diese Einsicht das Ergebnis meines zwanghaften Vergleichens? Sind mehr Zwänge wirklich immer zwangsläufig schlechter? Verhindern unsere Zwangshandlungen, dass wir glücklich sind?

Wünsche zwanghaft lächelnd allen einen ganz grossartigen Tag. 😉

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