Ich liebe Himbeermarmelade…

Berlin, 7:04, Tag 296

Wenn ich aufwache, bin ich mit meinem Traum verbunden. Manchmal ist die Story stark, die Gefühle tief und die Erinnerung ganz deutlich. Nicht so heute morgen. Mit Anstrengung und Konzentration wäre ich an das Thema, an einige Szenen sicher wieder rangekommen. Statt dessen habe ich mich heute einfach wieder rumgedreht und noch eine halbe Stunde lang das Aufwachen genossen, fast meditiert, die auftauchenden Gedanken begrüsst, dabei bemerkt, welche Gefühle damit verbunden sind und beides wieder gehen lassen. Wieder eingedöst, wieder – mit einem neuen Gedanken – aufgewacht, das dazugehörige Gefühl bemerkt. Und dann doch aufgestanden…

Åsmund drüben hat schon wieder einen grossartigen Post geschrieben. Und schon wieder möchte ich meine Gedanken und Gefühle hier aufschreiben:

For more than a year, I’ve been asking people what they love. What do you love? Believe it or not, it’s a trick question. If you give it a chance, you’ll see it’s impossible to answer it sincerely only from your intellect. You don’t come to a decision of loving something, or someone. You love. Regardless of what you think about it.

Für über ein Jahr versuche ich nun schon ein Video zu machen, mit meiner Antwort auf diese, seine Frage. Alle paar Wochen kommt der Impuls wieder hoch, so auch gestern Abend. Ich stelle mir meist vor, auf meiner Terrasse zu stehen, das iPhone anzuschalten und mich zu fragen, was ich liebe und ein- und auszuatmen und… und dann, schaltet sich jedes mal – vorher, mittendrin, danach – mein Kopf dazu und ich bin unzufrieden. Es ist mir peinlich. Oder ich habe  etwas oder jemand ganz wichtiges vergessen, den ich doch unbedingt (auch liebe und deshalb) erwähnen sollte.

Dann denke ich, ok die Zeit ist nicht reif, warum muss ich das überhaupt machen. Ich werd mich einfach demnächst besser vorbereiten, erst mal abwarten, erst mal eine Notiz machen, ein ToDo anlegen, einen Termin im Kalender eintragen, ein Konzept oder vielleicht sogar für einen Workshop mit Freunden, Kollegen. Und ein Stativ, ich sollte erst mal ein Stativ kaufen.

Diese „trick question“ begleitet mich, sie leitet mich! Denn sie geht weiter, sie dehnt sich aus und plötzlich funktioniert sie auch mit Zufriedenheit, mit Glück, mit Frieden, mit Gesundheit. Was macht mich zufrieden, glücklich, gesund? Und die Frage funktioniert sogar mit Macht, Ohnmacht, Kontrolle, Erfolg, Reichtum, Verlust, Besitz. Was macht mich mächtig? Was lässt mich Kontrolle haben? Was macht mich erfolgreich und reich? Was besitze ich, was habe ich verloren?

Ja, Åsmund, diese eine und all die anderen Fragen lassen sich einfach nicht erschöpfend mit dem Intellekt beantworten, aufschreiben, aufzeichnen.

Es sind erkenntnisleitende Fragen. Die Fragen, die weiter führen, die eine Entwicklung sichtbar machen, die uns bewegen, uns in Bewegung versetzen, die zu etwas Neuem führen.

Es sind auch Fragen, die nerven, denen man ausweichen möchte und oft einfach weh tun. Solche Fragen decken auf, sie decken nichts mehr zu. Sie machen verstecktes und verdrängtes wieder sichtbar. Wenn man es zulässt und eben nicht nur mit dem Kopf, mit seinem Intellekt, in seinen gewohnten Denkmustern, mit den eingeübten Ritualen darauf antwortet.

Wenn man die Frage zulässt und ihr erlaubt, sich auszubreiten, führt sie letztlich zu einer Erkenntnis, dass es eben noch etwas anderes gibt, als unser gewohntes, dualistisches, unterscheidendes, trennendes Denken (ja, nein, gut, schlecht, etc). Eine andere Ebene des Denkens, Fühlens und Wissens. Eine Ebene in der es geht und ok ist, etwas nicht zu wissen und es doch zu tun. Diese andere Art zu denken und zu fühlen, kann zu radikalen Tranfsormationen, zu tiefgreifendem Wandel führen.

Wenn man einmal verstanden hat, dass das eine alles, und alles das eine ist, dann eröffnet sich eine neue Dimension, eine neue Welt, in der alles möglich scheint. Und die Antwort auf die Frage wird belanglos. Die Antwort liegt nicht in den Worten dieser Dimension des Denkens. Die Antwort liegt in der veränderten Aufmerksamkeit, in Changed Attention, in einer veränderten Sichtweise auf unsere Welt.

What do you love? You don’t know? Good! Now, go do what you love. 

Und plötzlich tauchen zwei Tauben am klaren Himmel auf, als ich mein erstes Bild mache.

Und plötzlich blitzt die Sonne durch die Zweige, als ich mein zweites Bild mache.

Und plötzlich merke ich, dass ich in diesem Moment Himbeermarmelade über alles liebe (Danke, Antje!;) und mache mein drittes Bild.

Wünsche allen hier einen wunderbaren Tag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s