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Der Status von Zeit

Berlin, 7:30, Tag 307

Ich habe geträumt. Erinnerte mich nur dunkel. Jetzt ist alles vergessen.

Dass meine Familie mit mir hier ist, stellt mich vor komische Herausforderungen. Ich konnte es gestern Abend doch nicht lassen, mich dem Konzept Arbeit hin zu geben.

Wenn ich alleine bin, gibt es kaum noch eine Trennung zwischen Arbeit und nicht Arbeit. Ich tue einfach, was dran ist, brauche nicht zu trennen zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Die Grenzen verlaufen fliessend. Keines von beiden ist besser oder schlechter. Beides ist notwendig und Teil meines flexiblen Tagesablaufes.

Wenn ich nicht alleine bin, gibt es plötzlich eine Trennung. Sätze wie: Schaahatz, ich muss noch ein, zwei Stunden in Ruhe arbeiten erzeugen diese Trennung. Aber sind solche Sätze wirklich notwendig am Wochenende, mit Frau und Kind? Genauso in der Woche. Es ist klar, dass jetzt die Arbeitswoche beginnt, ich also weniger/nicht verfügbar bin für meine Familie. Aber warum eigentlich?

Diese Trennung macht doch keinen Sinn, jedenfalls nicht für mich, mein Umfeld, meine Situation. Solche Absprachen über den Status von Zeit in der Familie, zwischen Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen sind sicherlich praktisch, sie erleichtern das Zusammenleben auf eine gewisse Weise. In Arbeitsumgebungen mit Maschinenlaufzeiten, Öffnungszeiten, also in der Kohlenstoffwelt macht das sicher komplett Sinn. Nur eben nicht so in meinem Leben.

Aber auch in meinem Leben gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die an den Status der Zeit gekoppelt sind. Während der Arbeitszeit irgend etwas anderes ausser Arbeit zu machen, geht eigentlich nicht. Und nach Ablauf der Arbeitszeit, zu arbeiten auch nicht. Dazu gibt es eine irre Anzahl an ungeschriebenen und geschriebenen Regeln und Normen, wie wir uns wann und wo zu verhalten haben.

Und es wird immer wieder als problematisch gesehen, wenn sich sich dienstliches mit privatem vermischt, wenn die Trennung aufgeweicht oder gar aufgehoben wird. Darf ich jetzt, während meiner Arbeitszeit eigentlich bloggen? Ist bloggen Arbeit, wenn man damit kein Geld verdient? Darf ich während der Arbeit auch in der Espressolounge sitzen? Was ist, wenn Arbeitszeit ist, ich aber mich grade nach Freizeit fühle? Was ist, wenn ich frei habe, aber diese Idee und die Lust, sie jetzt unbedingt aufzuschreiben und damit auch umzusetzen?

Ok, es gibt diese gesellschaftliche Norm, das Konzept der Trennung von Arbeitszeit und Freizeit. Und wir übertragen das aber auch in Bereiche, in Arbeitsumfelder, wo das plötzlich weniger Sinn macht oder einfach gar keinen!

Neue Formen der Zusammenarbeit entstehen gerade, vor allem durch die neuen Kommunikationstools im Internet. Eine Vielzahl an Regeln und Normen aus der Kohlenstoffwelt werden gerade erneuert. Die Welt der grossen und kleinen Organisationen ändert sich. Die Zusammenarbeit von vielen Menschen zu einem gemeinsamen Ziel oder Zweck funktioniert heute auch ohne die künstliche Trennung von Arbeitszeit und Freizeit.

Mir hilft meine Familie dabei sehr. Vor allem hilft mir sehr, dass die tollste Frau aus einem andersartigem Kulturkreis, mit ganz anderen Definitionen von Arbeit, einem ganz anderen Wert von Arbeit kommt. Mir fallen genau dadurch die unbewussten Regeln auf, nach denen ich lebte und die, einmal gebrochen, zu einem neuen, anderen, vor allem aber leichteren Lebensgefühl führen.

Und wieder könnte ich ewig weiter schreiben. Und wieder bin ich unzufrieden mit dem Text, der ja nur andeutet, worum es mir geht. Und wieder verändere ich den Status der Zeit, Arbeitszeit wird unterteilt in „ich komme gleich“  und in „habe grad ein Meeting“ und nachher im Zug zu „hoffentlich in Ruhe arbeiten“…

 

Wünsche Euch einen schönen Start in die neue Woche, egal ob voller Arbeitszeit oder Freizeit!

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