Meine drei Schritte gegen Süchte…

Silivri, 7:42, Tag 315

Heut ein wenig länger geschlafen, ein wenig länger meditiert und zack, ist es fast um 8. Aber nach diesem Traum, war das auch nötig. Habe wieder gefühlt die ganze Nacht voll durchgeträumt, einen zusammenhängenden Fortsetzungsroman über Stunden. Erst in einem Hotel, habe nur die üblichen Flure, dicken Teppiche, Räume und Betten noch in Erinnerung und ein sehr spätes Zubettgehen nach einer Party, es war 5 Uhr und wurde schon hell. Ich wollte nur kurz ruhen und gleich zeitig um 6 oder 7 wieder aufstehen.

Dann verschlug es mich in eine Stadt, an eine Hafeneinfahrt. Dort lag ein alter Bunker im Wasser, eine Sehenswürdigkeit, besucht von Touristen, umfahren von Booten. Und den konnte ich kaufen, durch eine glückliche Fügung des Schicksals auch wirklich nur ich. Ein Freund war dabei und analysierte die übermässige Wandstärke und dass man nichts wirklich damit anfangen könne, was mir egal war. Dieser Bunker, das Ding, würde mein Durchbruch, damit könnte ich es schaffen. Ich sah die Treppen in den Untergrund, es kam eine Delegation hochwichtiger Menschen aus dem Hotel von vorhin, und umfuhr den Bunker, ergründete seine Geschichte, diskutierte Businessmodelle und ich, als zukünftiger Besitzer, war immer dabei. Leider wachte ich vor Unterzeichnung des Kaufvertrages auf…

Achtsamkeit erzeugen…

Ab und zu lese ich Leo Babautas Blog zenhabits.net. Er gehört seit den Anfangstagen meines Bloglesens irgendwie immer mit dazu. Wenn ich mich recht erinnere, bin ich über sein Buch „The Power of Less“ gestolpert. Das muss so etwas 2006/7 gewesen sein, als das alles bei mir etwas Fahrt aufnahm. Neben Leo sind da noch andere Lebenshilfe- und Ratgeberblogs in meinem Reader: Think Simple Now, The Art of Non-Conformity oder auch Dumb Little Man. Gerade habe ich wieder mal Tim Ferris beim Wickel, dessen Blog The 4-Hour Work Week ich seit seinem #1 NY Times Bestseller und den danach folgenden Experimenten in Lifestyledesign nun auch schon seit 2007 folge.

Für mich waren diese Blogs damals ein perfekter Einstieg in den Ausstieg. Jeden Tag gab es neue Tips und Anregungen, was ich in meinem Leben verändern, zum positiven verändern, kann. Das ist auch heute noch so. Wenn ich mir das aktuell anschaue, scheint die Liste der 10 Tips für… einfach endlos weiter gegangen zu sein. Ich habe das Gefühl, dass diese Blogs sich endlos wiederholen oder aber eine Marketingplattform für die ein, zwei, vielen Bücher der jeweiligen Autoren sind.

Eben habe sogar ich hier -beim müden Blogger Johnny Häusler- gesehen, dass er an seinem zweiten Buch schreibt und ahne, dass damit sein Spreeblick nun auch irgendwie zur Buchvermarktungsmaschine umgebaut wird. Was ja irgendwie auch Sinn macht. Ein Buch erzeugt viel einfacher Einnahmen, als ein Blog das tun kann. Vor allem erzeugt das Buch auch Einnahmen, wenn man nicht mehr jeden Tag bloggt. Und die Leser des Blogs können dem Autor durch den Kauf des Buchen ganz leicht und einfach etwas Gutes tun, ohne das komische Spenden-Wohltägigkeitsgefühl, wenn man flattert oder paypalt. Auch ohne die nervige Belästigung durch Werbung an jeder freien Stelle des Bildschirms, die dazu ja meist kontextsensitiv ist, was zu den peinlichsten Kombinationen führen kann. Oder auch ohne das Querfinanzierungsdilemma, welches ebenfalls bekannt ist als das Das Schreiben ist meine Leidenschaft Phänomen.

Wenn man nun diesen Blogs eine Zeit lang folgt, ahnt man irgendwann das Grundrezept, die Kernidee, die dahinter steckt und man wähnt sich dem scheinbaren Erfolg des jeweiligen Autors auf der Spur. Das weitere Lesen kann diese Ahnungen meist festigen oder seltener ändern. Aber nach einer Weile langweilen mich die meisten solcher Ratgeber enorm! Einzig Tim Ferris schafft es aktuell noch, mich mit seinen persönlichen Weiterentwicklungen zu interessieren: erst 4 Stunden Arbeitswoche, dann 4 Stunden Körper, nun 4 Stunden Koch. Die Blogbeiträge dazu sind weit gefächert und nicht nur eine Wiederholung der Thesen der Bücher, und Werbung für diese ist klar im Titel erkennbar.

Ok, das war jetzt ein etwas längerer Umweg nun zu meinem eigentlichen Thema heute. Als ich bei Leo eben über 20 Simple Strategies for Getting Healthy drüberflog, sind mir zwei Dinge aufgefallen:

Das Erste habt ihr eben schon gelesen: die stetige Wiederholung der Thesen, um für stets die gleiche Leserschaft attraktiv zu bleiben, also für die Arnes vor 5-7 Jahren. 😉 Nein, eigentlich ist mir klar geworden, dass allein durch die Beschäftigung mit dem Thema, also das Lesen solcher Blogs, eine Aufmerksamkeit erzeugt wird, die nötig ist, um etwas verändern zu können. Dies führt zu Achtsamkeit, darüber was passiert, was möglich ist und wie es Menschen dabei geht oder ergangen ist.

Das Zweite, was mir sofort ins Auge fiel, aber ist sein Tip 15 mit „Trinke Rotwein“.

15. Drink red wine. One or two glasses of red wine can be very healthy, and can add some pleasure to your new healthy lifestyle. I’m a believer in making a healthy lifestyle one that you enjoy, so add healthy foods you love, activities you enjoy, a mindful tea ritual, and an end-of-the-day wine ritual.

Verbindungen verstehen… 

Ab und zu habe ich hier schon mal geschrieben, dass ich seit etwa März 2009 keine Zigaretten mehr rauche und auch keinen Alkohol mehr trinke. Damals habe ich aufgehört mit meinen täglich ein, zwei -ach so gesunden- Gläsern Rotwein, um nicht auf irgendeiner Party nach drei oder vier Gläsern immer noch gesundem Wein, doch schon halb betrunken wieder eine Zigarette bei Freunden zu schnorren. Ich wollte nach dem dramatischen Lungenkrebstod eines meiner Freunde in meiner Trauer einfach nicht mehr rauchen. Bei jeder zweiten Zigarette erinnerte ich mich an ihn und sein Leiden.

Das was mir am dann meisten dabei geholfen hat, den Wunsch Aufzuhören auch umzusetzen, war ein Text von Thich Nhat Hanh, der so in keinem dieser Ratgeberblogs vorkam.

Mindfulness is the key. Whenever we are smoking, we practice mindfulness in order to know that we are smoking. Our mindfulness of this habit energy will grow deeper every day, and we will see that we are destroying our lungs, our health, and the people we love. We realize that looking after ourselves is also looking after our loved ones. Then we will make the decision to take care of our body-for their sake as well as our own. Mindfulness encourages these kinds of insights.

Drinking is another habit energy. Perhaps every time we feel sad we drink a glass of wine in order to forget our sadness. With mindfulness, each time we raise our glass we say, I know that I am drinking a glass of wine. When our mindfulness is stronger, we will be able to say, I know that I am sad, when we drink wine. As our insight grows and we see more deeply the sadness behind our habit energy of drinking wine, we will be able to begin to transform the seeds of sadness in ourselves.

Nach dem Lesen dieser beiden Abschnitte aus dem Buch Transformation at the Base, hat es in meiner Erinnerung, heute zurückblickend, deutlich Klick gemacht. Hier entstand die Verbindung von: Aufmerksamkeit und der Erlaubnis, weiter zu rauchen und trinken, bis die Einsicht in die Gründe und Auswirkungen dieser Gewohnheiten gross genug geworden ist.

Nur heute nicht…

Es gab zuvor eine Phase in meinem Leben, in der ich ganz sicher zu viel Alkohol getrunken und zu viele Zigaretten geraucht habe. Mein Freund Tony gab damals mir den Rat, mich mit den AA zu beschäftigen, ein anderer hat mir zu einer Entzugsklinik geraten, denn die Abhängigkeit von Zigaretten sei stärker als die bei Kokain. Oje, es schien also unschaffbar, ohne diese radikalen Schritte, dieses Aufgeben, dieses Zugeständnis: ich bin krank, aufzuhören? Aber ich habe das nicht gekonnt, ich wollte das nicht wahr haben. Es war vielleicht so, dass ich krankt war, vielleicht aber auch nicht.

Gefühlt zumindest, war ich nicht abhängig, nur ein klassischer, weit verbreiteter Gelegenheitstrinker. Jeder in meinem Umfeld damals (bis auf Tony) trank doch so. Mal mehr oder weniger. Ein, zwei Gläser Rotwein sollen doch wirklich gut für die Gesundheit sein. Nur ein Glas zum Anstossen. Wie kann man dem widerstehen?

Und es war genau so, wie Leo das in seinem Tip 15 schreibt, die Gläser Rotwein waren mein Tagesausklangs-Ritual, meine Freude, die ich liebte. Zum Abendessen ein Glas Rotwein, danach beim Gespräch, Laptop oder Fernsehen das zweite, für die nötige Bettschwere, wie angenehm und wohlschmeckend. Obwohl, dann doch die Flasche oft geleert wurde (wird doch so schnell schaal), konnte ich mir doch alle paar Monate beweisen, dass ich tagelang keinen Alkohol trank und keinerlei Entzugserscheinungen hatte. Auch konnte ich während meiner jährlichen Meditationswochen sogar eine ganze Woche lang keinen Alkohol trinken und keine Zigaretten rauchen, und die Auswirkungen hielten sich Grenzen.

Auch zu den AA habe ich es nie geschafft, aber ich habe mir deren Webseiten durchgelesen und versucht, zu verstehen, was deren Prinzipien sind.

Der „Neuling“ lernt, den Alkohol nur für den heutigen Tag stehen zu lassen. Anstatt dem Alkohol für alle Zeiten abzuschwören oder sich Sorgen zu machen, ob er morgen trocken bleiben kann, konzentriert sich der Alkoholiker darauf, jetzt und heute nicht zu trinken.

steht dort irgendwo und damit hat es das zweite Mal Klick gemacht. Ich brauchte also nur die nächste Zigarette nicht zu rauchen? Das war einfach! Das alles zusammen hat mir sehr geholfen, diese Gewohnheiten zu ändern. Ich wollte diese drei Elemente schon ewig mal in einem Post zusammen beschreiben.

Kurz zusammen gefasst, mit diesen drei Punkten habe ich es geschafft, nicht mehr zu Rauchen und keinen Alkohol mehr zu trinken:

1. Achtsamkeit erzeugen… durch Lesen die Rituale und Gewohnheiten, die man ändern möchte, offenlegen: wie viel, wann trinke, rauche ich, etc.?

2. Verbindungen verstehen… zwischen anderen, weiteren Gewohnheiten: wenn ich trinke, rauche ich gerne?

3. Nur heute nicht… das nächste Glas trinken, die nächste Zigarette rauchen!

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