Berlin, 7:40, Tag 329

Heute morgen bin ich aufgestanden und konnte nicht klar sehen. Vielleicht habe ich zu viel geträumt in meinem leichten Schlaf. Zuerst in einer Wohnung mit zwei Drillingen. Zwei Brüder, von denen der eine wieder zwei war. Ich sah Die Grenzen ihrer Körper von hinten verschwimmen, ineinander übergehend. Die Harmonie ihrer Bewegungen, die Schnelligkeit und ein absolutes gegenseitiges Wohlwollen bei den Entscheidungen zu einfachsten Dingen in ihrem Leben: hinsetzen, umdrehen, dann wieder aufstehen und umdrehen, Jacke anziehen. Das zu sehen, hat mich tief berührt.

Kurz danach tauchte ein cooler, schicker, scheuer Jemand auf und begann mir Ratschläge für meine kommenden Vorträge zu erteilen: wenn Du noch Folien brauchst, bist Du nicht vorbereitet. Das weckt mich halb 12 zum ersten mal auf.

Schlafe schnell wieder ein und flüchtete, denn jetzt muss ich einen Zug erwischen. Der Bahnhof hier ist geschlossen, weiss doch jeder, der einzige Bahnhof in Deutschland der einfach so geschlossen wurde, obwohl noch Züge auf den Strecken fahren, eine Sensation, ein Skandal! Zusammen mit vielen anderen Reisenden lachten und rannten wir zur S-Bahn, Rolltreppen hoch, durch Tunnel, enge Gänge entlang, auf der Baustelle und immer mit dem Blick auf die Uhr: noch 3 Minuten, das schaffen wir. Nein, zu spät, wir nehmen statt der S-Bahn einen andern Zug, der dort hinten abfährt. Auch den erreichen wir nicht, dann also mit einem Auto durch die Stadt, wenn ich den letzten Zug verpasse, nehme ich das Auto gleich für den ganzen Heimweg.

An einer Kreuzung biegt ein Tieflader vor mir ab. Der Fahrer sieht mich, ist gestresst vom Stau, der Flucht, die Massen. Er sieht den Bordstein, er sieht mich. In den Rückspiegel blickend, fährt er doch verzweifelt über den Bordstein, meine Motorhaube und auch fast über mich, tiefe Furchen hinterlassend. Ich springe zur Seite, und flüchte gleich weiter, ihn in seiner Schuld zurücklassend Und dann doch ein Zug, ja, der Richtige nach Aachen. Ich wache auf, es ist vier Uhr und ich freue mich erst, noch zwei Stunden weiter schlafen und träumen zu können.

Dann bin ich auch leicht erschrocken. Ich erfühlte sehr stark, den tiefen Zugang zu meinen Träumen. Über diesen See an Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen in den ich jede Nacht eintauche, in dem ich unsteuerbar, nicht kontrollierbar , stark verwoben und verbunden mit dem Wasser und allem darin jede Nacht schwimme. Und der dabei immer noch so tief versteckt und verborgen in meinem Schlaf ist, dass ich meist nur wenige Momente beim Aufwachen habe, in denen mir das mir Unbewusste noch bewusst erscheint.

Wenn ich es dann später wieder erblicke, in der Meditation, beim Schreiben, beim Reden, beim Zuhören: die Wahrheit und Echtheit, das unbewusste Wissen darum erahnend… erinnere ich mich wieder an den Schreck, vielleicht habe ich nur Angst vor der Kraft die darin liegt?

Aufgeschreckt vom Wecker fotografiere ich überrascht einen friedlichen Sonnenaufgang. Dusche mich ganz heiss und setze mich ganz ruhig 40min zur Meditation hin, die wie im Fluge vergehen. Ich arbeitete viel an meinem Vortrag für Hamburg, immer wenn ich mich dabei ertappe, freute ich mich und kehrte zurück zu meinem Atem…

 

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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