Was erwartet das Leben von mir? (Teil 2)

Berlin, 7:14, Tag 333

Heute Nacht musste ich auf einem Heimweg auf Toilette und bin bei Quäkern gelandet. Ein Haus, ein Garten, eine riesige Familie, an einem Fjord, bestimmt zwölf oder mehr Kinder jeden Alters, drei fast erwachsene Söhne. Teile der Familie begleiten mich überall hin, auch zum Klo. Das Bad ist ein offener grosser Raum im Hof, Rasen unter meinen Füssen, abschüssig, weiter hinten ein niedriger Bretterverschlag, aber ordentlich, mit ein paar Stufen, eine wacklige, weiße Brettertür, natürlich kommt jemand rein, während ich sitze, weil ich den Haken nicht richtig eingehakt habe. Dabei fühlt es sich so an, als ob ich obwohl Gast, schon Teil der Familie sei. Sie machen sich lustig über mich, ich lache mit. Als ich wieder rauskomme, wollen die drei grossen Jungs noch ein wenig, ganz verhalten, posen und zeigen, was sie können, dafür steht ein Quad an der Seite. Ich würde gerne damit rumdüsen. Aber statt dessen gehe ich mit einem kleineren, alterslosen Mann durch einen Garten. Es ist der Vater der Familie, wir unterhalten uns andächtig. Er erzählt mir unglaublich offen, herzerwärmend von seinem einfachen, zauberhaften Leben mit seiner Familie hier am Fjord.

Mitten in diesem Spaziergang wache ich weit vor dem Wecker auf, bin noch beeindruckt… und muss ganz dringend! 😉

Dies jetzt soll also eine Fortsetzung werden. Hmhh, das fühlt sich neu an, vielleicht weil ich es angekündigt habe und als verantwortungsvoll handelnd wollender Mensch zumindest darauf eingehen sollte. Aber der kleine Revoluzzer in mir, würde am liebsten alle Regeln brechen, vor allem die selbst aufgestellten… also habe ich mal eben doch tatsächlich alles andere gemacht, ausser hier beim Text zu bleiben: ein Buch über The Upside of Fear gekauft, und noch eines On the Taboo Against Knowing Who Your Are und zur Abwechslung noch eine Einführung ins Zwitscheruniversum und noch ein paar Mails und andere Sachen…

Ich merke, wie ich meine Fortsetzung immer mehr verstecken möchte hinter den Dingen, die passiert sind und aufgeschrieben werden wollen oder jetzt passieren könnten.

Was erwartet also das Leben von mir? Ich habe keine Ahnung!

Es herrscht wieder Unordnung in mir, ich kann nicht strukturiert schreiben über das Thema, so sehr bewegt es mich wohl. Aber irgend etwas hält mich in dieser Qual des Schreibens, ich kann nicht loslassen und nicht nicht darüber schreiben. Ich versuche es den ganzen Morgen schon, es geht einfach nicht, aber ich versuche es weiter…

Denn ich hab doch Zusammenhänge entdeckt!

Vorgestern habe ich mich mit Christas Filmprojekt Mut zum Leben beschäftigt, hat das das jetzt wohl alles angestossen oder beschleunigt.

Dort auf der Seite habe ich auf der Seite der Unterstützer auch wieder Konstantin Wecker gefunden. Christa hatte im letzten Jahr das Buch: Es geht ums Tun und nicht um Siegen zusammen mit Bernhard Glassman herausgegeben und mir empfohlen. Ich war extrem beeindruckt davon, wie Konstantin dort über seine Transformation, seine Vergangenheit, berichtet und ich habe sofort Parallelen zu meinem Leben gezogen.

Eigentlich hatte ich Christa nur angesprochen, ob sie vielleicht bei einer Lesereise für Jons Bok helfen könne. Jon Schau hat in diesem Buch seine Erfahrungen mit seiner Transformation beschrieben, deren Ausgangspunkt bei ihm eine zweimalige Nahtoderfahrung während eines 5-wöchigen Komas in 2004 war.

Wie ich mich also mit diesen Büchern, Filmen und Themen: Nahtod-, Konzentrationslager-, Leid und Schmerz und auf der anderen Seite mit Ja und Mut zum Leben, mit Transformation und Wandel beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, wie sehr das alles ganz direkt mit mir zu tun hat.

Dabei fing alles mit meinem späteren Lebensretter Anthony-James Owen an, den ich irgendwann 2005 kennen lernen durfte. Das war das Jahr der extremen äusseren Transformation für mich: erst eine Insolvenz mit meiner Kneipe, dann die Trennung von meinem langjährigen Geschäftpartner auf der einen Seite, dazu das Kennenlernen und Verlieben in die tollste Frau der Welt, die Heirat, unser Kind auf der anderen Seite. Das waren die Zeichen dieser für mich extremen äusseren Veränderung. Nur Innen drin kam ich wohl nicht mit.

Denn in den darauffolgenden drei Jahren bis 2008 war ich nur noch mit Überleben beschäftigt. Ich bin mehrfach fast gestorben, war ein Schatten meiner selbst, ein Karrierekrüppel und gleichzeitig ein verliebter Mann, ein junger Vater und offensichtlich ein erfolgreicher Unternehmer.

Schließlich, im Herbst 2008, war ich kaum mehr vorhanden und habe einer Leidfülle ins Auge geblickt, die mich zu überfordern schien…

Und – glaubt es, oder auch nicht – genau in diesem Moment ploppt rechts oben auf meinem Bildschirm hier diese Meldung auf.

Das knallt rein, wieder jucken die Augen stark und irgendwie wirkt es auf mich wie eine Bestätigung, eine Verstärkung des gerade Gesagten, Gedachten und Gefühlten!

Morgen vor vier Jahren war der letzte Tag in Martins Leben. Mein Meditationsfreund, den ich erst ein Jahr zuvor – da bereits erkrankt mit einem faustgrossen Tumor in der Brust – in Rømø kennenlernen durfte.

Martin hat mir in diesem paar Monaten mehr gezeigt, dass und wie man Leid und Schmerz annehmen kann, als alles andere jemals zuvor. Dass auch ein Tumor dazu gehört, dass es ein gleichwertiger Teil des Lebens ist.

Martin kämpfte nicht gegen seinen Krebs, er kämpfte um sein Leben. Er nahm die Herausforderung an, die das Leben an ihn stellte. Er wird mir darin immer Vorbild sein!

Nach seinem Tod schenkte mir wenig später Anthony, das Buch von Victor E. Frankl über den Umgang mit extremem Leid im Konzentrationslager. Genau das Buch, an das ich mich vorgestern wieder erinnerte, als mir Christa von ihrem Herzensprojekt dem Film der Ausschwitzüberlebenden erzählte.

So macht alles irgendwie grade Sinn! Und mit einem Sonnenstrahl von heute morgen…

Wünsche ich Euch einen mutigen Start in diesen neuen Tag Eures Lebens!

2 thoughts on “Was erwartet das Leben von mir? (Teil 2)

  1. Was erwartet das Leben von mir, von dir, von uns allen…..? Unser beidseits bewunderter Viktor Frankl sagte dazu: „Immer aber ist jede Situation ausgezeichnet durch jene Einmaligkeit und Einzigartigkeit, die jeweils nur eine, eine einzige, eben die richtige „Antwort“ auf die Frage zulässt, die in der konkreten Situation enthalten ist.“

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    1. Ja, danke, Christa!

      Mich zog es gestern noch in die buddhistische Konzepte zurück, die Vorstellung von Leerheit, also dass nichts ein eigenständiges Selbst besitzt, nichts alleine existiert und nichts kommt oder geht, sich also alles nur manifestieren kann, nur existieren kann, wenn die Bedingungen dazu stimmen: auch unser Leid, die Herausforderungen, meine Erwartungen und die Erwartungen des Lebens an mich, meine Handlungen und das was, um mich herum passiert. Alles hängt miteinander zusammen und nichts besitzt eine eigenständige, in sich geschlossene Bedeutung…

      In der Folge dieser Gedanken sehe ich den Satz von Frankl, also dass niemals identisch, gleichen Bedingungen herrschen, somit es immer nur eine diesem konkreten Moment/Situation Reaktion geben kann…

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