Istanbul, 7:36, Tag 363

Heute Nacht musste ich umziehen, denn in unser Büro ist der Zeit Online Chefredakteur eingezogen, dessen Rede ich gestern hier gefunden habe. Eigentlich hätten wir einen Raum behalten können, aber es schien wie ein Almosen, oder Asyl. Und als ich anfing, die Technik auszubauen, merke ich, wie recht ihm das war. A. kam, um zu helfen und G. kam rein,  mit einer dicken Lippe, weil er neue Zähne bekommen hatte. Das neue Büro, welches erst in Landgrafroda, dann in einem anderen Dorf sein sollte, hatte mein Cousin eine Wohnung, die aber nicht passt, viel zu gross, viel zu verwinkelt. Ich habe von dieser Wohnung schon einmal geträumt, mit ihren Schrägen und Kunstelementen. Ich soll eine Rede halten, zu irgendeinem Anlass seines jüngsten Sohnes, ich kriege Anweisungen, worüber ich sprechen soll und der Wecker klingelt…

Superschön, wieder hier zu sein! Ich fühle mich aufgeladen, frisch, erleichtert, verwandelt… und freue mich auf die Woche an der Strasse von Konstantinopel. Aber ich vermisse auch meine Kollegen in Berlin, obwohl auch aus der Ferne mit ihnen zu arbeiten, eine schöne Sache ist, man fokussiert mehr, denkt mehr nach, um seine Ziele zu erreichen.

Jetzt habe ich schon meiner Unruhe nachgegeben und viele Mails geschrieben, den neuen Fotostream bei Facebook drüben sortiert. Ist schon eine schöne neue Präsentationsform für meine ganzen Bilder, wobei es mir scheint, als ob sie sich das bei Google+ abgeschaut haben. Wobei sie den Google+ Art der Bilderanordnung aber „verstreamt“ haben, was ich persönlich absolut konsequent und grossartig finde!

Wie man in Zukunft dann mit den Albums, den Ordnern umgeht, ist für mich noch offen. Vielleicht eine zusätzliche Klammer für bestimmte Ereignisse oder aber es macht Sinn, wenn man bestimmte Bilder nicht mit allen teilen möchte. Auf alle Fälle geht durch diese neue, eleganten, superschnellen Streams die Bedeutung von Fotoalben eher zurück.

Mein Portfolio an Fotografien wird einfach auf einer Zeitlinie dargestellt und ich habe die Möglichkeit, bestimmte Fotos besonders zu betonen. Genau das habe ich für letzten beiden Jahre schon mal gemacht, so dass ihr meine persönlichen Favorites in vierfacher Größe anschauen könnt.

Apropos Innovationen: gestern im Flieger habe ich angeregt durch Nicolas Carrs: The Big Switch einen kleinen Artikel geschrieben, den ich vielleicht gleich noch hier poste. Habe grade gesehen, dass das Buch aus 2008 ist, aber seine Thesen sind aktueller denn je und noch lange nicht im Mainstream angekommen. Auf jeder Seite fühle ich mich bestätigt und angeregt und möchte meine Version, meine Sichtweise, meine sehr ähnlichen Gedanken dazu aufschreiben. Durch das Training bin ich eh noch im Superlernmodus.

Und ich wollte Euch noch erzählen, was ich eigentlich beim Feuerritual vorgestern verbrannt habe.

Also erstens habe ich einen halben Zettel verbrannt, auf dem Meine Trauer stand. Auf der anderen Hälfte, die ich aufgehoben habe, hatte ich notiert, was ich statt dessen haben möchte, in was sich Trauer transformieren sollte: Leichtigkeit, stand dort. Bei einem Gespräch vorher, hatte uns ein Dr. der Psychologie erzählt, dass sich Trauer immer in Ärger oder Wut auflöst. Eine Zwangsläufigkeit sehe ich aber darin nicht, ich glaube einfach nicht, dass auf Trauer immer Wut folgen muss.

Dann habe ich einen weiteren halben Zettel verbrannt, auf dem stand: Meine Selbstzweifel und auf der unteren Hälfte habe ich nur Zweifel hingeschrieben. Ich möchte meine Selbstzweifel transformieren und übergehen lassen in gesunden Zweifel. So, wie man immer ein klein wenig an allem zweifeln sollte, genauso möchte ich auch an mir zweifeln können. Aber diese ständigen Überprüfungen meiner Handlungen, diese Selbstbewertung und das immer währende Vergleichen in andauernden Selbstgesprächen, brauche ich irgendwie nicht. Es bindet zu viel Energie auf eine destruktive, herabsetzende Weise, die anders -konstruktiv- genutzt werden könnte, aus denen sich mehr Zuversicht, mehr Mut, mehr Vertrauen ergeben, als an meinen Selbstzweifeln.

Und ich habe noch zwei weitere Zettel verbrannt, aber dazu vielleicht morgen, vielleicht später, aber vielleicht auch gar nicht mehr… aber sagt mal, kennt ihr eigentlich solche oder ähnliche Reinigungsrituale aus religiöser oder anderer spiritueller Richtung?

 

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

One Comment

  1. Klingt wie ein sehr effektives und reinigendes Ritual – bin gespannt, welche Auswirkungen es hat.

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