Über Fortschritt und Stillstand…

Istanbul, 7:31, Tag 367

Heute Nacht habe ich mindestens drei Träume geträumt, aber nur die Schlussszene des letzten Traumes konnte ich mir merken. Beim kurzen Aufwachen habe ich jedes mal versucht, mir die Sequenz einzuprägen, ohne das Aufschreiben von Gedächtnisstützen. Das klappt noch nicht! In der besagten Schlussszene kam ich mit einer Chefin in einem Auto in einem dunklen Gebäude an, wir kletterten Treppen durch einen Keller. Wir waren zu spät und kamen in einem Umkleideraum voller Spinde und Menschen. Alle grüßten im Chor. Ich zog mich extrem schnell um, um bei der Chefin bleiben zu können und nicht in der Masse, in der Gruppe unterzugehen… und wachte eine Minute vor dem Wecker auf.

Ich merke grade, dass ich keinen freien Tag seit 19 Tagen mehr hatte, also einen Tag ohne zu Reisen, ohne Training, ohne Laptop. Naja, das stimmt nicht ganz, denn der letzte Donnerstag in der Sierra Nevada war so etwas wie ein freier Tag.

Gestern nachmittag jedenfalls kippte meine Stimmung merklich, wobei ich immer noch gut funktioniere, glaube ich zumindest. Aber meine Sichtweise auf die Welt schwenkte von positiv-optimistisch auf negativ kritisch um. Ich sehe jetzt viel mehr Schwächen und Fehler bei anderen und bei mir, als noch vorgestern, obwohl es da auch schon erste Anzeichen gab, mit dem iPhone Spieler.

Gestern habe ich nicht das geschafft, was ich eigentlich schaffen wollte, ich habe mein Profil nicht fertig bekommen. Nur ein paar Referenzen habe ich zusammen geschrieben. Habe gestern extrem viel gelesen und auch etwas sortiert und nebenbei weiter Videos von letzter Woche hochgeladen. Ja, und einen spannenden Termin hatte ich zwischendrin auch noch, der mir wieder mal eine völlig andere Welt und Lebensweise offenbarte.

Heute morgen dann wache ich sehr unruhig auf. Mein Körper signalisiert mir an verschiedenen Stellen auf verschiedene Weise, dass ich mehr auf mich achten sollte, dass irgend etwas etwas im Ungleichgewicht ist. Es sind die Momente, in denen man über das älter werden klagen kann oder sich vornimmt, morgen wieder mehr Sport zu treiben, aber das ist es nicht.

Es ist etwas anderes. Es ist vielleicht die Nebenwirkung des in der letzte Woche wieder mal stark beschleunigten Prozess der Veränderung bei mir, der Klärung, der Klarheit in einigen Dingen, die die Unklarheit und Ungewissheit in anderen Dingen offengelegt hat. Nun steh ich da, meine etwas verstanden zu haben und stehe vor einem noch größeren Berg an Unverständnis.

Ich hab Euch bestimmt schon mal von Time Hop erzählt, von einem Dienst, der mir jeden Morgen eine Mail schickt, mit allen meinen Aktivitäten in den Sozialen Netzen von vor genau einem Jahr.

Krass ist ja, dass ich nun neben dieser eher lustigen Morgenmail, die mich bisher daran erinnerte, was los war vor einem Jahr, die mir aber mehr Stichworte als Erinnerungsstützen zu gerufen hat, um mir zu helfen, mich in meiner Welt zu verorten, um Fortschritt und Stillstand besser wahrnehmen zu können…

Krass ist also nun, dass ich jetzt auch noch mein Tagebuch von vor einem Jahr lesen kann und einen viel ausführlicheren Eindruck bekomme könnte, womit ich mich vor einem Jahr beschäftigt habe, was mich bewegt hat.

Heute sehe ich ein Bild von meinem ersten Vortrag -bei einer Gruppen ehemaliger Schülerunternehmer- über Cloud Computing und Social Design, den ich danach mit wachsendem Erfolg immer wieder gehalten habe im letzten Jahr.

Der Nachfolger, ein neuer Vortrag nimmt langsam Gestalt an in meinem Kopf und dank der letzten Woche auch in Struktur und Papier. Trotzdem ist dieser Prozess der Gestaltung, des Werdens bei mir immer mit Schmerzen, mit Ungewissheit und Unsicherheit verbunden, da ist einfach keine oder nur wenig, freudig, positive Erregung beim Erzeugen…

und

Sagen zwei bei Twitter. Aber ja genau, Unsicherheiten und Zweifel sind einfach meine Begleiter! Ich sollte aufhören, sie als etwas schlechtes zu bewerten. Aberachmanno, manchmal sehe ich mich aber nach Verlässlichkeit, nach Stabilität, nach Ruhe und Stille, nach dem Gegenteil von ständiger Veränderung. Was ist das bloss? Ist es nur die Sehnsucht nach dem, was man grade nicht hat. Ich glaube, es steckt mehr dahinter!

Wünsche Euch heute trotzdem, mit einem unruhigen Lächeln, einen tollen Freitag…

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