Berlin, 7:01, Tag 371

Wovon habe ich heute Nacht bloß geträumt, es scheint schon so unwichtig, jetzt nach dem Aufstehen, Meditieren, Frühstücken. Bin zurück in Berlin, bin heute nicht in ein Cafe, sondern gleich ins Office gegangen, ich will etwas anders machen, ich muss etwas ändern.

Habe wieder mal kurz rumgespielt, gebackupt, gelesen, aufgeräumt. Es ist ja noch so zeitig. Die morgendliche Schreibmeditation heute fällt mir schwer, denn ich selbst sehe bei mir und um mich herum gerade nur noch Mangel.

Das regt mich grade wirklich sehr auf! Vor allem rege ich mich über Menschen auf, die immer nur über ihre Mängel reden, immer nur darüber, was alles nicht funktioniert, was nicht klappt, was nicht schön ist, was sie nicht haben, was ihnen fehlt, was besser sein könnte, was ich machen solle oder besser machen soll, was sie von mir wollen, was ich für sie tun könnte, damit es endlich besser wird, dass es dann hoffentlich besser ist… und das immer weiter, in endlosen Spiralen.

Ich hatte das schon ganz extrem am Tag als ich aus Spanien zurück gekommen bin, dann letzte Woche kurz und gestern auch wieder. Manchmal kann ich es ignorieren, drüber weg schauen, manchmal kann ich eine helfende Hand reichen, manchmal kann ich ja wirklich helfen, aber grade rege ich mich nur drüber auf, denn ich mag nicht mehr!

Es ist nun aber leider so, dass mein Schreiben hier genau das Gleiche ist. Denn ich mache gerade mit mir genau das, was ich bei anderen anprangere. Das, was mich an anderen so aufregt, produziere ich gerade selbst mit mir. In dem ich meine Wahrnehmung einschränke, nicht mehr satt zu kriegen bin, nicht mehr das Schöne, Positive und Gute sehe, sondern alles und alle erst mal auf ihre Mängel durchleuchte und das dann selbst als etwas darstelle, was mich aufregt. Es ist ein sich selbst erzeugendes und immer weiter verstärkendes System.

Und Ihr könnt jetzt mitmachen und Euch erinnert fühlen, an die Menschen und Situationen über die ihr Euch aufregt oder aber bei Euch kramen, um mir erzählen, was Euch so alles fehlt… immer her damit!

Drüben hatte Meike gestern schon mal angefangen, ihre Wut auf 2731 Dinge aufzuschreiben. Ich dachte beim ersten schnellen drüber fliegen, sie schreibt das nur für mich und woher weiss sie nur, worüber ich heute schreiben will, dass ich mich auf immer so auf- und errege und so wütend werde, auf mich und alles?

(Und) dann befinde ich mich plötzlich in einer Wutspirale, die immer nur nach unten führt. Meine Fresse. Das ist so sinnlos.

Auch bei mir gibt es doch so viel anderes, worüber sich zu schreiben lohnen würde, was die Spirale nicht verstärkt, sondern sie umkehrt, vielleicht auflöst.

Und wisst ihr was, ich mach das jetzt auch. Ich fang wieder an, aufzuräumen, zu klären, zu reinigen, zu atmen und zu lächeln… das ist doch mein Film, mein Leben! Und ich schaue einfach noch genauer hin. Ich bleibe nicht hängen in der Wut, sondern ich sehe den Überfluss an Mangel und suche dann genau dort weiter…

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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