Allzuviel Nachdenken…

Berlin, 6:45, Tag 372

Heute Nacht bin ich in einer 747 zum Flughafen gefahren, wieder mal durch die Strassen einer Stadt. Das Innenleben glich eher einem ICE mit nur zwei Sitzreihen, mir wurde von übergewichtigen Mutter und Tochter Platz gemacht. Ich beobachtete die Fahrt von innen und erschrak mehrfach, wie knapp die Flügelspitzen an den Häusern vorbei schrammten. Ich bemerkte, dass das Flugzeug rückwärts fuhr, das würde sich besser lenken lassen und mit ausgefeilten Kameras sei es dem Fahrer möglich, auch von hinten gut zu sehen. Als wir am Flughafen ankamen, musste ich mein Check In Schalter finden, es ging in die Türkei, alle Angestellten erwarteten uns schon, ich füllte meinen Boardingpass per Hand selbst aus, wurde vom Personal darauf aufmerksam gemacht, einen blauen Stift zu benutzen, schwarz ausgefüllt Pässe würden nicht akzeptiert. Bevor es zum Schalter ging, wachte ich trotz späten Einschlafens unruhig eine halbe Stunde vor dem Wecker auf, das Weiterdösen war herrlich.

Heute morgen habe ich mich eben schon durch eine superlange Präsentation zum Status des Internet von Henry Blodget gewühlt, die ich auf Twitter gefunden hatte. Die muss ich mir noch mal später in Ruhe durchblättern. Solche Zahlen und Entwicklungen kann ich für meine Vorträge und Workshops super gut gebrauchen…

Auch hat sich der Legal Chef von Google zu Softwarepatenten in den USA hier zu Wort gemeldet und die Patentreformen einen Balanceakt genannt, der für die verschiedenen Industrien auch unterschiedliche Lösungen vorsehen könnte. Er hält den amerikanischen Umgang mit Softwarepatenten grade für keine gute Idee, in Europa wäre das besser. Er erinnert aber auch an die Patentkriege der Chiphersteller in den 80igern, die eine ähnliche Intensität hatten, wie die heutigen Softwarepatentkriege im Mobilbereich.

Ich denke, dass die gerade stattfindenden Patentkriege eher ein Zeichen dafür sind, dass im Mobilbereich in den letzten Jahren eben mit Software und nicht mehr Hardware extrem viel Geld verdient werden kann, die Ursache aber eher technologische Monopole sind, die mittels extremer Ausgaben für Marketing und Werbung und eben mit viel Geld für Patente und deren Durchsetzung so lange wie möglich verteidigt werden sollen. Ich weiss, das spricht eher nicht fürs Patentsystem. Aber wenn man aufgrund dieser Blasen und Auswüchsen das ganze System kippen möchte, erzeugt man Schaden in anderen kapitalintensiven Branchen, die diese Möglichkeit eines zeitlich begrenzten Monopols auf eine Erfindung zur Refinanzierung ausgewogen und sinnvoll einsetzen und über Jahrzehnte erfolgreich nutzen.

Gleich ist unser 33. All Hands Meeting, ich mach eigentlich immer eine Präsentation für die eine wichtige halbe Stunde im Monat. Aber vielleicht ist es heute an der Zeit mit dieser Tradition zu brechen und nur mit Notizen frei zu reden und keine Charts und  Texte an die Wand zu werfen. Ja, ich glaub, das werd ich mal probieren!

Aber ich bin schon wieder aufgeregt, es ist total komisch! Dabei beobachte ich eine Veränderung, es mehr von Vorfreude, mehr eine Spannung, eine Präsenz da und nur ab und zu blinkt noch das alte Muster: ich muss mich mehr vorbereiten, ich mache das falsche, es ist nicht gut genug, es reicht nicht durch. Wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten, in denen man nur etwas war oder erreichte, wenn man hart und schwer dafür gearbeitet, also gelitten, hat.

Wenn ich das jetzt so aufschreibe, dann bemerke ich wie das alte wieder stärker wird, wie ich doch wieder Folien machen will, an denen ich mich festhalten, hinter denen ich mich verstecken kann, mit deren Hilfe ich nicht so wirklich in Kontakt gehen muss. Ich habe doch einen Rang verliehen bekommen, habe eine Rolle anzunehmen, einen Status zu verteidigen und ich habe sogar so etwas wie eine faktische Macht, in meiner momentanen Funktion als Geschäftsführer. Und ein nicht angenommener Rang verfällt, eine nicht ausgefüllte Rolle verwirrt, einen Status erarbeitet man sich und seine Macht, die kann man missbrauchen und natürlich auch wieder verlieren, sie basiert in Firmen zumindest auf einseitig kündbaren Vereinbarungen, den Arbeitsverträgen.

So, jetzt habe ich es geschafft, mit diesen Gedanken bin ich nun endgültig wieder mal unzufrieden mit mir. Aber ich werde jetzt mal noch die Bilder vom Sonnenaufgang kurz bearbeiten, hier hoch laden und einbinden.

Und dann setze ich mit einem Lächeln an die weitere Vorbereitung des All Hands und werde einfach mal wieder machen und nicht so viel drüber nachdenken…

Wünsche Euch allen einen tollen, schönen, leichten Mittwoch ohne allzuviel Nachdenken…

2 thoughts on “Allzuviel Nachdenken…

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