Ausserhalb der Komfortzone kann magisches passieren…

Berlin, 7:33, Tag 373

Heute Nacht nicht im Flugzeug, aber mit dem Fahrrad durch die Stadt, etwas hektisch, ich musste zu meiner Oma, ein Zimmer war reserviert für mich und sollte frei gehalten werden, aber nur bis vier. Ich musste mich beeilen, fand den Weg nicht, immer wieder passierte Unvorhergesehenes, ich liess mich aufhalten, immer hatte ich mein Ziel vor Augen und konnte doch nichts tun, ausser wieder aufzusteigen und weiter mit dem Fahrrad zu fahren. Ich bin nach ausreichend Schlaf sehr müde aufgewacht…

Mein Schreiben hier in den letzten Tagen fühlt sich wenig intensiv an. Ich zweifle dabei nicht an mir, aber ich bin leicht unzufrieden. Statt Tagebuch steht wieder drüber, es sollte aber wieder mehr Herr Krueger werden, an statt eines Tagebuches. Es ist schon ein Blog und ein Blog ist eben nicht nur ein Tagebuch, es ist mehr. Mein Format des Schreibens hier, die täglichen Posts am Morgen, haben eben doch viel mit einem Tagebuch gemein. Auch fällt es mir nach über einem Jahr des täglichen Schreibens auch leicht und leichter, meinen Tag einfach nur zu dokumentieren.

Es ist ein Teil meines Interesse am Quantified Self, an der Selbstvermessung. Die uns umgebenden Tools werden immer kleiner, immer intelligenter, immer verbundener. Mein Smartphone heute kann mehr als mein Laptop vor 5 Jahren. Mein kleiner Fitbit kann das, was mein Telefon vor 10 Jahren konnte, nur dass mein kleiner Finger größer ist. Diese Verkleinerung, die Dezentralisierung und Generalisierung der Tools ermöglicht und führt dazu, dass ich hier bloggen kann. In meinem Leben, egal ob ich in Beirut, Istanbul, am Strand oder in Berlin in einem Cafe, zu Hause, im Büro, irgendwo bin, überall gibt es Internet, überall habe ich Internet, kann ich bloggen, schreiben, Verbindungen halten.

Aber ich merke, wie ich hier wieder mehr Inhalte liefern möchte, und wie es mir eben nicht reicht, nur simpel mein Leben zu dokumentieren. Dabei möchte ich aber auch nicht zu einem Betroffenheitsblog meiner persönlichen Entwicklung, meiner Schwierigkeiten, Probleme und der Erfolge und Höhepunkte werden. Und genau so wenig möchte ich nur noch über den Digitalen Wandel und die ganzen Tool, Techniken, Ursachen und Folgen hier schreiben. Dieses Blog hier soll weiter ein Spiegel meiner Selbst im Netz sein, mit allen Facetten von mir.

Während ich das hier schreibe, fällt mir immer wieder ein Geschäftspartner ein, der hier ab und zu mitliest und sein Feedback nicht hier in den Kommentaren oder bei mir direkt los wird, sondern das nur indirekt in seinen Gesprächen mit meinen Kollegen ab und zu einfliessen lässt. Ich weiss nicht wirklich, wie ich das finden soll… aber es fühlt sich erst mal unangenehm an.

Vielleicht ist seine Meinung zu meinen Aktivitäten hier nicht sehr hoch. Vielleicht ist er auch ein wenig eifersüchtig, dass ich hier öffentlich Zeit investiere, die scheinbar nicht mehr ihm und unserer Geschäftspartnerschaft zur Verfügung steht. Vielleicht ist er unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung und sucht sich in meinen Leuten ein Ventil und findet in mir einen Schuldigen und meinem Bloggen die Ursache dafür. Vielleicht ist alles ganz anders, bestimmt ist es das!

Bei unserem letzten persönlichen Gespräch ging es auch um Führungsstile. Er berichtete mir nebenbei von den Schwächen und Eigenheiten meiner Kollegen und als ich ihm seine Beobachtungen grundsätzlich bestätigte, schlug er mir u.a. vor: doch deutlicher zu werden, das dies oder das nicht so geht, klarere Ansagen zu machen, was zu tun sei, was erwartet wird.

Bei ihm verstehe ich solche Anmerkungen fast immer erst mal als Kritik an meiner Person, an meinem Führungsstil und ich falle reflexartig in eine Abwehrhaltung, die zu Gedanken führt, wie: ich mach das schon so, du kennst mich doch gar nicht richtig, du bist doch nicht dabei, ich mach das so, wie ich das für richtig halte, wer bist du eigentlich, dass du mir sagst, wie ich meine Firma zu führen habe? Einige davon spreche ich dann sogar aus.

Mein ein- oder nachgeschobenen Danke für die Hinweise, da werde ich drüber nachdenken führt dann dazu, dass er seine Worte variiert, aber im Grunde wiederholt, vermutlich, damit ich auch wirklich über das Richtige nachdenke. Bei mir führt das aber zu erneuter Abwehr, die ich dann wieder aber auch versuche zu relativieren, zu korrigieren und zu erklären.

Das wiederholt sich x-mal in steigender Intensität und ich merke, wie ich richtig sauer werde und am liebesten das Gespräch beenden möchte, ich will raus aus dieser unangenehmen Situation, bin nicht mehr in meiner Comfort Zone.

Später dann, wenn ich mich wieder beruhigt habe, bleibt eigentlich nur die Erinnerung an das unangenehme Gefühl übrig. Die Einzelheiten seiner Kritik, seines Feedbacks sind verblasst. Als ob ich mich nicht erinnern möchte, weil mich die Einzelheiten an das Unwohlsein erinnern.

Das Spannende aber ist, dass sich mein Unterbewusstsein nicht von diesen unangenehmen Gefühlen beirren lässt und eine Lösung für die Aufgabe, für das Problem sucht. So filtere ich unbewusst seit Wochen meine Wahrnehmung und höre und lese immer wieder Artikel, Beiträge, Gespräche über Führungsstile, Führung an sich.

Den besten Input dazu habe ich bei Johann und Frank erhalten, deren Definition ich grade leicht angepasst und abgewandelt in unser Confluence geschrieben habe und jetzt hier einfach noch mal zitiere:

Führungsstile
1. führend, bestimmend
Instrumente: Kritik, Lob, Sanktionen, Ermahnungen, Bewertungen, Vereinbarungen, Regeln, Einfluss, Instruktionen, Delegation, Modell sein
Prozessmerkmale: Lenkung, Steuerung, Vorbild, Zielbetonung, Richtung, Identifikation, Wertediskussion, klare Linie, Widerstand
Botschaft: Ich weiss, was wir auf dem Weg brauchen, damit wir zum Ziel kommen. Du musst!
Metapher: Der Lotse. Das betonierte Flussbett.

2. kooperativ, interaktiv
Instrumente: Brainstorming, offenen Angebote, Kleine Teams, Pro-Contra
Prozessmerkmale: Zusammenarbeit, gegenseitiges Akzeptieren, gemeinsames Entwickeln, Beispiele
Botschaft: Zusammen finden wir die Lösung. Du kannst!
Metapher: Jazz-Musik.

3. begleitend, moderierend
Instrumente: Feedback, Moderation, Dialog, Zusammenfassungen
Prozessmerkmale: Beteiligung, Wortmeldung, Diskussion, Verstehen
Botschaft: Ihr habt bereits das Wissen. Du darfst!
Metapher: Fährtensucher.

4. indirekt
Instrumente: Metaphern, Phantasien, Übungen, Paradoxien, Meditation
Prozessmerkmale: Konfussion, Trance, Entspannung, Erkenntnis unbewusster Prozesse
Botschaft: Du darfst Dich beeinflussen lassen.
Metapher: Die Frucht ist im Samen bereits enthalten.

Mir mal klar zu machen, welche Vorlieben ich für welchen Stil habe und wann welcher Stil bei welchen Aufgaben, Teams und auch bei einzelnen Kollegen angemessen ist, scheint eine indirekte Folge dieser für mich unangenehmen Telefonate zu sein. Und dieser Post ist auch ein Versuch, wirklich Danke zu sagen für die Anteilnahme meines Geschäftspartners an uns, meinen Themen und meinen Kollegen!

Wünsche allen meinen Lesern eine tollen Tag!

4 thoughts on “Ausserhalb der Komfortzone kann magisches passieren…

    1. ja, klar! mir helfen solche konzepte, wenn ich immer wieder die gleichen unangenehmen situationen erlebe… ich glaube, sie erhöhen meinen handlungsspielraum.

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