Aufschreiben, wenn es uns richtig gut geht…

Noch Istanbul, 7:02, Tag 390

Heute Nacht mal wieder wild geträumt, erst mehrere Parties an einem Wochenende mit viel Alkohol, mein Vater war dabei und eine Bekannte aus einem Café in Berlin, die -wie sich später heraus stellte- das Catering übernommen hatte. Montag morgen, verkatert, dann die Nachricht, dass es am Nachmittag um 5 schon wieder weiter gehen würde. Ich fragte mich, wie sie die ganzen Servicekräfte wieder an den Start kriegen wolle, die grade erst in den Feierabend gegangen sind. Ich sah und roch die Partyreste. Dann ein Stall, ein Laufstall mit Kühen und einem klapperigen Bullen, der sobald er mich entdeckt hat, auf mich los sprintet, um sein Ego oder seine Kühe zu verteidigen. Ich hechte über einen Zaun, nur um direkt über/auf/neben einem riesigen schwarzen Schaf zu landen. Und wache weit vor dem Wecker auf…

Nun sitze ich hier schon wieder am Flughafen, wieder zwei Wochen allein in Berlin, nach nur einer Woche Istanbul. Dadurch dass ich zwei Arbeitswochen mit dem eingeschlossenen Wochenende in Berlin bin und nur eine Arbeitswoche mit den zwei umschliessenden Wochenende hier, fühlt es sich die Zeit in Berlin sehr viel länger an. Dabei stehen 10 Nächten in Istanbul „nur“ 11 Nächten in Berlin gegenüber.

Habe gestern ein wenig in alten Tagebüchern gelesen, die ich hier im Laptop geschrieben hatte. Meist ging es um meine Träume, von denen ich aber nur die wirklich beeindruckenden, langen Geschichten aufgeschrieben habe, das passierte nur so alle paar Monate. Dann habe ich früher nach Streits oft aufgeschrieben, was passiert war. Als Mahnmal, um nicht zu vergessen und daraus lernen zu können. Wenn ich mir das jetzt durchlese, kommt mir das alles ziemlich surreal vor, als ob das nicht ich war, der damals mit gestritten hat. Ich schaue auf die Automatismen, auf die Abläufe zurück und sehe vor allem, die sich immer wiederholenden Muster bei ihr und auch bei mir. Und ich sehe auch die Entwicklung, die unsere Beziehung genommen hat.

Aber nach drei Beschreibungen habe ich aufgehört zu lesen und beschlossen, dass ich solch ein privates Erlebnistagebuch in Zukunft unbedingt auch die tollen Momente enthalten muss. Ich möchte viel lieber die Automatismen und die Abläufe verstehen, wenn es uns richtig gut geht, wenn wir schweben und wir unsere Liebe zu uns und zum Leben so richtig spüren können. Zum Teil versuche ich das hier ja schon öffentlich zu machen, ich bemerke, wie selten und wie wenig ich mich hier über etwas aufregen möchte.

Wir können uns immer entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken wollen, was wir verstärken, betonen, besonders erinnern möchten. Es sind Kleinigkeiten, es sind nur kurze Momente, die wir notieren können, die wir irgendwo kurz festhalten. Meine Einsicht ist, dass wenn wir uns dabei etwas mehr auf die sonnigen Momente konzentrieren, wir uns selbst helfen, diese positiven Seite an uns und in unseren Beziehungen zu stärken.

Gestern zum Beispiel war ein sehr durchmischter Tag, meiner Seda geht es grade nicht so gut, wir haben viel mit ihren Problemen zu tun gehabt. Ich könnte jetzt nichts machen und den Tag einfach unter „nichts besonderes“ verbuchen, oder aber darüber jammern, dass unser letzter Tag dadurch verloren war oder aber, ich könnte hier einen der Momente aufschreiben, der schön war.

Gestern haben wir nach dem Aufstehen das erste mal zu Dritt zusammen meditiert. Nur  10 Minuten, aber die waren wunderschön. Ich hab den beiden geholfen, in dem ich sie durch die Meditation geführt habe. Wir waren ruhig, haben unseren Atem gespürt, unsere Unruhe und haben uns angelächelt und ich hatte das seltene Gefühl, dass sich der Raum in meinem Kopf, um mich herum massiv ausdehnt…

Dieses schöne Erlebnis möchte ich erinnern, dies möchte ich stärken! Die schönen Momente in unserem Leben geben uns die Kraft, um die Schwierigkeiten zu überstehen, zu bewältigen. Es gab noch viel mehr schöne Momente, die jetzt langsam alle wieder hoch kommen, der Brunch, das Basteln, das Abendessen. Überall gab es trotz der Probleme kurze Momente der Freude, des Lächelns. Und genau darum geht es im Leben, um unsere Entscheidung…

Ok. Jetzt ist Boarding, ich muss mich beeilen und drücke schnell ohne langes Korrigieren und Verbessern auf Senden!

 

Wünsche Euch allen einen ganz wunderbaren Start in die neue Woche…

One thought on “Aufschreiben, wenn es uns richtig gut geht…

  1. Das ist eine der wichtigsten Erinnerungen.
    Da fühlt man sich schon beim Lesen gut und erinnert sich an seine guten Stunden und…
    es ist ein sehr schöner Tag heute 😉

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