Der gerade Angekommene, der bald wieder Fahrende…

Berlin, 7:20, Tag 391

Heute Nacht habe ich erst von einer riesigen Baustelle einer Autobahn in einem Tal geträumt, auf der riesige Maschinen in Wasser standen, die Arbeiten gingen voran, wir fuhren daran vorbei. Aber ich musste irgendwohin zurück, G. will mich fahren. Wir kommen zu einem Hotel in der Stadt. Ich muss zum Flughafen, vorher noch meine Sachen holen. Wir krabbeln in einen Lift, der schräg nach oben fährt, wie eine Drahtseilbahn, eher eine Kiste aus Glas. Ein Seilzug im Boden zieht ihn hoch. Wir stocken, bleiben stehen. Eine geplante Reparatur auf halber Strecke, mir ist schwindelig. Ein Handwerker und ein Hotelangestellter beruhigen uns, ich klettere raus, schaue den Arbeiten zu, helfe und halte und schiebe den Lift wieder mit an. Schliesslich landen wir ganz oben… und ich wache auf.

So viel spannende, notwendige Dinge sind grade zu tun, in unterschiedlichen Gebieten. Ich stehe wie vor einem Berg. Verschiedene Ideen kommen auf, wie ich mit dieser Spannung umgehen kann.

Erstens könnte ich hier heute nicht schreiben müssen, dann habe ich ja mehr Zeit. Ich mach’s trotzdem und schreibe grade und nutz dabei die Zeit, meine Gedanken hier etwas sortieren und somit schon mal in den Machen- oder Erzeugenmodus komme.

Zweitens könnte ich mal schnell nachschauen, was so an Neuem im Netz passiert, da könnte es vielleicht Hilfe oder zumindest Ablenkung geben. Das hab ich aber schon gemacht heute morgen. Damit weiss ich schon mal, wie es durch Sandy in New York aussieht.

Drittens könnte ich meditieren und mich damit beruhigen und mich so selbst sortieren lassen, das hab ich sogar auch schon gemacht. Dabei habe ich wirklich eher gearbeitet, weil die wichtigen Termine und Herausforderungen auftauchten und ich sie vorbereitet, vorgedacht, vorgefühlt habe.

Viertens, könnte ich meinen Tag planen und einfach anfangen, die Dinge die anliegen abzuarbeiten. Aber welche Dinge sind das denn?  Und wann sind sie genau mit welchem Ergebnis fertig? Genau das sind die Fragen, die den Kern meiner Unruhe ausmachen.

Auf meiner Liste stehen heute zwei Meetings, die ich nie genug vorbereiten kann. Daneben am Donnerstag ein „Pitch“, eine Vorstellung unseres Projektes bei potentiellen Partner und Investoren, der nie gut genug vorbereitet sein kann. Daneben nächsten Mittwoch der nächste riesengrosse Vortrag vor 500 Leuten der europäischen Patentszene in Hamburg, der nie gut genug vorbereitet sein kann. Daneben noch ein super spannendes Beratungsmandat Ende November, für das ich nie ausreichend und gut genug vorbereitet sein kann. Daneben gibt es ja auch Tagesgeschäft bei mtc, das meine Aufmerksamkeit erfordert und davon nie genug bekommt. Und daneben gibt es noch so viele andere Dinge, die ich auch noch machen könnte und sollte…

Ich könnte jetzt für mich und die Firma die Dinge priorisieren und meine jeweils bis zu den vereinbarten Terminen verfügbare Zeit aufteilen und mich dann zu den Zeiten hinsetzen und dann „etwas“ machen, dass Notwendige, das Angemessene.

Aber in mir breitet sich Panik aus, es könnte sein, ich bin mal wieder im Revoluzzermodus: ich sehe, dass etwas (vielleicht ich?) nicht in Balance ist und ich suche, ich suche…

Es könnte sein, dass meine Seele noch nicht da ist, dass diese Panik jetzt, diese extreme Unruhe eine Folge des Reisens ist, des gestrigen Flugtages, der Umstellung. Ich erkenne ein Muster. Ich habe diese besondere Unruhe immer, wenn ich zurück hierher komme und wieder alleine bin und mich von Family First auf Business First umstelle.

Ich sehe dann andere Dinge, die mich stören, berühren, die mich aufregen und ärgern. Es ist ein anderer Blick. Es ist wieder der Blick von aussen auf mein Leben, auf meine Arbeit, meine Kollegen, meine Freunde, mein Umfeld hier. Dieser Blick von aussen ist dann besonders klar, wenn ich grade ankommen bin.

 

Der Blick verschwindet jetzt langsam in den nächsten Tagen wieder, ich passe mich an, ich passe mich ein, din dann nicht mehr der gerade Angekommene, sonder werde langsam wieder zum bald wieder Fahrenden…

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