Hamburg, 7:02, 399

Heute Nacht habe ich an einem Stehstich, einem Pult gestanden und ein Freund hat alles versucht mich dort weg zu bekommen, er hat es nicht geschafft. Das ist alles, was ich nach wieder sehr kurzer Nacht erinnere von meinen Träumen.

Eine Version meines Manuskriptes ist fertig, aber auch diese Rede werde ich so wohl nicht halten. Das Manuskript ist die Vorbereitung, der Fallback, wenn ich vor Aufregung einen Blackout haben werde. Ich halte mich nicht für einen guten Redenvorleser, ich werde vielleicht nie einer sein. Um 2 Uhr, nach dem Mittagessen geht es erst los. 6h lang darf ich noch durchhalten, mein Energieniveau hoch halten, mich auf das Adrenalin freuen und weiter an Einleitung, Geschichten und Beispielen feilen.

Ich überlege, ob ich erst mal ein Foto machen soll, wenn ich auf die Bühne geklettert bin, wie ich meine Botschaft am besten rüber bringen kann, was ich betonen soll. Mir fallen ständig Formulieren ein, die ich aufschreiben möchte, damit sie nicht verloren gehen. Dann wieder versuche ich heraus zu finden, was eigentlich meine Kernbotschaft ist? Ja sicher, es geht um Wandel, um Trends, ums Internet. Aber was genau? Was möchte ich eigentlich damit erreichen? Woher kommt die Motivation? Woran würde ich merken, wenn ich erfolgreich, wenn ich ein guter Redner gewesen wäre?

Gestern habe ich mir die Eröffnung angeschaut, erst die drei Politiker: eine Staatssekretärin auf dem Justizministerium, Birgit Grundmann; der Präsident des Europäischen Patentamtes Benoît Battistelli und die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes Cornelia Rudloff-Schäffer.

  

Beim EPO waren die Amts eigenen Themen: Maschinenübersetzungen mit Googles Hilfe und die neue Klassifikation Corporate Patent Classification – CPC bestimmend, aber es fielen auch Open Standards und der Satz public access to all the data is very important. Na immerhin.

Für das DPMA war ELSA, die elektronische Schutzrechtsakte, das bestimmende Thema. ElSA sei ein voller Erfolg, man würde nun die Vorteile der Digitalisierung geniessen: schneller, effizienter, weniger Fehler (hahaa!), geringerer Aufwand. Sicher, es gab Gegenwind bei der Einführung, eher eine steife Brise, aber nun sei alles gut, so die Präsidentin. Aufgrund von ElSA würde man bei der neuen CPC nicht mitmachen können, dabei raufte sich die Präsidentin die Haare, es würde zu viel Zeit und Personal kosten „Wir können uns das nicht leisten. Wir verfolgen das genau, wenn die Kunden davon einen Mehrwert haben, werden wir später einsteigen“ waren ihre genauen Worte. Oje! Und ja, ich bemerkte später, dass die beiden Patentamtschefs nicht gemeinsam zu Abend gegessen haben. 😉

Dann zwei tolle Keynotes, einmal von Prof. Dietman Harhoff, der die Kontroversen um das System anheizte, er erzählte locker, dass das 500 Jahre alte Patentsystem schon so einige Kontroversen überlebt hätte, so auch die aktuellen. Das System sei ein Vorläufer der Globalisierung, heute aber eher vermintes Gelände, es gehe eher um ein Wettrüsten, um Angriffe abwehren zu können und nicht mehr um eine ökonomisch sinnvollere Förderung von Forschung und Entwicklung.

 

Sein schönster Satz war: Uneingeweihte bekommen beim Lesen von Patenten Kopfschmerzen!

Er sprach aber auch über Open Innovation und Patentqualität sprach. Er fragte unter anderem wie gut die europäischen Schutzmauern gegen Softwarepatente wirklich halten würden?  Patenämter waren früher grosse Zettelkästen und heute seien sie IT Hochburgen, aber werden sie auch Trendsetter bei Big Data?

Er sprach auch darüber, dass dem heutigen System die sozialen und ökonomischen Anreize fehlen würden, zum Beispiel Einspruchsverfahren auch wirklich zu nutzen und erzählte von den vielversprechenden Crowd Sourcing Plattformen wie Article One Partners, der er Bounty Hunter nannte.

Soziale Medien können bei den Aufgaben der Ämter helfen, deren Hauptaufgabe nicht die Patenterteilung sei, sonderen die Zurückweisung, da Monopole nur sehr zurückhaltend gewährt werden sollten. Aber das System ist fuer informierte Dritte = (Amateuere) heute nicht attraktiv! Das ist genau meine These meines Vortrages, dankeschön!

Dann Volker Smid, dem Geschäftsführer von HP Deutschland, die weltweit über 37.000 Patente hätten. Er sprach über Big Data, darüber dass heute etwa 1,8 Zettabyte digitale Daten existieren würden (1.800 Exa = 1.8 Mio Peta = 1.8 Mrd Terabyte), 80 % davon öffentlich und 85% davon unstrukturiert im herkömmlichen Sinne.

Er legte eine Folie auf, was heute in 60 Sekunden in sozialen Netzwerken so abgehen würde, mit 695.000 Facebook Status Updates, 698.000 Google Suchen und 98.000 Tweets, nur die 168 Mio eMails die in 60 Sekunden versendet werden würden, können nicht stimmen. Da hat er sich vertan… kann schon mal passieren.

Sein Fazit: kauft Software von Autonomy, das kann diese unstrukturierten Daten durchsuchen, Meaning Based Computing würde die Zukunft sein. Und der zweite Ratschlag: betrachtet Eure Rechenzentren als Private Clouds und schliesst diese zusammen, dann wird alles gut. Schaaade.

Hier noch ein Eindruck von der Abendveranstaltung im alten Börsensaal der Handelskammer Hamburg.

Nun geht bald los… bitte drückt mir die Daumen!

 

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

4 Comments

  1. „… bitte drückt mir die Daumen!“
    Na klaaar!
    Ein Lächeln zu Dir nach Hamburg 🙂
    Antje

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    1. danke dir, hat geholfen! hab den text wegegschmissen und mich doch erinnert an irgendwas… fürchte mich nun vor dem video 😉

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  2. Auch meine Daumen sind gedrückt, du machst das schon.
    Doreen

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    1. danke auch dir, doreen! ich war extrem aufgeregt fast vierhundert leute… uff! 😉

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