Die Geschichte vom vertauschten Koffer…

Berlin, 7:12, Tag 404

Heute Nacht habe ich von einem Telefonat mit der Apple Hotline geträumt, vermutlich weil ich mich vorgestern so sehr über die Flughafen Tegel Hotline aufgeregt habe, die mir wiederholt falsche Informationen gegeben haben und die, darauf angesprochen, dass die gewünschte Nummer falsch ist, einfach nur gesagt hat: dann müssen sie es länger klingeln lassen. Häh? Aber zurück zum Traum. Ähm, welchem Traum? Ich habe die Details meines erfolgreichen Anrufes leider beim langsam, gemütlichen Aufwachen vergessen…

Wir hatten den falschen Koffer vom Band gehoben am Samstag und das erst viel später Abends bemerkt, da war der falsche Koffer schon bei den Grosseltern. Am Flughafen konnte mir telefonisch niemand sagen, was zu tun sei, also ausser mir eine falsche Telefonnummer zu geben. Die Damen an der Hotline konnten mir eigentlich überhaupt nicht sagen, wen ich anrufen könnte oder was nun zu tun sei. Vermutlich wundert das keinen von Euch, wir sind ja in Berlin und es geht um Flughäfen, da ist man Überraschungen ja mittlerweile gewohnt.

Aber zum Glück habe ich schon einmal, ein wegen eines Streiks um einen Flug verspäteten Koffer abholen müssen. So wusste ich, wo was war in Tegel. Und ich überlegte mir, nichts davon zu sagen, dass wir einen falschen Koffer vom Band genommen hatten. Denn der falsche Koffer befand sich nämlich 230km weit weg und der richtige Koffer war hier -sehr wahrscheinlich- beim telefonisch nicht erreichbaren Gepäckservice. Ein Koffertausch am Flughafen kam somit nicht in Frage, ohne zweimal 230km fahren zu müssen: einmal, um den falschen Koffer zu holen und noch einmal, um dann den richtigen Koffer wieder zur Tochter bei den Grosseltern zu bringen.

Ich hatte keinen Gepäckabschnitt mehr, nur die Reisepässe meiner beiden Süssen dabei. Beim Gepäckservice, einer kleinen Baracke zwischen dem Hauptterminal und Terminal C muss man im Warteraum per Telefon in den Nebenraum klingeln. Man hört die Stimmen der Mitarbeiter, die sich ruhig unterhalten und man hört das Telefon klingeln. Das ist ne Herausforderung!

Das Telefon klingelte -ich weiss nicht wieviele- Minuten lang ohne dass sich einer der Leute hinter den dünnen Wänden darum kümmerte. Ich atmete und lächelte im Rhythmus des Klingelns und bekam immer bessere Laune, wirklich!

Es gibt wohl drei Firmen für Gepäckabfertigung und auch noch den Zoll in der Baracke, ich sah vier Schreibtische, auf einem klingelte mein Telefon und stellte mir vor, dass der zuständige Kollege wohl eine Rauchen war oder so.

Irgendwann -ich war komplett durchmeditiert und tief transzendetal versunken- kam dann wirklich noch ein echter Mensch an ein Fenster in der Wand und frage in den Raum, was es denn wohl gäbe. Ich war zwar am Telefon, aber vertand dann doch, dass ich gemeint war und legte auf. Die Meditationsglocke verstummte. Nun verstand ich auch, warum die Telefonzentrale des Flughafens von den tauben Jungs in der Baracke genervt ist.

Ich sagte in völlig, verzweifeltem fragendem Ton: Meine Frau hat gestern den Koffer unserer Tochter auf dem Band vergessen? Er fragte trocken zurück: Welche Airline? Wie sah er aus? Wo ist der Gepäckabschnitt? Ich ganz schnell, voller Hoffnung: Ein schwarzer kleiner Rollkoffer mit vier Rollen. Und dann wieder genervt: Den Abschnitt hatte ’se natürlich auch schon weggeschmissen. Er schaute mich mitleidig an, drehte sich wortlos um, um kam mit unserem Koffer wieder. Yeah!!!

Dann bin ich zum Mittagessen (Kaninchen mit grünen Bohnen und selbstgemachtes Himbeereis a la Lafer) zu den Grosseltern gefahren, habe den Koffer getauscht und bin zurück zum Flughafen, auf einen Schichtwechsel und eine erneute Telefonmeditation hoffend.

Diesmal kam jemand schon nach dem dritten Klingeln und als ich ihm den falschen Koffer zeigte, nahm er ihn nicht an. Die Koffer müssen doch erst noch geröntgt werden. Klar! Ich also zum Lufthansa Gepäckservice in der Haupthalle. Dort angekommen, habe ich vom falschen Koffer erzählt. Er wurde schon vermisst und erleichtert zurück genommen.

Als die Dame hörte, dass ich meinen Koffer schon abgeholt hätte, konnte sie das gar nicht glauben. Die telefonscheuen Männer in der Baracke seien doch angewiesen, vertauschte Koffer nur im Austausch heraus zu geben. Als ich sagte, dass ich natürlich nichts von dem vertauschten Koffer gesagt hätte, schaute sie mich nur verblüfft an und äusserte anerkennend: na, sie kennen sich aber aus!

Mit einer dicken Bitte um Verzeihung und einer Einladung zum Mittagessen an den armen Kerl, dem wir seinen Koffer knapp 24h vorenthalten haben, möchte ich diesen Post hier beenden. Sorry!

Wünsche Euch einen entspannten Start in die neue Woche und besonders viel Spass bei allen Telefonhotlines und Warteschleifen!

2 thoughts on “Die Geschichte vom vertauschten Koffer…

  1. Wenn irgendein Depp zu blöd ist, mal kurz auf das Papierband am Koffer zu schauen, um zu sehen, dass es wirklich seiner ist, würde ich mich nicht mit einem Mittagessen abspeisen lassen.

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    1. nun überlege ich schon seit jahren, wie ich auf diese bemerkung reagieren soll. es ist meiner frau ein fehler passiert, eine unachtsamkeit, ohne absicht. ich habe alles getan, um den fehler so schnell ich konnte, zu korrigieren! dann stehe ich dir gegenüber und du sagst mir so etwas ins gesicht. wie würde ich reagieren? ich hätte wohl bereut, mich angestrengt zu haben, um den fehler wieder gut zu machen. ich glaube, ich hätte mich geärgert, dass ich den koffer nicht einfach weg geschmissen habe. aber nur für einen moment! im nächsten moment hätte ich mich nochmal entschuldigt, die einladung zum mittagessen zurückgezogen und mich verabschiedet…

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