Berlin, 7:15, Tag 407

Heute Nacht bin ich in einem Jet von Bombardier geflogen, der innen so gross wie ein Hotel wurde, wenn man am Ende um die Ecke bog. Dort sassen wir dann zu einer Besprechung über irgend etwas in einem riesigen Saal an einem ellenlangen Tisch. Jemand klappt eine Weltkarte aus Papier auseinander, auf der jede Menge Schiffswracks eingezeichnet waren. Dachte so bei mir, wie wir denn die Wracks finden sollen, wenn man gar nicht rein zoomen kann in die Karte. Mit jeder weiteren Entfaltung der Karte zoomte sie hinein, erst ins Mittelmeer, dann in die einzelne Küstenbuchten mit den Wracks… des Absurden nicht genug war in einer späteren Sequenz ein Drahtseil über unsere Strasse vorm Büro gespannt und ein Handwerker im Blaumann balancierte zur Arbeit. Als er die andere Seite erreichte und ich von unten Beifall klatschte, sagte er verwundert: nicht doch, ist doch nichts besonders, nur mein Arbeitsweg. Er zog einen Karren mit Werkzeugen vom Drahtseil hinter sich auf die Plattform und ich wachte auf…

Gestern kam noch eine Nachricht von Dan Shalloe, dem Konferenz Manager des Europäischen Patent Amtes, dass jetzt fast alle Präsentationen hier Online gestellt seien. OK, es fehlen die beiden Keynotes Speeches von Prof. Harhoff, LMU und Volker Smid, HP, aber sonst ist fast alles dabei.

Vermutlich auch, weil die Konferenz in diesem Jahr so zentral und leicht erreichbar war, gab es einen Aussteller und Teilnehmerrekord mit etwa 460 Menschen der europäischen Patent Informations Szene.

Foto: Dan Shalloe, EPO

Wie Ihr hier sicher alle mitbekommen habt, durfte ich ja in diesem Jahr erstmals auf die grosse Bühne klettern und meine Vorstellungen über den Digitalen Wandel und die Auswirkungen auf die Patente kundtun.

Foto: Dan Shalloe

Aus den nun veröffentlichten Slides möchte ich drei besonders hervorheben.

Erstens natürlich mein zweites Thema: Open Data, das in diesem Jahr leider nicht so stark behandelt worden ist, wie ich es mir gewünscht hätte und wie es im letzen Jahr noch der Fall war, als aber auch Prof. Nigel Shadbolt einer der britischen Open Data/Open Gov Päpste die Keynote hielt.

Aber ich hatte mir wohl im letzten Jahr einen gewissen Ruf erarbeitet und mich mit meinen Fragen relativ gut, zumindest besser als im letzten Jahr, vorbereitet. Um es vorweg zu nehmen, die Fragen wurden nicht beantwortet. Hier die Zusammenfassung der Open Data Discussion Round von Rob Willows, Thomson Reuters UK.

  • Add to Espacenet: Indicate whether patent is expired or not
  • Use unique identifiers to link patents to other open data
  • Prove CPC technical documentation and tools (CPC App competition)
  • EPO to participate in conferences like Gov Open Data Day
  • EPO should engage in a political level

Immerhin! Es ist nun beim EPO adressiert. Es könnte sein, dass nun EPO Mitarbeiter die Legitimation verspüren, hier stärker aktiv zu werden. Die Diskussionsrunde hat gefordert, dass sich das EPO auf Veranstaltungen und auch auf politischer Ebene im Rahmen von Open Data  und Open Government engagieren soll. Gut!

Dann ein Hinweis auf eine Gegenbewegung, eine weitere Abschottung der Szene durch eine Erhöhung der Hürden. Hier ein Vortrag über Verschiedene Arten der Recherche und Suche durch Ricarda A. Bonitz, PATON, TU Ilmenau. Sehr interessant, sehr lehrreich! Er zeigt wunderbar die verschiedenen Suchstrategien und Arten in diesem komplexen System. Die mögliche Antwort: Standardzertifizierungen, Integration in die Ausbildung ist absolut OK. Es wird nicht alle Probleme und Dilemmas des Patentsystems lösen, aber es erzeugt Schubkraft am anderen Ende, an einer weiteren Professionalisierung und Schutz der Profis, die sich durch anerkannte Institutionen wie SIGNO oder PIZNet zu solchen erklären lassen wollen.

Am spannendsten und wertvollsten an der EPOPIC, so wie sie heute ist, war sicherlich der Superworkshop zu Beginn und die Zusammenfassung der Konferenz am Ende. Beides vorbereitet und organsiert durch Dr. Peter Kallas, einem Urgestein der Branche, der seit 1991 bereits diese Veranstaltung besucht und in den Jahren seit 2007, seit ich teilnehme, entscheidend prägt.

Hier einfach die für mich wichtigste Zitate aus seiner Präsentation zusammen geschrieben und kommentiert.

One of the most challenging items „applicants‘ name standardisation“.
Several organisations are working on it ‐ but there is still a long way to go.
User community decided to start its own initiative. Cooperation is greatly appreciated!

Hier schimmert für mich doch die Konzepte von Co-Creation und Crowd Sourcing im Netz durch seine Worte durch, um eines der dringenden Probleme der Patentdaten zu lösen, das der Anmelderstandardisierung.

The ideal world: INPADOC as source, EPO and WIPO as driver, commercial providers as distributors, user community as consultants.

Dann eines der weiteren grossen Dauerbrennerthemen, dem Rechtststand. Bei dem auch eine enge netzwerkartige Zusammenarbeit vorgeschlagen zwischen den verschiedenen Teilen der Szene, sogar schon mit klarer Rollenverteilung. Hier hoffe ich, dass durch das Internet vielleicht der ein oder andere Prozess beschleunigt werden kann und wir diese Themen von den Konferenztischen und aus den Hinterzimmern raus kriegen, auf die grosse Bühne des Netzes…

Foto: Dan Shalloe, EPO

Dann seine Bemerkungen zu Cloud Computing, Social Media und der Zukunft der Patent Information: Es fängt mit einem vorsichtigen Selbstvergewisserung an:

Whereas end users need better access to basic patent information the demand for complex patent information analyses done by specialists is growing

Es geht dann weiter mit versöhnlichen Sätzen, wie „Whether a cloud cooperation, social media and patent information will work together? Yes, it will come, but slowly“ und er greift natürlich auch die bedenken und Vorbehalte der Szene auf, das muss er als guter Lobbyist und Politiker, der er sicherlich ist.

Sounds mysterious… patent information in the cloud?

Und dann erstmals sein klares Bekenntnis, sich auch mit den Sozialen Netzwerken und den Auswirkungen auf die Szene zu beschäftigen. Sehr gut!

Social media and patent information no easy combination. I am interested to see the development.

Diese Zusammenfassung zum Schluss hier, gefällt mir eigentlich am Besten. Dr. Kallas gelingt es damit, die Rolle der Patent Informations Experten umzudeuten und ihr eine klare Vision zu verleihen, die ich sehr, sehr mag!

The role might move forward to a consultant in the cloud economy, a guide through the information jungle; a driver of the stack,  the expert of the patent information toolbox; the coaches of the next generation of technicians

Und das lass ich jetzt einfach mal so stehen, denn es gefällt mir so sehr, was hier ich lese!

Dr. Peter Kallas, BASF (Foto: Dan Shalloe, EPO)

Es zeugt von Offenheit, von Flexibilität und der Motivation sich mit dem Wandel, mit der Zukunft auseinander zu setzen. Mehr habe ich nicht erhofft! Die Zeit wird es zeigen…

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

One Comment

  1. […] an den verkackten Einstieg bei einem für mich extrem wichtigen Vortrag Ende November, mir fällt die grosse Bühne im Hamburg wieder ein. Mir fällt mein Freund ein und wie er mich immer wieder beruhigt. Ich spiele […]

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