Istanbul, 7:30, Tag 413

Heute habe ich mit Freunden in einer Hütte übernachtet, flaches Decke, knarrige Treppe, zerwühlte Betten. Am nächsten Morgen will ich helfen, Löcher in die Decke zu bohren, sehe die Bohrmaschine, die Markierungen in der Decke, eine Leiter, die jemand festhalten wird. Ich klettere hoch, die Leiter steht viel zu schräg, sie wackelt sehr. Als ich ganz oben stehe und den Bohrer ansetzen möchte, fallen mir einzelne Mauersteine entgegen, irgendwie schaffe ich es doch und wache auf…

Sitze wieder in meinem Durak Bufe beim Tee und schreibe unter dem Neuigkeiten schreienden Fernseher. Mir fällt auf, dass viele Türken hier wohl ein restless leg syndrom haben. Eben saß ein Pärchen in meinem Blickfeld, beiden warten auf ihr Frühstück und ihr linkes, sein rechtes Bein tanzten. Jetzt schauen sie gebannt auf den Fernseher, der die Unfälle und Dramen des gestrigen Tages zeigt. Ich bin wohl unruhig, fällt mir deshalb so etwas auf?

Durak Bufet, Nov 2012

Haben gestern drei richtigfrische, ganze Fische auf der Strasse hier gekauft. Später ist mir aufgefallen, dass ich zum ersten Mal Fische selbst filetiert hab! Beim dritten sah er dann auch so aus, wie ich Filets kenne. Einfach in Butter gebraten, Kartoffeln und Blumenkohl dazu, mhhh lecker!

Fischfilets braten, Gayrett Sitesi, Nov 2012

Hab mich an den Trick erinnert, die Filets nur auf der Hautseite durchzubraten und wenn sie dann fast gar sind, nur noch mal ganz kurz auf die andere Seite zu drehen und auf die Teller zu packen. Ich hab schon die ganze Woche jeden Abend mit Freude gekocht. Das hatte ich Monate, fast Jahre lang nicht mehr und irgendwie vermisst.

Bin gestern nachmittag raus und habe einen langen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Wollte nur laufen! Wenn ich den ganzen Tag am Laptop sitze und keinen Arbeitsweg habe, weil ich zu Hause arbeite, krieg ich irgendwann ’nen Rappel…

Möven über Mecidiyeköy, Nov 2012

Fast wieder zu Hause sah ich dann das Kind hier auf die Strasse statt Fernsehen schauen. In einer Basement Wohnung, in der auch meine Schwiegereltern vor 30-40 Jahren hier im Viertel gewohnt haben.

Kind in Gayrettepe, Nov 2012

Ein interessantes Symbolfoto für mich, wie mir heute morgen erst auffiel. Ein Symbol für meine frühere Unfreiheit! Ich hab gestern Abend noch einen Artikel empfohlen bekommen und im Bett durchgelesen: „Nüchtern“ von Benjamnin Stuckrad-Barre, den dieser Ende Oktober in der WamS veröffentlicht hat. Könnte ich auch so gut schreiben, der Artikel hätte auch von mir sein können.

Das Fehlen des heldenhaften Rausches, der Affront des Nichttrinkens, die Rauscherinnerung… fast alles, was er schreibt entspricht so sehr meinen Erfahrungen mit dem Nichttrinken, welchem ich seit vier Jahren fröhne! Ok, sein Weg über Klinik und Therapeut blieb mir erspart, da kann ich nicht mit reden, wobei bei mir war’s die Meditation und eine psychologische Ausbildung. Beides sicher auch mit eher therapeutischem Charakter.

Heute morgen war ich dann wieder sehr müde, setzte mich auf mein Kissen und genoss den Sonnenaufgang.

Beleuchtet wurde unser Viertel hier von dieser Wolke, angestrahlt von der aufgehenden Sonne tauchte sie alles hier ein goldenes Licht, für zwei Minuten nur…

Habt einen tollen Tag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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