Berlin, 9:00, Tag 417

Heute mal ausgeschlafen und erst um 8 los und schon ein erstes Treffen hinter mir. Und obwohl ich ohne Wecker mitten in einem Traum wach wurde, konnte ich keinen Gedanken mehr daran zu fassen kriegen. Meine Morgenmeditation war kurz und voller ruhiger Gedanken an gestern und meinen nächsten Auftritt Ende nächster Woche.

Mir fehlt grad die Zeit zur Reflektion, zum Verdauen und das geht eigentlich das ganze Jahr schon so. Heute fällt es mir besonders auf.

Es fing im Januar mit zwei Workshops an und seit dem nehme ich einmal im Monat an Wochenendseminaren teil, die mich aufrütteln, mir neuen Input geben, mich in Gruppen mit anderen Menschen aus anderen Umfeld zusammen treffen lassen.

Vor ein paar Jahren habe ich schon einmal so ein ähnliches Jahr erlebt. Es war Teil einer größeren Veränderung in meinem Leben, ob Auslöser oder Folge ist dabei unerheblich. Diese Seminare bedienen mein Interesse und meinen Hunger nach Psychologie, nach Kommunikationstheorie, nach Strukturen in zwischenmenschlichen Beziehungen und in meinem eigenen Verhalten.

Neben meiner Beschäftigung mit Meditation und buddhistischer Psychologie ist dies das zweite Standbein meiner eigenen, ganz persönlichen Entwicklung.

Diese Schübe einmal in 2008/9 mit einer Art Grundausbildung, in deren Verlauf ich es geschafft habe, mit dem Rauchen aufzuhören und dafür erst für ein paar Wochen, dann Monate und nun schon für Jahre auf Alkohol als Rauschmittel verzichte.

Nach über drei Jahren Pause, dem Auslassen von zwei weiteren Seminarstufen, der Master und Coach Ausbildung, habe ich nun in diesem Jahr einfach mit der letzten Stufe, dem Trainer weitergemacht und an diesem Wochenende findet mit einem Das Leader-Prinzip Wochenende, der vorläufige Abschluss statt.

Das wirklich besondere an solchen Wochenende ist es, dass ich mit der eigenen Unerbittlichkeit meines Verhaltens konfrontiert werde und anders als im Alltag, nicht vor den Konsequenzen davon laufen kann. Zumindest nicht für die Dauer des Wochenendes! Das ist viel länger und gleichzeitig viel konzentrierter, als im Alltag.

Dazu kommt, dass die Trainer, die die Impulse setzen und die die Themen vorbereitet haben, natürlich eher auf persönliche Probleme und Konflikte der Teilnehmer fokussieren. Diese Problemsicht erhält einerseits die Seminarmaschine am Laufen, weil das Seminar ja die angebliche Lösung von Problemen verkauft und gleichzeitig zieht das aber einen ganz bestimmten Typ Mensch an, der sonst  in freier Wildbahn in dieser Häufigkeit nur selten anzutreffen ist. Oder anders formuliert, weiche ich der Konfrontation mit solchen Themen und Menschen normalerweise eher aus.

Diese Menschen und sich selbst dann in Laborsituationen, also den Übungen in solchen Seminaren zu erleben, in denen ich mich ausprobieren kann, in dem gezielt unangenehme, herausfordernde Situationen erzeugt werden, wobei mein Verhalten durch mich selbst und andere analysiert und so besser verstanden werden kann, bewirkt wohl die größten Veränderungsschübe bei mir.

So, warum ich das jetzt alles so geschrieben habe, weiss ich nicht genau. Ich bin nicht zufrieden, möchte etwas anderes machen und bleibe aber im Prozess des Seminares, selbst hier im Cafe bei meiner Schreibmeditation komm ich nicht raus.

Und genau das meinte ich damit, als ich einleitend schrieb, dass mir die Zeit zur Reflektion fehlt und ich mich irgendwie schon auf die Zeit danach freue, die Zeit der langsamen Reife und der anschliessende Ernte.

Oh schön, egal wo jetzt dieser Schwenk zu Thanksgiving her kommt, wünsche ich zum Schluss dieses Sonntagspostes allen ein tolles Erntedankfest.

Geniesst diesen, Euren Sonntag einfach!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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