Über SAP und die Cloud…

Berlin, 7:41, Tag 420

Die Überschrift steht da schon, aber erst mal mein Traum, der heute ein ganz besonderer war.

Ein Ausflug im Gebirge, damit ging es los. Ich bin eine immer steiler werdende Wiese einen kleinen Trampelpfad entlang gelaufen, später geklettert. Es wurde plötzlich so steil, fast senkrecht, so dass ich mich mit meinem Händen und Füssen nur noch an Grasbüscheln festhalten konnte. Tief unter mir der flach abfallende Steilhang. Immer das Gefühl, wenn ich jetzt abrutsche, dann gleite ich 50, 100 Meter diesen Abhang hinunter. Ich erlebte das Klettern an den Grasbüscheln, die wechselnde Gewichtsverteilung beim Umsetzen der Hände und Füsse sehr intensiv, bis ich schliesslich tatsächlich abrutschte.

Nichts Schlimmes passierte, als ich wieder unten ankam. Ich drehte mich um und entdeckte plötzlich den Trampelpfad wieder, der in der Steilwand entlang nach oben führte. Ich sehe das Gebirge um mich herum, bin jetzt in einer kleinen Senke mit einem Bach, der in einer Felswand verschwindet. Ich wartete auf den Rest der Gruppe. Schliesslich kommen sie an, einer wird mit einer Trage von zwei Kollegen getragen. Wie sollen wir damit nur den steilen Pfad hochkommen.

Es wird Abend, ich laufe los, den Sonnenuntergang fotografieren. Der Blick über eine Bucht in der Ferne, mit Segelschiffen und Inseln am Fusse des Gebirges ist atemberaubend. Ich laufe an ein paar Hütten vorbei von denen ich schon einmal geträumt hatte, immer verändert sich das Motiv. Häuser, Bäume und Büsche versperren entweder die Sicht auf die Sonne oder die Segelboote. Ich versuche herauszufinden, wie viel Zeit ich noch habe bis die Sonne weg ist, es gelingt mir nicht.

(An dieser Stelle wache ich auf, es ist 4 Uhr, ich muss mal, stosse mir den Kopf an der Badtür und schlafe nach ein paar Notizen sofort wieder ein.)

Die Häuser werden zu einer Art Feriensiedlung, viele andere Menschen räumen Sonnenliegen auf den Rasen und machen es sich für den Sonnenuntergang gemütlich. Ich habe ein Foto gemacht, suche noch nach weiteren Motiven und finde mich plötzlich im Bett mit meiner Frau wieder, wir kuscheln und ich entdecke hinter mir plötzlich schnell ziehende dunkle Wolken im Gebirge. Die anderen sind doch noch dort oben auf 3.800m, hoffentlich passiert nichts.

Ich beobachte die Wolken am Fenster, sie ziehen in Richtung Gebirge mal sehr schnell, dann wieder langsam, dann drehen sich die Richtung. Es kommt mir vor wie Zeitraffer, aber es ist ein echtes, völlig irres Wetterphänomen. Plötzlich öffnet sich eine Wolke und über dem Gipfel, der am nächsten liegt, ergiesst sich ein fast schwarzer Wolkenbruch – ohoh! Tatsächlich kommt eine riesige Flutwelle wie eine Lawine den Hang hinunter auf unsere Haus, unsere Fenster zu. Auf dem Abhang verliert die Flutwelle ihre Kraft und ganz knapp vor uns ist das Wasser komplett in alle Richtungen zerflossen. Ich wache mit einer Beule an der Stirn auf…

Und nun zurück zu Überschrift und meinem gestrigen Abend!

Ich war von einem Freund auf eine BVMW Veranstaltung: „Die Welt ändert sich… Die SAP Business Cloud im Überblick“ eingeladen worden. Im Foyer schon ein kleiner gemeiner Lacher als Auftakt, weil dort ein Messeaufsteller von WDEBIL stand, einer neuen Bilanzierungslösung von SAP.

Wir stellten uns vor, wie sich vielleicht der Praktikant ins Fäustchen lachte, als der Name WDEBIL tatsächlich vom Chef genehmigt worden ist. Falls jetzt jemand von SAP hier mitlesen sollte: never mind! Es gibt keinen bessere Namen für diese Thema. Ich ahne, das WDEBIL sicher von EBIL, der Einzelbilanzanalyse aus dem Sparkassenumfeld kommt und Euch völlig logisch, unverfänglich erscheint?

Dann stellte sich der Vortragende vor, er käme aus der Pfalz und würde uns erklären, warum SAP schon seit 40 Jahren mit seinen 62.000 Mitarbeitern Cloud Computing machen würde. Und wie bereits 7.000 von den 62.000 Cloud auf der Stirn stehen hätten. Kein Witz! Er sagte und wiederholte das unzählige Male während der nicht enden wollenden zwei Stunden.

Er hätte selbst schon Gelegenheit gehabt, mit einigen der fünf Gründer von SAP zu sprechen, die der IBM vor 40 Jahren bewiesen hätten, dass Standardsoftware doch funktionieren würde. Nun würde aber die ganze Firma zu Cloud umgebaut, und alles sei ganz sicher und schon innerhalb von 10 Tagen würde für jeden Mittelständler, die passende Lösung in der SAP Cloud bereit stehen. Egal ob Reisekostenabrechnung, Personalmanagement oder die anderen traditionellen Module und sogar Social Media Monitoring. Sie könnten das alles jetzt einfach auch von der SAP mieten und brauchen keine eigenen Server mehr.

Mit jeder unbewiesenen, oft falschen Behauptung, dass Cloud = Miete sei und trotzdem nun alles noch sicherer sei (er sei ja schliesslich studierter Banker!) und auch 90% der Anforderungen (wir machen das ja schliesslich schon seit 40 Jahren!) habe ich etwas darüber aufgeregt, wie hier Zeit verschwendet worden ist, nein eigentlich mehr, wie hier eine so grossartige Gelegenheit ungenutzt verstrichen ist, als wirklich erfahrene und super erfolgreiche SAP mal zu erklären, was sich für die Kunden von SAP verändern wird, was es wirklich Neues gibt, und auch, was bewährte Lösung seinen und es auch in Zeiten des Cloud Computing bleiben.

Ich musste dann ab und zu meditieren, um durchzuhalten. Vor allem nach dem ich merkte, dass meine Anmerkungen, Ergänzungen und Klarstellungen im Rahmen dieses Vortrages über die SAP, nicht über Cloud Computing, einfach nicht gewünscht waren. Ich fühlte mich sehr schnell als Störer. Das ist nichts Neues, das kenn ich schon von mir und auch vom letzten Wochenende. Ich habe heute morgen nach dem Aufstehen auch heraus gefunden warum: ich habe wohl mal wieder: ich weiss auch was und ich weiss es besser gespielt. Mich ärgert, dass ich nicht schneller mitbekommen habe, dass das unerwünscht war.

Schon mit meiner Einleitung, dass wir bei mtc All In Cloud mit unserer mtc sind, bis auf kleine Reste und dass ich ja noch mehr und dass ich auch Vorträge darüber halte und einen Blog schreibe und Twittere, etc. habe ich mich in diese Ecke positioniert. Damit war ich als Konkurrent abgestempelt und die sind Ihrer Natur nach, einfach nicht beliebt.

Dann habe ich mich ertappt, auch wieder den Fauxpas begangen zu haben, für alle zu sprechen. Das ist eine Anmassung und sollte ich ebenfalls aus meinem rhetorischen Repertoire streichen. Es kam so, dass mein Freund fragte, wie er den die SAP Cloud Lösungen an seine Bedürfnisse anpassen könne.

Die Antwort eines anderen BVMW Mitgliedes aus dem Publikum lautete: Na, da schreibt man ein Pflichten- und Lastenheft und dann vergleicht man die Anbieter, so einfach ginge das. Da musste ich mich extrem zurückhalten, nicht laut los zu lachen, was mir nicht ganz gelungen ist. Auch nicht gut! Denn er hatte ja irgendwie auch recht damit!

Aber als darauf die ergänzende Antwort des vortragenden SAP’lers kam mit: wir haben so viel Erfahrung (seit 40 Jahren, mit 62.000 Mitarbeitern) dass wir 90% von allem, was sie brauchen werden, einfach schon mit unserem Standard abdecken und für die fehlenden 10% gibt es ja unsere Partner, die ihnen gerne ein Angebot unterbreiten werden. Ich versank fast im Boden. Ohhhhha!

Es tat mir fast körperlich weh, diese Verzweiflung und diese Hilflosigkeit zu sehen. Wobei die beiden Antwortenden selbst natürlich felsenfest von der Richtigkeit ihrer Ansichten und Antworten überzeugt waren. Sie konnten nur an meiner leidenden Körpersprache erkennen, dass sie mich damit irgendwie folterten und verstanden nicht, warum!

Nachdem ich mich beruhigt hatte, musste ich mich doch einmischen und in meiner Verzweiflung, habe ich eben für alle gesprochen, statt inne zu halten, weiter ruhig zu atmen und einfach abzuwarten. So antwortete ich, dass sich Mittelständler wie ich, eben nicht mehr nur für den Durchschnitt und für den Standard interessierten, sondern für genau die Lösungen und Ideen, die den Unterschied ausmachen, mit denen wir uns noch vom Wettbewerb unterscheiden könnten. Und das dies eigentlich in dem Cloud Computing Ansatz stecken würde!

Aber trotzdem hatte der Abend bei der SAP in Mitte doch sein Gutes, ich habe ja etwas gelernt! Einmal über die SAP und deren Verständnis von Cloud Computing. Und auch etwas über mich, dass ich mit meiner Besserwisserei und Vereinnahmungen einfach nichts erreiche.

Wünsche Euch allen einen klaren Morgen und Tag!

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