Istanbul, Nikolaus, 9:09, Tag 428

Nach nur wenig Stunden fast traumlosem Schlaf bin ich zurück in Istanbul. Dank Netanjahu sass ich anderthalb Stunden im Stau und war nur 30min vor Abflug am Flughafen, aber ich hab es geschafft, fast komplett ruhig zu bleiben und wurde belohnt. Konnte sogar noch meinen kleinen Nikolaus Koffer aufgeben, sonst hätte ich einige der flüssigeren Nikolausüberraschungen entsorgen müssen.

Berlin bei Nacht von Oben, Dez 2012

Berlin bei Nacht von Oben, Dez 2012

 

So, es war so viel los gestern! Asmund hat uns/mich besucht und mir sein nagelneues, druckfrisches, wunderschönes Buch mitgebracht. Es fühlt sich sooo gut an und es mit so viel Liebe gemacht, ich habe gleich eine Kopie verschenkt und werde noch ein paar zu Weihnachten verschenken. Tut es mir nach, die Erstauflage sollte damit bald Geschichte sein. Er und das Buch haben es einfach verdient…

Wie weiter? Achja, mit Åsmund Buch in meinen Händen habe ich gestern beschlossen, auch aus meinem Geschreibsel hier ein Buch zu drucken. Danke, Åsmund für das Angebot, für den Tritt in den Hintern und das Öffnen meiner Augen, dass Change Attention mein Buch herausbringen wird und ich nicht auf „irgend“einen Verleger, Lektor oder etwas anderes warten muss, sondern  -naklar- Du derjenige bist, auf den ich gewartet habe.

Und danke auch für das tollste Kompliment, welches ich seit langem erhalten habe! Wir unterhielten uns vor dem All Hands Meeting, ich schon etwas aufgeregt, etwas hochgedreht und haben uns gegenseitig die letzten Aufreger in unserem Leben erzählt. Als ich mit meiner Geschichte über ein ganz aktuelles Thema bei mtc, welches mich sehr aufregt, aufwühlt, eben sehr beschäftigt, fertig war… bekam ich als Antwort:

Arne, Du bist das liebenswerteste Arschloch, das ich kenne…
(Åsmund Seip, Berlin, den 5. Dezember 2012)

 

*paff*peng*bumm*treffer*versenkt* dachte ich und war einen ganz langen Moment lang still drinnen.

Kann ich damit leben, ein Arschloch zu sein, wenn auch ein liebenswertes?

Sind wir immer, wenn wir egoistisch scheinen, also uns selbst und unsere Interessen zu kennen glauben und auch gegen Widerstände durchsetzen, automatisch immer Arschlöcher?

Ist es so, dass wir Arschlöcher sind, wenn wir uns nicht manipulieren lassen, sondern die Manipulation anderer erkennen und aufdecken, wenn wir anderen damit den Spiegel vorhalten? Wenn wir selbst dann genau so manipulieren, beeinflussen und handeln?

Sind wir wirklich Arschlöcher, wenn wir eigene Träume, Ideen und Vorstellungen haben und diese in passenden und unpassenden Momenten einfach äussern, raushauen und die Reaktionen erleben möchten? Wenn wir die Initiative ergreifen und einfach handeln ohne an die Auswirkungen, an die Risiken und an die Gefühle der Beteiligten und Betroffenen zu denken?

Und wenn wir plötzlich erkennen, dass sich Führung nicht einfach so delegieren und abgeben lässt, wenn wir die Leere plötzlich ausfüllen, sind wir dann wirklich Arschlöcher?

Springer Hochaus, Berlin Dezember 2012

Springer Hochaus, Berlin Dezember 2012

 

Ihr merkt schon, ich möchte gerne ein liebenswertes Arschloch sein. Ich mag die Bezeichnung. Das liebenswert ergänzt dabei genau die Komponente, die mir extrem wichtig, die entscheidend ist. Es geht um die Intention beim Arschloch sein, die Intention ist beim Handlen, beim Sein das alles entscheidende. Wenn die dahinter liegende, bewusste oder unbewusste Absicht eine positive ist, wenn man sein Handeln reflektieren und erklären kann und man einfach zu dem Schluss kommt, in einer ähnlichen Situation wieder so handeln zu wollen, wenn man seine eigenen Werte dabei nicht verletzt… dann muss man auch mal Arschloch sein und Regeln brechen. Eine Delle im Universum zu hinterlassen, geht nicht anders.

Sicher, der Zweck heiligt nicht alle Mittel, aber nach seinen tiefsten Überzeugungen zu handeln, seiner Seele zu folgen und ihr zu gestatten, sich auszudrücken, sich auszuleben, zu scheinen, zu leuchten und dabei andere und anderes auch mal zu überstrahlen und genau dadurch in den Augen mancher ein Arschloch zu sein, das bedeutet für mich: am Leben sein…

Gayrettepe, 6. Dezember 2012

Gayrettepe, 6. Dezember 2012

 

Wünsche Euch von Istanbul aus einen ganz tollen Nikolaus Tag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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