Noch Istanbul, 7:38, Tag 438

Immer noch keine Träume und immer noch unentschieden, was ich heute hier schreibe. Fangen wir mal einfach mit dem ersten Gedanken an: wir suchen ja ständig nach Gründen für unser Glück und auch für unser Unglück, jeden Tag, immer.

Mit diesem Thema kann ich nahtlos an die letzten beiden Tage anschliessen. Wir brauchen diese Gründe: warum ist uns das passiert und wir brauchen komischerweise auch diese Wertung: es wird schon alles gut sein, also eine Bestätigung von anderen, von draussen, von Freunden, Bekannten oder einfach nur von jemandem, der auch schon mal in genau der Situation war. Es ist völlig verrückt. Wir wissen und ahnen sehr oft, was gut für uns ist und was nicht gut für uns ist. Wir haben ein da so ein Gefühl, wir wissen, dass es nicht gut ist und aus irgendwelchen komischen Ecken, begründen wir uns dann die Notwendigkeit, es jetzt tun zu müssen.

Dazu fällt mir seit vorgestern immer wieder dieser eine Kommentar hier ein, in einer tatsächlich so statt gefundenen Hunde oder Katzen Diskussion, der für mich so typisch für alles ist, was wir mit uns veranstalten und die ich mit einer eigenen Liste ersetzen könnte, vielleicht nicht mehr ganz so cliché beladen und überspitzt, wie die von Tanja. Aber solche Diskussionen gibt es doch überall in allen Formen immer wieder: Canonboy oder Nikongirl? Lotus vs Outlook? Programming vs Scripting? iOS vs. Android? Evangelisch oder Katholisch? Atheist oder Agnostiker? Für mich als IT’ler sind das alles, ausnahmslos nur Verwandte der berühmtberüchtigten Tooldiskussionen, Ablenkungen vom eigentlich Wichtigen, Spiele der Erwachsenen, Unterhaltung(en)!

Meine Hassliebe gegenüber solchen Tooldiskussionen geht zurück auf einen Spruch meines Vaters, der sich immer -wenn irgend etwas passierte- erst mal eine Zigarette ansteckte und dazu sagte:

Erst die Kippe in Brand, dann das Pferd aus dem Graben.

Erst, wenn wir einen Plan haben, wenn wir Abstand haben, wenn wir Begründung und Wertung ordentlich vorgenommen haben, dann können wir in Action gehen, dann können wir erst was machen. Eine sehr konservative, vorsichtig abwartende Haltung, die ich hier wieder erkenne. Sie ist das Gegenteil, der Ausgleich zu den -ganz sicher- nicht konservativen, eher übermütigen Dingen, die einen wie meinen Vater überhaupt erst in diesen Graben befördert haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wann immer ich solche Tooldiskussionen beiwohne und ich grad von welchen lesen, gehe ich in den Widerstand und das Risiko steigt, dass ich meine Komfortzone verlasse. Und sie drehen sich genau um die vielen kleine Entscheidungen für die vielen kleinen Dinge unseres Alltages. Kaffee oder Tee? Kurz oder lange Duschen? Zeitig Aufstehen, lange Schlafen? Auto, Taxi oder öffentlicher Nahverkehr (wat’n isn det alleine fürn scheiss Wort!?) Glüh- oder Stromsparlampe?

Eigentlich geht es bei all diesen Fragen doch immer nur ums Losgehen oder ums Liegenblieben? Alles, was wir denken und machen wird Konsequenzen haben, ob wie lange oder kurz wir duschen wird Konsequenzen haben, ob wir nun mit Canon oder mit Nikon fotografieren, es wird etwas bewirken, etwas wird anders sein. Es geht sogar noch weiter, denn wir können auch losgehen und dabei eigentlich liegenbleiben. Der Unterschied liegt nur darin, ob wir die Konsequenzen unseres Tuns wirklich anerkennen und ob wir die Ursachen und die Wirkung all unserer Handlungen beobachten und verstehen wollen oder eben nicht!

Denn eigentlich geht es bei all diesen Fragen immer nur ums Losgehen und ums Liegenbleiben. Alles, was wir denken und machen, wird so oder so Konsequenzen haben.

Mir ist dabei immer bewusst, dass alles bereits vorhanden ist, um uns glücklich und zufrieden sein zu lassen? Dass es ja ganz egal ist, ob wir los gehen oder ob wir liegen bleiben, ob wir lange oder kurz Duschen, ob wir unsere Katze oder den Hund lieber mit Canon fotografieren und ob wir ein iPhone oder doch keines haben!

All diese Entscheidungen für das eine oder das andere machen nicht wirklich glücklich, all diese Sachen zu haben machen nicht wirklich frei. Oft genug hält einen gerade die Tooldiskussion davon ab, genau das zu machen!

Es scheint viel einfacher zu sein, lamentierend auf dem Sofa liegen zu bleiben und sich über die anderen zu beschweren, diejenigen die trotz der unklaren Meinungslage einfach aufgestanden sind, die etwas anders machen als man selbst, es scheint einfacher zu sein, auf diejenigen mit dem Finger zu zeigen und erst mal nur bähhh zu sagen.

Das allein kann es nicht sein, dass allein wird nicht glücklich machen! Egal wie gut wir darin werden, die Gründe, die Unterschiede und die Konsequenzen unseres Handeln zu analysieren und mit anderen zu vergleichen. Egal wie stark unsere Meinung zu dem einen oder anderen Thema sein wird. Im Vergleich allein steckt kein Glück! In der Wertung allein steckt kein Glück! Beides sind wohl notwendiger Ausgleich und erzeugt notwendige Balance, verschiebt die Energien von den glücklichen zu den weniger glücklichen Menschen.

Aber was ist es dann?

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Was genau macht Dich wirklich glücklich und was lässt Dich wirklich frei fühlen?

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

5 Comments

  1. Vom Spruch her war es die Pfeife und nicht die Kippe!!
    Gruß Dad

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    1. stümmt! aber du hast dir eben nie ne pfeife angezündet… 😉

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  2. Oh jeh, es weihnachtet doch sehr: Ich hatte „Erst die KRIPPE in Brand …“ gelesen.
    😉 Antje

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    1. Und dabei war es wirklich die „Pfeife“, aber mit der, wäre Dir die Verwechslung nicht so leicht gefallen…

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  3. Und 30km weiter nord-östlich hieß das: „Erst denken, dann handeln.“

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