Erst Offenheit ermöglicht Verbundenheit…

Berlin, 7:30, Tag 442

Heute Nacht von einem Camp in der Wüste geträumt. Viele Erfahrungen vermischten sich dabei, es war dadurch sehr bunt. Einmal hatte ich Glück, erwischte das letzte Bett, sonst hätte ich mir eines aus Brettern selbst bauen müssen. Den Abschluss bildete eine Szene, bei dem tausende Menschen auf Stühlen in Reihen in einem Olivengarten sassen und ich dort auch gleich hin sollte.

Der seltsame Matrix Status hält noch an, hat sich aber etwas beruhigt, vermutlich sind die Brennstäbe abgebrannt, die Akkus leer. Ausserdem kommen wieder andere Themen am Rande von OPD wieder hoch.

Das Konzept von Open – von Offenheit – rückt stärker in meinen Fokus. Ich sehe überall bei mir und in meinem Umfeld wie traditionell oder konventionell wir alle denken, wie sehr wir im Gestern, in unseren Erfahrungen verhaftet sind. Wie wenig wir uns ändern können, wie sehr alles von Angst bestimmt ist. Wie wenig offen wir sind gegenüber neuen Ideen, neuen Konzepten. Wie sehr wir Neues, uns Unbekanntes als Bedrohung unseres Status, unserer Identität oder unseres Selbst empfinden können.

Und ich merke, das mich das sehr aufregt und anzieht. Da möchte ich sofort kämpfen, alle mit der Nase drauf stupsen, allen zeigen, wie viel leichter und besser sie es doch hätten, würden sie eine offenere Grundhaltung haben.

Und ich lande dann fast ausnahmslos in Situationen bei denen mir alle sagen, wie offen, wie bereit für Veränderungen, wie neugierig sie doch in Wirklichkeit seien und ich das einfach falsch sehen würde. Ich würde einfach zu wenig von ihrer Welt verstehen. Wenn ich ihre Erfahrungen gemacht hätte, dann würde ich einfach verstehen, warum wir das jetzt nicht so machen können, warum wir ganz genau so weiter machen müssen, wie gestern auch. Wir haben uns doch vorgestern erst richtig angestrengt den Kopf darüber zerbrochen und das war damals die beste Lösung und was damals richtig war, das kann doch heute nur zwei Tage später nicht falsch sein! Und wie viel sich dabei doch trotzdem ändern würde!

Grrrrrrrrrrrrr!

Die erste Reaktion auf etwas Unbekanntes, auf Ideen, Anregungen, Wünsche anderer Menschen oder Gruppen ist also nicht eine offene, optimistische Neugier, mit einem Wunsch des Verstehen wollens verbunden. Sondern, wir sind sehr schnell mit unseren Urteilen, sortieren das Neue sehr schnell in unser bekanntes, relativ unveränderliches, und dadurch geschlossenes aber auch stabiles, Sicherheit gebendes Welt- und Selbstbild ein.

Nun bin ich in einer Position, in der ich mit einer gewissen formalen Macht ausgestattet bin, also formell eine Führungskraft, der Chef, der Geschäftsführer und juristisch dadurch gegenüber den Angestellten und Dienstleistern im Rahmen der geschlossenen Verträge ein bestimmtes Weisungsrecht habe. Nun sind aber meine Erfahrung aus den letzten Jahren: nein, Offenheit lässt sich nicht einfach anweisen, nicht verordnen, nicht überstülpen, nicht heimlich, nicht schnell, nicht langsam, nicht indirekt, nicht direkt, egal mit welchem Führungsstil, mit welcher Methode oder welchem Ansatz. Warum wohl?

Ich glaube, Offenheit ist ein Zustand, eine Haltung, ein Wert und hierarchische Organisationen, egal wie flach die Hierarchien auch sein mögen, scheinen einen Grad an Geschlossenheit zu benötigen, der sie zusammenhält, der Organisation Identität gibt und sie abgrenzt von den übrigen Organisationen also der Umwelt. Und genau das ergibt das sehr interessante Spannungsfeld von dem ich hier spreche!

Alle Initiativen für mehr Offenheit, für Veränderung allgemein werden sehr schnell als Bedrohung für die Existenz der Organisation verstanden.

Während aber eine sich verändernde und ständig wandelnde Umwelt, ein sich schnell veränderndes Umfeld, ein sich schnell entwickelnder Markt, gerade eine solche Offenheit für und bei Veränderungen erwartet: also offene, transparente Systeme und offene, hochadaptive Prozesse: schnelles Sprechen, kühler Fahrtwind, viel Energie, Blitze, Unruhe.

Demgegenüber steht das Identität schaffende, und Sicherheit gebende Gefühl von Stabilität, Konstanz, Verlässlichkeit, von der Unveränderlichkeit der guten Dingen, die es eben noch gibt: Tiefe Stimme, Sanfte Briese, Wärme, Kuschlig, Ruhe.

Ich glaube, solange wir diese Sicherheit, die ich hier beschrieben habe, im Aussen suchen, so lange wird Unsicherheit und Angst unser Handeln und Denken leiten. Solange wird es uns nicht gelingen, den Wellenritt zu geniessen, uns an schneller Fahrt zu erfreuen, solange werden wir dabei ausbrennen und scheitern.

Vielleicht, wenn wir mehr Sicherheit in uns selbst finden, wenn wir unsere Ängste ablegen, dann können wir uns erst an der Offenheit für Veränderungen erfreuen. Erst dann, haben wir Spass am Wellenritt im Sturm und geniessen die Stabilität der ständigen Veränderung, erfreuen uns an Konstanz und Unvermeidbarkeit des Wandels und begreifen allmählich:

Erst Offenheit ermöglicht Verbundenheit!

Auf eines könnt Ihr Euch verlassen: mein tägliches Beweisfoto der Veränderung!

 

PS: hatte ich eigentlich schon auf die unglaubliche Geschwindigkeit der Suche nach Patent Informationen bei OPD hingewiesen? Egal, das müsst ihr einfach unbedingt hier ausprobieren 😉

 

3 thoughts on “Erst Offenheit ermöglicht Verbundenheit…

  1. Klasse Reflexion – und ein Plädoyer für die OFFENHEIT!
    Hier das gemeinsame Plädoyer von Prof. Gerald Hüther und mir für die VERBUNDENHEIT::
    Wir müssen unseren Blick schärfen für das, was das Leben bewahrt, was Neues in die Welt bringt, was Hoffnung erweckt. Wir haben viel bewegt und viel zerstört. Nun ist es an der Zeit, zu bewahren und nachhaltig zu gestalten. Dem menschlichen Vernichtungswillen scheint eine ältere Einsichtsfähigkeit und Weisheit entgegenzuwirken, die uns in einer Art und Weise mit allen Lebewesen auf diesem Planeten verbindet, die bislang unvorstellbar schien. Darin liegt das Versprechen der weltweiten ökologischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Bewegungen: als gemeinsame Bewohner dieser Erde zu entdecken, dass wir eine globale Familie sind.
    (Aus dem Buch: Connectedness – Warum wir eine neue Weltsicht brauchen)

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