Erwartungen lassen uns aufs Leben warten…

Berlin, 9:21, Tag 448

Zurück in Berlin habe ich wieder geträumt, es aber nach Ausschlafen ohne Wecker und einer ausgiebigen Morgenmeditation von heute mal 40min vergessen.

Irgendwie will ich heute nicht schreiben, will aufräumen! Meine Fotos, meine Musik, meine Texte, meine Mails, meine Kontakte, meine Wohnung, meine Büro – eigentlich mein ganzes Leben. Diese Ruhe und Besinnlichkeit überall, nein eigentlich dieses zwischen den Jahren macht das wohl mit mir.

Meine Erwartungen, meine Projektionen in die Zukunft, vor allem in andere Menschen stellt mich immer wieder vor größte Herausforderungen. Dieses Denken bestimmt mein Sein manchmal sehr stark. Ich weiss genau, wie ich andere und anderes gerne hätte, was jetzt passieren sollte und müsste und wie es richtig schön wäre. Was ich dabei nicht mehr sehen kann ist, wie es wirklich ist und wie ich es beeinflussen und verändern könnte.

Alles liegt an den Umständen, an Deiner schweren Kindheit, an den gesellschaftlichen Umständen, am kulturellen Erbe, eigentlich an Dir und Deinen Eigenheiten! Wenn Du anders wärst, dann wäre alles ok und ich könnte mal glücklich oder wenigesten zufriedener sein. Wir sind so voller Regeln und Rituale, wir wissen so genau, wie etwas zu sein hat, wenn es perfekt wäre. Und wir sind so sehr mit anderen Menschen und der Wirkung auf andere Menschen beschäftigt, dass wir manchmal kaum selbst existieren.

Wir brauchen dann Unterhaltung oder Bestätigung manchmal auch einfach nur ständige Abwechslung oder Betäubung, um das alles auszuhalten. Vor allem an solch aufgeladenen Feiertagen, wie Weihnachten fällt mir das ganz besonders auf. Und ich geniesse es! Ich geniesse es wirklich, dabei ruhig und leicht distanziert zu bleiben, bei mir zu bleiben. Ich habe das Gefühl, dass ich das erste Mal in meinem Leben wirklich zufrieden bin, mit dem was ist. Und ich sehe die x Impulse alleine heute morgen und ich erinnere mich an die xxx Impulse gestern, wie etwas nicht meinen Erwartungen oder den Erwartungen der anderen entsprach.

Und ich sehe mir dabei zu, wie ich dort sitze und ruhig bleibe und ich sehe, wie ich unruhig werde. Ich merke, wie viel da ist vor allem in Familien und zwischen engen Freunden. Wie viel gemeinsame Geschichte und wie viel gemeinsam Erlebtes sich angesammelt hat und wie sehr dieses Gewesene, das Erleben und Geniessen im Jetzt beeinflusst. Wie schwer es ist, diese Wege einfach mal zu verlassen. Wie schon kleine Fragen, kleine Unachtsamkeiten ganze Universen an vergangenem Leid öffnen könnten. Aber wie schon kleine Bewegungen, kleine Achtsamkeiten alles wieder gut werden lassen können und Sicherheit geben, Verbundenheit ausdrücken und Wärme erzeugen.

Dann wurde ich heute morgen nach gefühlten Tagen und Wochen ohne schönen Sonnenaufgang hier mal wieder überrascht von dem Leuchten und den schnell ziehenden Wolken. Wenn man nicht daran denkt, wenn man keine Erwartungen hat, wenn man einfach aus dem Fenster sieht und es einen aufs Dach zieht… wenn man einfach ist, dann erlebe ich diese kurzen Momente, dann lebe ich.

Ohh, da fällt mir auf, wenn man das Er von Erwartungen weg nimmt, dann bleibt wart(ung)en – also warten übrig… joup, das fühlt sich richtig an: Erwartungen lassen uns aufs Leben warten… ich will nicht mehr warten!

2012-12-26 08.14.55-1

Euch allen einen leuchtenden Tag!

One thought on “Erwartungen lassen uns aufs Leben warten…

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