Über Helfer und Hilfe…

Berlin, 8:10, Tag 449

Heute Nacht von einer Schwimmprüfung geträumt. In einem Büro mit riesigen Glasfenster über der Stadt wurde das besprochen. Wir fuhren los in einem Auto immer näher an den See heran, ich konnte ihn zwischen den Bäumen erkennen, das Wasser war ruhig. Wir fuhren weiter, immer näher an das Ziel, landeten auf einem schmalen Steg, konnten nicht aussteigen, ohne ins Wasser zu fallen und fuhren langsam wieder rückwärts. Ich sass auf der Rückbank, musste mich ducken und versuchte zu helfen, damit das Auto die 10-20m auf dem Steg nicht die Spur verlor und wachte vom Wecker auf…

Heute morgen bin ich mit dem 11 Jahre Bloggen Post von Om aufgestanden. Om Malik ist einer meiner Vorbilder, sein „privater“ Blog einfach sehr schön, reduziert vom Design und er bloggt ebenfalls täglich und hat eine sehr tolle, lockere Schreibe. Wenn ich ihn lese, dann möchte ich einfach alles so machen und haben, wie er auch. Erst mal. Und dann weiter schauen. Glückwunsch zum Jubiläum und herzlichen Dank vor allem für diesen Post.

Dann habe ich hier bei Jens von einem schönen Artikel in der Zeit gelesen, über ein Experiment in Neukölln. Irgendwie fühle ich mich betroffen, ich kenn doch all die Plätze und Orte von denen die beiden schreiben. Ich lebe hier, zwar nicht mehr in Neukölln sondern nebendran in Kreuzberg. Ich bin ein wenig stolz auf meine Stadt, irgendwie kommen wir viel besser weg als die Reichen vom Taunus (ausm letzten Jahr). Und ich bin auch ein wenig beschämt, weil ich nicht genug tue. Wohl auch, weil ich mich einsortiere und mich frage, was ich wohl gemacht hätte. Es ist noch so stimmungsabhängig bei mir, ob ich anderen helfen kann oder ob ich einfach wegschaue und vorbei gehe, beschäftigt mit mir selbst und meinen eigenen „Sorgen“. Ich könnte so viel mehr machen, so viel achtsamer sein.

Und ich habe die Action through Presence von Zenmeister Bernie Glassman denken müssen, durch den ich das erste Mal auf sogenannte Strassenretreats aufmerksam wurde und wie ich spüre, wie ich das auch machen möchte: Handeln durch Anwesenheit, durch Achtsamkeit. Und ich dachte an meine paar (viel zu wenigen) Einsätze in der Bahnhofsmission am Zoo, mein Helper’s high dabei, die anderen Helfer und die vielen, so unterschiedlichen Gäste der Mission, deren Würde beim Empfangen, meinen Grenzen beim Geben und Dienen.

Ich denke an den Fahrkartenmann der Ubahn Gneisenaustrasse, dem ich wünsche, dass Berlin es niemals schafft, sein Fahrkartensystem zu modernisieren. Und an die Strassenmusikerin, der ich zuschauen konnte, wie sie sich von Harz IV ab und bei der Künstlersozialkasse anmeldete, nachdem ihr der ganze Kiez bei der Produktion ihrer CD geholfen hat. Ich denke auch an die Menschen der Helfer- und Drogenindustrie, die davon leben, anderen zu helfen und diese deshalb brauchen und irgendwie hilfsblind sind, für die das Helfen ein Geschäft ist. Genauso denke ich an die paar Trittbrettfahrer, die aus Geiz oder einfach so, sich aus dem System bedienen und die dabei niemandem in die Augen schauen können.

Sicher ist es die Weihnachtszeit, die mich heute darüber schreiben lässt. Aber ganz sicher ist dieses Thema in meinem Leben stärker geworden, öfter präsent in den letzten Jahren und Monaten. Ich möchte noch bewusster damit umgehen, es noch stärker werden lassen! Ich stelle mir vor, hier in Berlin auch Strassenretreats zu veranstalten und schrecke vor dem Marketing-/dem Businessanteil, der dafür nötig scheint, noch zurück. Je größer die Ankündigungen, je stärker die Aufmerksamkeit, um so mehr finde ich Fehler, Schwächen und Nachteile der Aktionen, um so höher ist auch der Anteil der Trittbrettfahrer. Auch hier ist der Schlüssel wohl Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und in jedem Moment, das angemessene zu tun, das zu machen und einfach zu handeln. Hier ist wohl grad einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr entstanden…

Und mit diesem Vorsatz schliesse ich diesen Post…

Bergmannkiez, 27.12.12

…und wünsche Euch einen ganz wunderbaren Tag voller Helfer und voller Hilfe!

 

 

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