Der Ausnahmezustand vor Vorträgen: von Träumen und Tränen des Glücks…

Noch Berlin, 6:18, Tag 457

Heute bin ich sehr zeitig am Schreiben, weil ich gleich 8:30 Uhr einen Vortrag bei meinem Rotary Club halten darf und danach gleich nach Istanbul weiter fahre und -fliege, so dass ich es hoffentlich schaffe, meine Kleene vom Schulbus abzuholen.

Geträumt habe ich von dem Vortrag gleich, ich sollte aber über Türkish Airlines berichten, Clay Shirky war anwesend. Unsere Clubpresidentin Honor klaute mir den ersten Teil meines Vortrages mit ihrer unnachahmlich liebenswerten Art. Dann schaute ich noch mal schnell durch meine restlichen Slides und merkte, dass die voll doof waren und wollte noch ganz schnell, während sich alle sortierten, ein paar Screenshoots einfügen. THY hat übrigens auf Ihrer Facebook Page über 1,4 Mio Fans und machen dort einen grandiosen Job, für eine staatliche Airline wirklich grossartig. Dann beobachtete ich Clay, mit seiner Glatze, wie er sich setzte und meine Aufregung schoss durch die Decke: D E R Clay Shirky! Plötzlich war ich so nervös, wie vor meinen ganz grossen Auftritten im letzten Jahr.

So, nun bin ich schon wieder so schrecklich auch aufgeregt, dabei wollt ich doch heute vor meinem rotarischen Freunden mal einen Vortrag ohne diese oft sehr destruktive Aufregung halten. Mir mal einfach zu vertrauen, dass es schon klappt, dass ich das schon hinkriege. Locker bleiben und diese Anspannung mal nicht haben, dieses Lampenfieber, diesen kreativen Nachbrenner, Turboboost mal nicht haben, die doch so anstrengend sind und dessen Treibstoff die Angst vorm Versagen, vor Entblößung meiner Rede als peinliches, sinnloses Rumgestammel, die Angst vor Technikversagen, vor der falschen Reihenfolge, vor völligem Chaos und Unverständnis ist. Diese Angst, die aus dem Wissen entsteht, sich einfach nicht genügend vorbereitet zu haben, dieses schreckliche Sehen, dass man noch mehr hätte tun müssen und können, um diese extrem wertvolle Chance, die Aufmerksamkeit der Zuhörer für eine Weile zu haben, voll nutzen und würdigen zu können…

Während ich das hier so schreibe, merke ich, wie sehr diese Ängste eine, meine Geschichte sind, die ich mir erzähle, die nichts mit dem zu tun, was nachher passieren wird. Wie sehr diese Vorstellung, diese Kreativität doch auch positiv sind. Wenn ich versuche die Wertung raus zu nehmen und spüre, wie plötzlich die Energie frei fliesst und wie ich dass doch auch geniessen könnte und… kann! Wie mich sofort eine extreme Traurigkeit übermannt, weil ich doch so lange diese Energie vor Auftritten mit meinen schlimmsten Befürchten angetrieben benutzt habe, um mich selbst schlecht zu machen, schlecht zu behandeln und wie ich jetzt in diesem Moment versuche, ich wirklich versuche, mir das einfach zu verzeihen, mir dann erlaube, es heute anders zu machen… und mir kullern die Tränen die Wange runter: vor Glück!

Wünsch Euch befreit lächelnd einen wunderbaren Tag!

 

 

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