Über die Fehlervermeidungskultur…

Heute Nacht träumte ich von einem Krähenmassaker überm Dach eines Hotels. Beim Überflug hat irgendeine Ventilatorenanalge oder ein Düsentriebwerk einen ganzen Schwarm geschreddert. Dahinter lag die besprenkelte Terrasse und der besprenkelte Eingang voller besprenkelter Menschen. Es wurde gewischt und geflucht. Ich wollte und machte Fotos von der surrealen Szene, es war ganz hohe Kunst. Wie soll ich hier jetzt weitermachen, nach so einem Bild?

Hab grade gesehen, dass ich meinen gestrigen Post gar nicht gepostet hatte, also habe ich das jetzt nachgeholt. Bin aufgestanden, hab mein Morgenbild geschossen.

Mein Kopf ist voll von dem gestrigen Gesprächen, der opd Planung, dem Teamstatus und voller Gedanken daran, wie es weiter gehen kann und wird. Irgendwie stehen nicht alle hinter den Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben und das kostet uns Zeit, Energie und auch Spass.

Viele Firmen -auch wir- sind in einer Fehlervermeidungskultur gross geworden. Es geht darum, keine Fehler zu machen, Risiken zu minimieren und wir bewerten uns gegenseitig danach, ob und wie viele Fehler wir gemacht haben. So funktioniert Schule, so funktionieren Bewerbungstests, so funktionieren Ziele. Wie viele Fehler hattest Du? Hast Du den Test bestanden oder bist Du durchgefallen? Hast Du Deine Ziele erreicht oder bist Du diesmal gescheitert? Dann gibt es keinen Keks, kein Bienchen, keinen Job, kein Geld, keinen Bonus. Wir bestrafen uns, wenn wir Fehler machen.

Kein Wunder, dass alle Angst davor haben, Fehler zu machen. Die dramatische Folge: wir haben Angst davor Risiken einzugehen! Wir vermeiden Veränderungen. Wir versuchen nur, sichere bekannte Wege zu gehen. Wir trauen uns nicht. Und wir bewerten uns ständig nach unserer Fehlerfreiheit.

Dabei geht alles davon aus, dass es irgendwie ginge, keine Fehler zu machen, dass es ein 100% richtiges, korrektes Verhalten gäbe. Es entstehen die typischen: ‚hätten wir es damals gleich richtig gemacht, hätten wir die Fehler vermeiden können, wären wir schneller, weiter besser und würden die heutigen Probleme nicht haben‘ Dialoge, die dem Team und der Luft, nein der ganzen Welt einfach nur Energie entziehen.

Denn eng verwandt mit der Fehlervermeidungskultur ist die Wenndannkultur. Erst wenn alles so ist, wie ich es mir jetzt vorstelle, dann kann ich fehlerfrei, effizient arbeiten, dann bin ich glücklich, dann kann ich loslegen, dann kann es losgehen. Erst wenn ich eine Schulung habe, das neue Tool da ist, andere Kollegen da wären, dann hätte ich es einfacher. Erst wenn ich meine Probleme löse, dann kann ich wirklich anfangen zu leben und zu arbeiten.

Ich will das nicht mehr, ich will das ändern. Ich möchte nach herzenslust Fehler machen können, ich möchte jedem im Team erlauben, seine eigenen Fehler zu machen. Und ich möchte jeden ermutigen, nicht zu warten, sondern zu überlegen, was heute getan, erledigt werden kann.

Wir lernen so viel schneller, wenn wir Fehler machen!

Wenn wir Fehler erlauben, werden wir automatisch schneller!

Wir fangen an in kleineren, überschaubareren Schritten zu gehen!

Wir machen dabei vielleicht oft Fehler, aber die Auswirkungen sind geringer und damit sinkt das Risiko automatisch.

Wir reden mehr mit anderen, um von deren Fehlern, deren Erfahrungen zu profitieren!

Wir entziehen dem Fehler seine negative Wertung und wir nutzen können dabei frei werdende Energie nun nutzen.

Wir sind einfach freundlicher miteinander.

Wir machen die Bewertung unserer Arbeit durch Dritte nicht zu unserem Kriterium des Erfolges.

Wir haben unsere eigenen Kriterien für Erfolg.

Wir haben unsere eigenen Ziele.

Wir werden schneller, wenn wir uns nicht immer erst gegen Fehler absichern müssen.

Erlaubt ihr Euren Kindern, Partnern, Freunden, Kollegen ihre eigenen Fehler zu machen? Erlaubt Ihr Euch selbst, Fehler zu machen? Verzeiht Ihr Euch und den anderen Eure Fehler?

UPDATE: 10.01 21:12 Ein paar Rechtschreibfehler beseitigt und kleine Ergänzungen/Feinschliff aus Kommentar und Feedback per Mail eingebaut.

8 thoughts on “Über die Fehlervermeidungskultur…

    1. ja, ich bin da grad etwas sehr sensibel… versuche wohl, weniger zu werten. und etwas als fehler zu bezeichnen, hinterfrage ich sofort/lehne ich ab und gebe contra.

      es ist oft auch „nur“ gewohntes konzept bzw. formulierung, wir haben heute im büro beschlossen nicht mehr zu sagen: „da habe ich wohl einen fehler gemacht.“ sondern statt dessen „gestern habe ich folgendes gelernt.“ zu verwenden.

      das eine entzieht energie, das andere gibt energie ins team/den kollegen. fand ich sehr spannend…

      und danke für den linktip: ‚von der belehrten zur lernenden Gesellschaft‘ hat mich schon gefangen!

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  1. Eine Frage hier ist, können wir gar nicht anders weil uns die Evolution das so mitgegeben hat und wir hunderte von Jahren in der Steppe noch nicht vergessen haben? Über eine sehr lange Zeit konnte ein Fehler den Tod bedeuten…

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    1. Ja, die Frage stellt sich immer noch.

      Und auch heute kann ein Fehler den Tod bedeuten, wir fahren mit 200km/h in 2t Stahl über die Autobahn, wir fliegen in 10.000m Höhe mit 800km/h in riesigen Maschinen und schauen Videos dabei. Das ist eingebaut in unser Leben!

      Meine Frage war eher, möchte man ein angsterfülltes Leben führen? Ich sage dazu: nein, das möchte ich nicht!

      Ich glaube, dass man über die Gefahren und Risiken wissen kann und trotzdem Glück, Spass, Frieden hat. Man braucht nicht in ständiger Angst vor Fehler zu leben. Man kann darauf vertrauen, dass -wenn wir es bis hier hin, bis heute geschafft haben- wir es auch weiter packen werden. Und nicht weil wir so in einer Angst vor Fehlern leben, sondern trotzdem… 😉

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