8 Tricks, um eine genauere Wahrnehmung von sich selbst zu bekommen…

Gestern Abend habe ich beim Einschlafen geträumt, dass ich mit meinem Trabbi in einen Tunnel gefahren bin. Mein rechtes Vorderlicht ging kaputt. Ich konnte während ich drinnen fuhr, zum Scheinwerfer zoomen, dann sah ich starke Taschenlampen. Hatte jemand magisch mein Licht geklaut? Ich komme an ein Treppenhaus ohne Geländer in einem viereckigen Turm. Dort hausen Menschen auf den Absätzen, ich muss nach oben mit meinem Trabbi unterm Arm, sie kippen Benzin über die Motorhaube, wollen ihn anbrennen, es klappt zum Glück nicht. Ich klettere weiter durch das Chaos, ganz oben ist mein Absatz. Von den Wänden kann ich Decken und Schaumstoff nach unten klappen, um die Treppe zu versperren. Gleich möchte ich einschlafen und will mich sicher fühlen. Es klimpern Flaschen zwischen den Decken, die mich warnen sollen, wenn die von unten hochkommen. Ich hab dann gut geschlafen! Aufgewacht bin ich im Regen mit einer abgelaufenen Bahncard…

Ich kannte Aaron Swartz gar nicht, bis ich vor drei Tagen von seinem Tod hörte. Ein 26-jähriger amerikanischer Programmier, Autor und Internet Aktivist, der sich das Leben nahm. Fast alles, was ich seit dem über ihn lese, beeindruckt mich. Hier als Einstieg, der Nachruf von Markus Beckedahl auf netzpolitik.org. Am tiefsten hat mich sein Text Look at yourself objectively vom Sommer berührt, in dem er eine drastisch erzählte Geschichte von Ignaz Semmelweis benutzt, um über Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit sich selbst und anderen gegenüber aufzurufen.

In moments of great emotional stress, we revert to our worst habits: we dig in and fight harder. The real trick is not to get better at fighting — it’s to get better at stopping ourselves: at taking a deep breath, calming down, and letting our better natures take over from our worst instincts.

Wie geht es Euch, wenn ihr diese Worte mit dem Wissen lest, dass er trotz seiner Einsicht am Freitag wohl keinen tiefen Atemzug nahm, sich nicht beruhigen und seine Instinkte nicht überwinden konnte?

Sein Text geht weiter und nachdem ich gestern schon so etwas ähnliches gemacht habe, wollte ich eben seine Tricks, um eine genauere Wahrnehmung von sich selbst zu bekommen, aus dem Text übersetzen und kommentieren als Zeichen meiner Trauer und Anteilnahme. Ich versuch’s mal:

Nimm Deine Fehler an.

Es gibt ein dunkle Seite in einem jeden von uns. Diese Seite, die wir vor uns selbst verstecken, die wir uns selbst nicht eingestehen wollen. Wir schauen weg, wir decken zu, wir kriegen Panik, wenn wir in nur in die Nähe kommen. Es ist die gleiche Seite, die uns weinen lässt, wenn wir schöne Musik hören. Wir können nicht annehmen was ist, wir können oft unsere Fehler nicht annehmen, die Existenz unserer dunklen Seite uns selbst gegenüber nicht eingestehen. So lange wir das tun, leben wir nicht vollständig, sondern in unserer eigenen Traumwelt. ‚Wir schlafwandeln‘ nannte das Aaron. Ich nenne das meinen Autopiloten. Erst wenn wir uns vollständig, inclusive unserer Schwächen, Probleme und Fehler und unserer dunklen Seite annehmen, können wir ein vollständiges, erfülltes Leben führen. Mir meiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein, es immer wieder anzunehmen, es mir einzugestehen, das ist auch meine Lebensaufgabe, bis zu meinem Ende.

Vermeide sorgsam Beschönigungen.

Wir lieben es, wenn uns jemand lobt, die Zukunft optimistisch ausmalt, uns bestärkt und vorwärts schiebt. Weil es so schön ist, fangen wir an, unsere Wahrnehmung zu filtern und nur noch das Schöne, das Gute, das Positive zu sehen. Erst am letzten Freitag ist mir das wieder so klar geworden, als Robert unser opd lobte und ihm eine grandiose Zukunft voraussagte. Ich habe mich gezwungen, es als das zu was es ist: eine positive Möglichkeit, eine Beschönigung, als ein leuchtendes Ziel, aber eben auch nicht mehr.

Kehre Deine Erwartungen um.

Ein ganz toller Trick, den ich das erste mal von Brittany hörte: sich einfach mal einen Tag lang vornehmen, sämtliche Erwartungen umzukehren. Ein faszinierender Gedanke, der mir dabei geholfen hat, meine Erwartungen auch als solche zu identifizieren. Wenn man sich auf etwas freut, das Schlimmste erwarten. Wenn man sich vor etwas fürchtet, einfach starten, rein stürzen. Seit Jahren schon erinnere ich mich ja mit einem Armband daran, damit aufzuhören, mich über etwas zu beschweren oder zu meckern. Das ist ein weiterer Versuch, meine Erwartungen -und seien es die ans Wetter- als solche zu identifizieren.

Schaue hoch, nicht runter.

Orientiere Dich immer an den Besten, und nicht an der Konkurrenz oder denen, die es schlechter machen. Ein Freund ist Dachdecker, also er hat eine Firma, die ich für die beste Dachdeckerfirma in Deutschland halte. Der sagte mir im Dezember ähnliches. Sich an den Besten orientieren, zu versuchen, die Besten zu modellieren ohne sich dabei Schlecht zu fühlen, runter zu machen oder zu sehr zu vergleichen, einfach anschauen! Aufhören, über diejenigen zu meckern oder sich zu beschweren oder auch zu lachen, die es nicht so gut machen oder können.

Kritisiere Dich selbst.

Auch wenn es weh tut! Sich eigene Fehler eingestehen. Kontrolle aufgeben, die man nie hatte. Ich hatte hier ausführlich drüber geschrieben.

Suche Dir ehrliche Freunde.

Das ist nicht einfach, aber die Menschen die es gut mit Dir meinen und die ehrlich zu Dir sind, sind einfach sehr selten. Suche sie und halte es aus. Halte aus, dass Sie zu denen gehören, die Dir ehrlich sagen, was Sie denken ohne sich vor Dir oder Deiner Reaktion zu drücken, ihr auszuweichen. Eine meiner schwersten Übungen. Es ist so viel einfacher, sich aufs Meditationskissen zu setzen, als ins Café mit einem ehrlichen Freund und sich dessen Kritik anzuhören. Wir manipulieren uns und unsere Freunde ständig, um dem auszuweichen. Ich werde böse (auf mich) und übertrage das auf den ehrlichen Freund… ist mir erst im Dezember mit Michael passiert. Danke Michael, dass Du das ausgehalten hast!

Höre Dir deren Kritik an.

Frage sogar nach Kritik und dann, warte! Halte die Antwort aus, versuche sie zu verstehen, frage nach aber verteidige Dich um Himmels willen nicht sofort, erkläre nichts. Versuche nur zu verstehen. Ihr merkt, ich rede hier grade mit mir selbst. Einfach weil genau das ein Thema ist, was mir immer wieder, immer noch sehr schwer fällt. Kritik als Anregung und nicht als Bewertung, Beurteilung, als Abwertung und Verurteilung zu empfinden, ist eine meiner härtesten Übungen zur Zeit.

Betrachte Dich von Aussen.

Dissoziation! Einer der ersten Tricks die ich lernte, als ich begann, mich in einem für mich extrem schwierigen Veränderungsprozess, der Trennung von meinem ersten Geschäftspartner coachen zu lassen, back in 2005. Vorher hatte ich schon mal einen Artikel im Havard Business Review gefunden, der gestressten Manager einen ähnlichen Rat gab. Stell Dir vor, Du seiest auf einer Bühne. Das wichtige Meeting, der stressige Kollege, die wichtige Präsentation würden dort aufgeführt werden. Setz Dich ins Publikum und schau Dir selbst dabei zu. Stell Dich auf die Empore und schau Dir dabei zu, wie Du Dir bei Deinen Herausforderungen zuschaust. Sieh Dir dabei zu, wie Du das Drehbuch schreibst. Nimm alles auf eine Filmkamera auf, spule vor, wieder zurück, Stop, Zeitlupe, Fast Forward.

Mit diesem letzten Trick verabschiede ich mich in die neue Woche!

Gayrettepe, Januar 2013

Gayrettepe, Januar 2013

Wünsche Euch wieder lächelnd mit einem Bild meines Morgens einen tollen Start.

 

 

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