Monat: Februar 2013

tagebuch

Wie mir Scrum hilft, ehrlicher mit mir selbst zu sein…

Istanbul, 7:29, Tag 512

Heute Nacht wollte ich mit meinem schicken Fahrrad in einem Tunnel den Ausgang finden. Es war ein Supermarkt, viele standen an der Kasse an. Ich mit meinem sperrigen Rad dazwischen, ein glatzköpfiger Muskelbrocken fragte mich am Ausgang, ob ich Ossi sei. Ich antwortete wahrheitsgemäss, er machte trotzdem eine abfällige Bemerkung darüber, dass ich kein Ostberliner sei, aber er liess mich in Ruhe. Draussen bemerkte ich, dass ich mein Fahrrad und Rucksack drin vergessen hatte. Ich lief schnell zurück, kletterte über Absperrungen, sah es immer mal wieder zwischen den Wartenden aufblitzen. Aber nein, es war echt weg. Dann doch nicht, die Kassiererinnen hatte es in ihren superengen Aufenthaltsraum mitgenommen, ich durfte rein und es abholen und wachte auf…

Gestern hab ich Euch so locker einen ehrlichen und mutigen Tag gewünscht, ich war parallel in einen tollen Chat verwickelt mit einem seelenverwandten Menschen, der mit in manchen Dingen einen Schritt voraus scheint. Ich finde es hoch interessant, dass man mit manchen Menschen von 0 auf 100 in unter 3,5 Sekunden kommen kann. Als ob man sich ewig kennt. Je länger man sich unterhält, um so mehr Ähnlichkeiten in der Geschichte, in der Sicht auf Vergangenes entdeckt man.

Wenn so etwas passiert, bekomme ich ganz viel Energie, Mut und Kraft. Fühle mich nicht mehr so allein, so einsam. So etwas kostet aber auch Kraft. Es kugelt mich dann aus meiner warmen, kuschligen Realität heraus, die ich mir zurecht gebaut habe, um alle meine Aktivitäten und vor allem meine Nichtaktivitäten, mein Nichthandeln zu rechtfertigen.

Oft habe ich in letzter Zeit irgendwelche Erkenntnisse, Überzeugungen und Einsichten, die mein Leben komplett über den Haufen werfen würden, wenn ich ihnen konsequent folgen würde. Ich begründe mir dann, warum es noch nicht so weit ist, dass ich doch schon dran bin, nur heute noch nicht und ich arbeite schon hart daran, die Umstände zu ändern, die Entscheidungen irgendwann auch umzusetzen.

Mein Weg zur Freiheit im Denken, Fühlen und Handeln führt über den Umweg des Zweifels.

Was mir heute sehr dabei hilft, ist das die Übertragung der agilen Projektmethode Scrum, an der wir uns bei OPD orientieren. Die Grundzüge von Scrum sind eigentlich schnell erklärt. Darum geht es aber nicht, denn agiles Vorgehen ist eigentlich nichts Neues. Die Methode selbst, hat sich in den 80iger und 90igern entwickelt. Das für mich wirklich Neue ist, dass ich dieses Vorgehen/diese Projektmethode auch auf Nicht-Softwareprojekte übertragen möchte.

Aber zuerst mal eine kurze Einführung in die Methode und die wichtigsten Begriffe:

  • Einer ist als Product Owner verantwortlich für das, was gemacht/getan/erreicht werden soll. Er entwickelt die Vision von der zukünftigen Lösung und führt eine Liste der Dinge, die dafür getan werden müssen und priorisiert sie. Diese Liste wird Backlog genannt.
  • Während eines Sprint Planning genannten Treffens, nimmt das Team sich von der Liste die Dinge aus dem Backlog, die man in der nächsten Woche (maximal in den nächsten vier Wochen) erledigen/anpacken/umsetzen möchte.
  • Während der folgenden Woche, die auch Sprint genannt wird, trifft sich das Team täglich, um den Fortschritt zu besprechen. Das Treffen wird Daily Scrum genannt.
  • Ein Scrummaster (früher Projektleiter) ist dafür zuständig, dass das Team fokussiert und in der Spur bleibt, um gemeinsam die Ziele des Sprints zu erreichen.
  • Die Woche endet mit einem Sprint Review, in dem das Erreichte besprochen und dokumentiert wird und am Ende des Sprints wird das Ergebnis in der Regel ausgeliefert und zwar an den Endkunden, also an den Nutzer der Lösung. 

Wir bei OPD sind nun bereits im 20. dieser Wochenzyklen, das ist aber gar nicht das eigentlich Spannende. Zumal ich, eigentlich schon seit alten Lotus Professional Zeiten Mitte der 90iger -also seit Ewigkeiten- mit iterativen, inkrementellen Vorgehensmethoden arbeite. Damals hiess die Methode übrigens AVM – Accelerated Value Method. Kennt das noch jemand? Ich fand das damals schon grossartig und hatte das Glück, niemals wirklich lange in größeren, reinen Wasserfall- oder Command and Control Projekten arbeiten zu müssen.

Ein weiterer Scrum Versuch startete aus Versehen vor vier Wochen, als wir eher zufällig beginnen mussten, im Backoffice einiges umzubauen. Auch da haben wir uns aus dem Scrum Methoden Baukasten bedient. Das klingt jetzt hochtrabender oder schlimmer, als es eigentlich ist. Aber für mich sind gerade die Parallelen zum Vorgehen bei unserem Entwicklungsprojekt OPD so eindeutig, klar und motivierend schön.

Wir haben einfach erst mal ein morgendliches Office Briefing (Daily Scrum) eingeführt. Dann haben wir angefangen, die Dinge, die in der nächsten Woche alle zu erledigen sind, an ein Whiteboard zu schreiben, getrennt nach Tagesgeschäft oben und Veränderungen unten (Sprint Backlog). 

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Früh wird also besprochen, was heute anliegt, nachmittags wird dann am Whiteboard abgehakt, was erledigt werden konnte. Jeden Morgen wird die Liste (das Sprint Backlog und die ToDo’s aus dem Tagesgeschäft) angepasst.

Links daneben gibt es die grosse Liste der drei Hauptaufgaben unseres Backoffices: Finanz-, Personal- und Officemanagement, mit den wichtigsten Unterpunkten.

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Für mich ist das unser Product Backlog, also eine Übersicht der Vision, wie das Backoffice organisiert ist und sein sollte. Alle Prozesse dort sollen beschrieben und dokumentiert sein, wie sie heute ausgeführt werden. Kollegen, die eingewiesen und eingearbeitet worden sind, sollten in der Lage sein, allein – nur anhand der Dokumentation- möglichst fehlerfrei die Arbeitsergebnisse zu erzeugen.

Und gleichzeitig können wir uns hier je Bereich überlegen, was wir wie optimieren können. Aus diesen Ideen generieren wir wöchentlich für die rechte Seite des Whiteboards unsere Veränderungsprojekte, die überschaubar sind und einen sofortigen Nutzen für uns selbst, also die Bearbeiter aber immer auch für unsere Kunden, also die Mitarbeiter und die Kunden unserer Firma haben sollen.

Was mir ganz besonders gefällt, ist dass wir uns immer nur vornehmen, was wir an diesem Tag und in dieser Woche schaffen können. Wir beschäftigen uns nicht mit Planungen für ein weit entferntes grosses Projektziel, wie wir das in der Vergangenheit immer wieder gemacht haben.

Allgemeine, grosse Projekte wie: DATEV Einführung oder Lexware Abschaltung oder Prozessdokumentation oder auch Weihnachtsmailing erfordern bei starker Belastung mit Tagesgeschäft enorme zusätzliche Ressourcen vor allem für die Planung, Aufgabenverteilung, Aufgabenkontrolle und die immer wieder notwendige Plananpassung. Sie machten mich immer super unzufrieden, weil ich immer wieder feststellen konnte, wie unrealistisch unsere Planungen waren und wir uns somit immer wieder selbst um den Erfolg gebracht haben.

Der Wochenrhythmus dagegen hat den grossen Vorteil, dass man flexibel bleibt und sich auch für eine Woche voller operativem Tagesgeschäft loben kann. Die geplanten Veränderungen hat man immer -für alle sichtbar- auf dem Schirm.

Also nach den ersten vier Wochen von agilem Vorgehen in unserem Backoffice, möchte ich gerne weiter machen und sogar das Vorgehensmodell noch weiter ausbreiten.

Die größte Herausforderung für die Organisation ist diese andere Art der Führung, die anderen Hierarchien, die sich herausbilden und eine notwendige höhere Toleranz Fehlern gegenüber.

Die größte Herausforderung für mich persönlich ist aktuell der Umgang mit meinen -für andere noch unscharfen- Visionen von Produkt und Organisation. Aber eigentlich entsteht der meiste Stress aus meinen mehreren Hüten, die ich mir selbst aufsetze. Also ich bin immer noch der alte Geschäftsführer, immer auch noch der alte Projektleiter und immer noch der alte Vertriebler für mtc. In diese Rollen schlüpfe ich immer wieder und übernehme Aufgaben und habe bestimmte Verantwortung und auch Macht.

Vor allem in den letzten 6 Monaten hat sich das überschnitten mit meiner Rolle als Product Owner, also als der Verantwortliche für das Backlog/für die Vision. Am liebsten würde ich heute, alle Rollen bis auf den des Product Owners auf- oder abgeben. Ich merke aber, wie ich das nicht schaffe und immer wieder an unsere Finanzierung, also an die Auslastung und an die Bestandskunden denke.

Es fühlt sich eben so an, als ob ich mich mit diesem Denken selbst behindere. Daher kommt auch das Gefühl, zu ahnen, was jetzt dran ist. Nur die zur Umsetzung notwendigen Entscheidungen verzögere ich oder verändere sie so, dass der Status Quo erhalten bleiben kann. Wenn auch mit anderem Anstrich, anderer Benennung, aber eben doch der Status Quo, immer noch das, was gestern gut war, das was sicher und bereits bekannt ist.

Trotzdem, es bewegt sich jede Woche etwas und vor allem: ich bin wohl einfach ehrlicher mit mir selbst und siehe da, gleich macht mir die Arbeit viel mehr Spass!

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Ich halt Euch auf dem Laufenden, wie das weiter geht… versprochen!

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Vier Bilder meines Morgens…

Istanbul, 7:38, Tag 511

Schon wieder ein Vortrag heute Nacht, ich sollte um 9 anfangen, hatte meine Slides noch nicht fertig, arbeitete aber hektisch an einer Grafik, ich liess mich ablenken, quatschte rum, es wurde halb 11 und ich war immer noch nicht dran und wachte auf…

So, es ist schon wieder passiert. Jetzt ist es hier um 2 und ich hab immer noch nicht getagebuchmeditiert. Dafür wieder viel gedacht, gelesen, gemacht und geschrieben. Und ein paar wenige Bilder habe ich auch noch gemacht. Sitze mal wieder im TheHouseCafe hier in Ortaköy, ganz nett, heute etwas lauter. Hier wird zusätzlich auch grad umgebaut.

Heute fang ich wirklich kein neues Thema mehr an, sondern wünsch Euch einfach nur einen grandiosen Tag voller Ehrlichkeit und Mut!

Der Sonnenaufgang in Gayrettepe hinter Wolken...

Der Sonnenaufgang in Gayrettepe hinter Wolken…

Begrüßung durch den Bosphorus...

Begrüßung durch den Bosphorus…

TheHouseCafe ist einfach ein schöner Platz...

TheHouseCafe ist einfach ein schöner Platz…

...zum Kaffee trinken und arbeiten!

…zum Kaffee trinken und arbeiten!

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Über Mitgefühl…

Istanbul, 7:44, Tag 510

Heute wieder sehr spät, aber mein Traum ist noch fast präsent. Es war eine Vorführung oder besser eine Show in einem Raum mit zwei älteren Bekannten aus Berlin als Zuschauer. Die Details der Show möchte ich zensieren. Aber es war mir sehr peinlich, dass die beiden dabei waren. Sie machten dazu noch sinnfreie Kommentare, die alle Anwesenden nur provozieren sollten, wie ich dem verschmitzen Lächeln der Beiden entnahm. Ich wachte wieder sehr zeitig auf und habe das langsame, frühe Aufstehen geniessen können…

Mir fehlt wieder mal meine gewohnte Morgenroutine. Dabei mach ich nach dem Aufstehen, der Morgenmeditation und etwas News lesen die Kleene fertig und bring sie zum Bus. Dann habe ich schon Lust, zu arbeiten und leider grad keine Lust mehr auf meine Schreibmeditation. Aber dann hab ich doch keine Lust, hier die Reihe heute am 510. Tag unterbrechen zu lassen. Und deshalb gibt es heute wieder erst etwas später etwas zu lesen von mir.

OPD macht Riesenfortschritte. Wir sind drei Wochen vor unserem selbstgesteckten Launchtermin und müssen so langsam aber sicher den Sack zu machen. Eine entscheidende Funktionalität: das Teilen von Ordnern zwischen den OPD Usern sollte eigentlich schon in dieser Woche live gehen, es wird nach heutigem Stand nächste Woche werden.

Danach wird in den letzten beiden Wochen nur noch die bestehende Funktionalität verfeinert, perfektioniert und von Fehlern befreit oder die Fehler zumindest notiert. Die Lernkurve ist für mich enorm und die Motivation bei der Arbeit so hoch wie sehr lange nicht mehr.

Aber meine Geduld wird grade extrem gefordert. Ich sitze wie auf Kohlen und hoffe und wünsche, das mit irgend jemand sagt, was jetzt das Richtige ist, was ich jetzt selbst tun sollte oder was ich noch tun könnte, um das maximale, optimale Ergebnis abzuliefern.

Alle meine alten Gewohnheiten und Glaubenssätze springen jetzt wieder an. Als ob es eher darum geht, diese jetzt zu überwinden. Das Projekt ist so oder so ein Erfolg, ob ich ihn mir und uns nun gönne oder auch nicht.

Es fällt mir manchmal sehr schwer, meine eigene Leistung als ausreichend zu empfinden. Ich bin hinterher immer schlauer und weiss genau, welche Fehler ich selbst und im Team gemacht habe, was besser zu machen wäre. Ob das dann auch klappt, steht ja auf einem ganz anderen Blatt, aber diese Gedanken reichen, um mir und der Sache vielleicht auch dem Team Energie zu entziehen.

 

Fällt mir da grade wieder ein. Ein Tweet, den ich heute morgen gelesen habe und der das Phänomen beschreibt: ohne Arbeit, kein Erfolg. Bei mir heisst das immer: ohne Leiden, kein Erfolg.

Und ich lese grade Wrecked: When a Broken World Slams into your Comfortable Life. Jeff beschreibt dort eigentlich etwas anders, aber es geht mir um die Erfahrung, dass man ohne Mitgefühl, mit zu fühlen und eigentlich auch ohne Mitleid, im Sinne von echtem mit leiden keine wirkliche Lösung für die Probleme der Welt finden kann.

Und ich gehe soweit zu sagen, dass dies nicht nur für die Wohltätigkeits/Entwicklungshilfe Branche gilt. Nein, auch wir müssen mit den Problemen unserer Nutzer mit leiden, wenn wir wirklich eine Lösung schaffen wollen.

Ja, wir müssen uns selbst zerstören können, um wirklich frei zu handeln oder zu sein. Das meint Jeff eigentlich in seinem Buch mit seinem Ausdruck von beeing wrecked.

Und ich glaube weiter, dass wir nichts wirklich von Dauer oder nicht wirklich von Wert in dieser Welt schaffen können, wenn wir dabei in unseren Komfortzonen bleiben und nicht mit leiden können, mit anderen Menschen.

Die Lösung liegt für mich in der vollen Akzeptanz dieser Tatsache und nicht im weiteren Verleugnen oder im Ausweichen. Ich trau mich dabei aber noch nicht ganz, meine eigene Komfortzone voll zu verlassen. Ich stehe immer kurz davor. Ich glaube, alle in meinem Umfeld spüren das manchmal und werden dann unruhig. Es ist eine ungewohnte Kraft und Konsequenz, deren Wachsen ich spüre, verbunden mit einer Art Vorfreude auf das kommende Leid und das nur dadurch gleichzeitig mögliche Glück.

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Die kleinen Abzockereien…

Istanbul, 7:40, Tag 509

Heute Nacht habe ich einen Vortrag vor einer kleine Gruppe gehalten. In meiner Einleitung hatte ich zwei bestechende Argumente. Einmal: zu glauben, zu wissen was neu ist, es gut zu meinen und trotzdem alles weiter so wie früher zu machen und dann zweitens: den neuen Prozess schon zu kennen, aber die Werkzeuge nicht zu beherrschen und sie deshalb so einzusetzen, wie im alten Prozess. Dazu hatte ich wieder ein Bild von Betonzäunen in Holzoptik vor Augen. Ich habe unruhig geschlafen, lange im Halbschlaf gelegen und noch viel mehr geträumt…

Am liebsten würde ich ein wenig meckern heute, ach – ich mach das einfach.

Über den Busfahrer hatte ich schon am Samstag etwas geschrieben. Es ging noch weiter. Ich verallgemeinere ja gerne und würde am liebsten: hier in der Türkei oder die Türken sind… schreiben. Ich versuch mal, das nicht zu tun. Aber zwei Sachen waren etwas unglücklich und ich halte sie für typisch. Wenn man hier lebt, begegnet einem das immer und immer wieder und lustiger weise regen sich alle drüber auf, aber lassen es sich immer wieder auch gefallen. Worum geht es?

Die Skischule, die vom Reisebüro für die 17 Kinder unserer Reisegruppe gebucht worden war, hat sich Mühe gegeben und auch gelohnt. Am Samstag Abend wurden den Kindern sogar Urkunden über die erfolgreiche Teilnahme überreicht. Danach wollte der Reiseleiter, Geld für den Skipass der Kleinen einsammeln. Volle 75TL etwa 35€, den vollen Preis für ein Wochenendticket. Die Kinder sind bis dahin zwei mal mit dem Lift gefahren und da die Skilehrer die Skiliftbetreiber kennen, brauchte niemand der Kinder einen Skipass irgendwo durchziehen, sie konnten auch nie allein hochfahren, sondern immer nur in Begleitung eines Erwachsenen.

Zufällig belauschten wir die Unterhaltung von Reiseleiter und Skischulleiter. Der Reiseleiter fragte, wie er das den Eltern erklären sollte, dass die Kinder den vollen Preis zu zahlen hätten, der Skilehrer sagte nur flapsig, dass die Eltern das einfach machen müssen, Erklärungen brauche es nicht. Somit sind knapp 600€ zusätzlich in den Taschen der Skilehrer gelandet. Aber vor allem, als ich die Skilehrer zusammen in der Lobby lachend mit Bier anstossen sah, wurde ich kurz sehr sauer! Jeder der Eltern wusste, dass die Kinder keinen Skipass brauchten und dass die Skilehrer auch keinen Skipass gekauft haben und trotzdem haben alle mit Schultern gezuckt und bezahlt. Es sei halt so…

Und das zweite Beispiel: auf der Rückfahrt haben wir nach etwa einer Stunde Fahrt in Bursa fürs Mittagessen gehalten. Sehr leckerer Iskender Kebap, wirklich lohnenswert und in Bursa besonders schmackhaft. Das ist so ähnlich wie mit Wein im Urlaub, wenn man die später zu Hause trinkt, schmecken die meist nicht mehr ganz so gut, wie man es vom Urlaub in Erinnerung hatte. Und wenn ich in Istanbul Iskender Kebap bestelle, schmeckt der nicht halb so gut, wie der in Bursa, wo er angeblich erfunden worden ist. Aber darum geht es ja gar nicht.

Spannend war, dass wir nach ausgiebigen 90min Mittagspause weiter gefahren sind. Der nächste Streckenabschnitt sind etwa 2 Stunden bis zur Fähre, bei der man aussteigen, zur Toilette gehen und etwas essen kann, da die Überfahrt mehr als eine halbe Stunde dauert und das Warten auf die Fähre auch etwa 10-20 Minuten.

Der Bus fuhr aber nicht etwa die Strecke durch, sondern hielt nach noch nicht mal 40 Minuten wieder an. Ich dachte erst, einem der Kinder ist schlecht oder irgend etwas sei mit dem Bus passiert. Aber wir hielten an einer Raststätte für eine weitere Pause von 25min. Der Bus wurde gewaschen und wir sollten uns die Beine vertreten. Es war eindeutig, dass die Reiseleitung irgend einen Deal mit der Raststätte hatte und halten musste, normalerweise wird wohl kein Iskender in Bursa gegessen. Begründet wurde das damit, dass wir bald Stau zu erwarten hätten. Später, als es gar keinen Stau gab, regte sich natürlich niemand auf, so ist das eben. Insgesamt waren wir durch die drei Pausen auf der Strecke statt 4 Stunden, wie auf dem Hinweg erst nach 7 Stunden wieder zu Hause. Uffjah!

OK! Sorry fürs Langweilen, aber das musste jetzt raus hier. Solche kleinen Veräppeleien und Abzocken finden sicher nicht nur hier in der Türkei statt. Ich weiss, auch bei uns gibt es Butterfahrten. Vielleicht liegt das daran, dass ich nur die Hälfte verstehe von dem ganzen Lamentieren und Erklären. Vielleicht auch daran, dass ich den Leuten gegenüber keine Bemerkungen mache oder machen kann und mich so mehr ausgeliefert fühle, als in Deutschland…

So, nun aber startet erst mal die neue Woche!

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Wünsch Euch einen phantastischen Start!

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Sonntagspausenpost…

Uludağ, 8:08, Tag 508

Heute Nacht durfte ich eine rede halten, bei jedem Abschnitt wurde eine Pause gemacht und der Inhalt von den Zuhörern diskutiert, ich durfte nicht mit reden, musste mir das aber anhören. Es war unangenehm. Dann wurde ich in eine Gruppe von ganz coolen Menschen aufgenommen, die alle was ganz besonderes hatten. Ich fragte mich, was wohl das besondere an mir sei und wachte auf…

Heute gibt es nur einen Pausenpost bevor es nochmal zwei Stunden auf die Piste geht. Heute haben sich die Wolken verzogen und die Sonne scheint.

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Wünsch Euch vorfreudig lächelnd einen schönen Sonntag!

PS: auch lustig, das Hotel WLAN lässt mich hier auf wordpress.com neue Posts schreiben, aber wenn ich die Kommentare bearbeiten möchte, wird mir eine Stop Seite gezeigt. Ach, Zensur ist so wunderbar, so unfehlbar und immer angemessen. Und dadurch, dass man sich immer beobachtet fühlt, steigt meine Sicherheit. Ich fühle mich wie ein Kind, immer wissend, das die Eltern ein wachsames Auge darauf haben, was ich mir hier so anschaue.

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Ein paar Bilder vom Kurzausflug nach Uludağ

Uludağ, 15:47, Tag 507

So spät war ich noch nie, heute gibt es eine nachmittagliche Schreibmeditation, im engen Hotelzimmer und beim zeitigen gemeinsamen Aufstehen, Frühstücken und gleich raus auf die Piste bis eben, konnte ich mir eher keine Zeit nehmen.

Aber Dank des Aktes des Aufschreibens von Stichworten zu den Erinnerungen an meine Träume gleich heute morgen, habe ich noch Zugriff auf eine einzelne Szene. Ich habe drei Strassenbahnen knapp wegfahren lassen, dann eine vierte genommen, die nach Lichtenrade fahren sollte. Ich dachte, das liegt auf meiner Strecke aber die Bahn bog in vorher nicht sichtbare Gleise in die genau falsche Richtung ab und fuhr ewig bis zur nächsten Haltestelle. Ich kam definitiv zu spät zu meinem Termin. Der Rest der Stichworte: dunkles Geheimnis, Tür öffnen, Eckhart, Schlüssel, Zahnbürste, Bus fahren führt in Nichts.

Hier in Uludağ knapp 200km südlich von Istanbul auf 2.000m Höhe gibts ein schönes kleines Skigebiet. Die Schule von Aleynas bester Freundin hat hier ein Wochenende organisiert, bei dem wir uns anschliessen konnte. Die Kleinen kriegen Skiunterricht immer in 2h Blöcken, vormittags und nachmittags und wir Großen haben Freizeit. Die Hänge sind sanfte Hügel, aber ich war das letzte mal vor 8 Jahren Ski fahren und davor auch nur zweimal in Norwegen vor fast 15 Jahren. Aber irgendwie liegt mir die Bewegung und macht so sehr viel Spass.

Auf der Herfahrt gestern gab es ein kleines Drama. Der Busfahrer dachte, er schafft es ohne Ketten hier her zu kommen. Hätte er vielleicht auch, hätte nicht ein LKW vor einer Kurve am Rand gestanden und so die Ideallinie blockiert: somit war die Kurve zu eng und zu steil und wir sind tatsächlich mit dem vollbesetzten, grossen O404 so circa 10m langsam, rückwärts gerutscht. Das war echt gefährlich, aber zum Glück stand der LKW genau so am Rand, dass uns gar nichts passieren konnte. Wir blockierten alles für 20min in denen die Helfer dann doch Ketten aufzogen und wir die letzten paar Meter  locker schafften.

Sorry, aber das war reine Selbstüberschätzung des schon etwas älteren Busfahrers. Aber so was darf einfach nicht passieren, wir waren etwa 30 Erwachsene und 20 Kinder an Board, da würde ich kein Risiko eingehen. Mich hat es aber an meine eigene Busfahrerzeit erinnert und meine Anfängerfehler, die ich zum Glück (fast) alle während der langen Ausbildung gemacht habe.

So, nun lade ich Euch noch eine Galerie hoch:

 

Und jetzt gibt’s Nachmittagstee… wünsch Euch noch ein tolles Wochenende!

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Freitagspausenpost…

Istanbul, 5:52, Tag 506

Heute Nacht habe ich wild geträumt es aber beim Duschen vergessen. Gleich geht die Fahrt los, ich meld mich nur ganz kurz hier mit ein paar Bildern von gestern und wünsch Euch einen tollen Tag.

Hab gestern einen Spaziergang am Bosphorus machen müssen. Hier haben sich die Fischer auf einem Boot erholt und die Flügel getrocknet.

An einem kleinen Anlegestelle für Fischerboote wurde der Fang oder der Tag oder irgend etwas besprochen.

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Ich hab es geahnt, die deutschen Drogerieketten werden auch versuchen, Istanbul zu erobern, es geht los mit Rossmann in Ortaköy:

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Ein Tee im Bebek Kahve mit Blick auf zwei Fischer, die grade ihr Netz zusammen gelegt haben.

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