Putzig, aber nicht eigenartig…

Heute Nacht erinnere ich mich nicht wirklich an meine Träume, war zeitig wach und hab das rumliegen sehr genossen…

Gestern erfuhr ich, dass mein Ur-Ur-Grossvater die Strasse immer im Frack kehrte und dazu sagte: „Sehe ich nicht aus wie ein Lord?“. Er war in ganz Niemegk und Bitterfeld als der Lord bekannt. Mit Sonnenbrille und einer komischen Schirmmütze, die mit Teer versteift war. Putzig sei er nicht gewesen, aber eigenartig. Und ihn kannte jeder…

 

Und ich erfuhr weiter, dass die Russen voll motorisiert mit Panje Wagen (Pferdewagen) in Niemegk einmarschierten und mit ihnen eine Herde requirierte Kühe, die im Rittergut untergestellt wurde und die später der Russe Josef verwaltete, der bei einer lustigen Tante meines Opas einquartiert wurde. Zur Hochzeit meiner Grosseltern am 1. Dezember 1945, sorgte Josef dafür, dass es eine riesige Eisbombe gab, weil er dem Eismann in Bitterfeld extra dafür Milch und Sahne geliefert hatte.

 

Ich hab einfach das iPhone mitlaufen lassen, als ich sie gestern besuchte. Denn ich liebe solche Geschichten. Schon als Kind habe ich meine Grosseltern ausgefragt. Vor allem an Opa Walter und seine Kriegsgeschichten aus Polen, der Tschechei, Frankreich, Italien und dann Ägypten erinnere ich mich noch sehr gut, leider gibt es davon keine Aufnahmen.

Ich hab das grosse Glück, dass ich noch drei meiner leiblichen Grosseltern habe, alle in ihren 80igern aber noch superfit.

Und auch bei meiner Oma war ich gestern und habe sie ausgefragt. Sie erzählte mir, wie sie meinen Opa kennen lernte. Und noch viele, spannende Details aus ihrem langen Leben in Zörbig. Es waren viele Dinge dabei, die ich anders in Erinnerung hatte, die mir früher auch anders erzählt worden sind.

 

Oder hier, wie sie stolz auf ihren Vater, meinen Urgrossvater Alfred Hensel ist, der hochherrschaftlicher Diener bei einem Baron von Krosigk in Leipzig war.

 

Diese kleinen Geschichten und Erzählungen wie diese, mit ihren vielen Details und der Stimmung, die sie transportieren, geben mir ein extrem gutes Gefühl, schliessen mein Herz auf, fühlen sich obwohl ich sie das erste Mal gehört habe, sehr vertraut an.

Ich fühle mich sehr verbunden mit diesen Geschichten, sie geben meiner Herkunft eine Form. Ich spüre regelrecht, wie manche Ereignisse im Leben meiner Grosseltern heute noch präsent sind, wie sie das Leben meiner Eltern und auch mein Leben beeinflusst haben. Hätte mein Opa Gerald keine Schlaghosen, keine Matrosenuniform angehabt, damals nach’m Krieg auf dem Tanz in Göttnitz, hätte er den Korb nicht ignoriert, den ihm meine Oma gab, dann gäbe es mich heute gar nicht…

Aber genau solche Zusammenhänge werden mir bewusst und klar, wenn ich den Geschichten zu höre. Mir wird klar, wie reich unsere Vergangenheit an solch fast verlorenen Geschichten ist.

Schreibt ihr auch solche Geschichten auf für Euch? Fragt Ihr Eure Eltern und Grosseltern aus nach den Geschichten aus ihrer Vergangenheit? Wie fühlt Ihr Euch dabei?

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