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Über Mitgefühl…

Istanbul, 7:44, Tag 510

Heute wieder sehr spät, aber mein Traum ist noch fast präsent. Es war eine Vorführung oder besser eine Show in einem Raum mit zwei älteren Bekannten aus Berlin als Zuschauer. Die Details der Show möchte ich zensieren. Aber es war mir sehr peinlich, dass die beiden dabei waren. Sie machten dazu noch sinnfreie Kommentare, die alle Anwesenden nur provozieren sollten, wie ich dem verschmitzen Lächeln der Beiden entnahm. Ich wachte wieder sehr zeitig auf und habe das langsame, frühe Aufstehen geniessen können…

Mir fehlt wieder mal meine gewohnte Morgenroutine. Dabei mach ich nach dem Aufstehen, der Morgenmeditation und etwas News lesen die Kleene fertig und bring sie zum Bus. Dann habe ich schon Lust, zu arbeiten und leider grad keine Lust mehr auf meine Schreibmeditation. Aber dann hab ich doch keine Lust, hier die Reihe heute am 510. Tag unterbrechen zu lassen. Und deshalb gibt es heute wieder erst etwas später etwas zu lesen von mir.

OPD macht Riesenfortschritte. Wir sind drei Wochen vor unserem selbstgesteckten Launchtermin und müssen so langsam aber sicher den Sack zu machen. Eine entscheidende Funktionalität: das Teilen von Ordnern zwischen den OPD Usern sollte eigentlich schon in dieser Woche live gehen, es wird nach heutigem Stand nächste Woche werden.

Danach wird in den letzten beiden Wochen nur noch die bestehende Funktionalität verfeinert, perfektioniert und von Fehlern befreit oder die Fehler zumindest notiert. Die Lernkurve ist für mich enorm und die Motivation bei der Arbeit so hoch wie sehr lange nicht mehr.

Aber meine Geduld wird grade extrem gefordert. Ich sitze wie auf Kohlen und hoffe und wünsche, das mit irgend jemand sagt, was jetzt das Richtige ist, was ich jetzt selbst tun sollte oder was ich noch tun könnte, um das maximale, optimale Ergebnis abzuliefern.

Alle meine alten Gewohnheiten und Glaubenssätze springen jetzt wieder an. Als ob es eher darum geht, diese jetzt zu überwinden. Das Projekt ist so oder so ein Erfolg, ob ich ihn mir und uns nun gönne oder auch nicht.

Es fällt mir manchmal sehr schwer, meine eigene Leistung als ausreichend zu empfinden. Ich bin hinterher immer schlauer und weiss genau, welche Fehler ich selbst und im Team gemacht habe, was besser zu machen wäre. Ob das dann auch klappt, steht ja auf einem ganz anderen Blatt, aber diese Gedanken reichen, um mir und der Sache vielleicht auch dem Team Energie zu entziehen.

 

Fällt mir da grade wieder ein. Ein Tweet, den ich heute morgen gelesen habe und der das Phänomen beschreibt: ohne Arbeit, kein Erfolg. Bei mir heisst das immer: ohne Leiden, kein Erfolg.

Und ich lese grade Wrecked: When a Broken World Slams into your Comfortable Life. Jeff beschreibt dort eigentlich etwas anders, aber es geht mir um die Erfahrung, dass man ohne Mitgefühl, mit zu fühlen und eigentlich auch ohne Mitleid, im Sinne von echtem mit leiden keine wirkliche Lösung für die Probleme der Welt finden kann.

Und ich gehe soweit zu sagen, dass dies nicht nur für die Wohltätigkeits/Entwicklungshilfe Branche gilt. Nein, auch wir müssen mit den Problemen unserer Nutzer mit leiden, wenn wir wirklich eine Lösung schaffen wollen.

Ja, wir müssen uns selbst zerstören können, um wirklich frei zu handeln oder zu sein. Das meint Jeff eigentlich in seinem Buch mit seinem Ausdruck von beeing wrecked.

Und ich glaube weiter, dass wir nichts wirklich von Dauer oder nicht wirklich von Wert in dieser Welt schaffen können, wenn wir dabei in unseren Komfortzonen bleiben und nicht mit leiden können, mit anderen Menschen.

Die Lösung liegt für mich in der vollen Akzeptanz dieser Tatsache und nicht im weiteren Verleugnen oder im Ausweichen. Ich trau mich dabei aber noch nicht ganz, meine eigene Komfortzone voll zu verlassen. Ich stehe immer kurz davor. Ich glaube, alle in meinem Umfeld spüren das manchmal und werden dann unruhig. Es ist eine ungewohnte Kraft und Konsequenz, deren Wachsen ich spüre, verbunden mit einer Art Vorfreude auf das kommende Leid und das nur dadurch gleichzeitig mögliche Glück.

2013-02-26 07.45.51-2

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