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Archiv für

Ostersonntagspausenpost…

Istanbul, 6:33 CET, 542

Heute Nacht habe ich gearbeitet im Traum, viel und intensiv im Büro in vielen Szenen. Und das an einem Sonntag, an Ostersonntag. Deshalb mach ich heute hier Pause…

Wünsch Euch Frohe Ostern!

 

Bilder meines 5h Spaziergangs durch Istanbul…

Istanbul, 6:10 CET, Tag 541

Heute Nacht habe ich Strati in einer Ferienwohnung wieder getroffen, Touristen auf dem Grandbazaar verfolgt, bei einem Gruppenbild ganz hinten gestanden, einer Frau geholfen zu vergessen und ausgeschlafen.

Gestern bin ich in 5:18min 27.784 Schritte und 22.2km weit durch Istanbul gelaufen, sagt Moves. Erstens wollte ich meinen Rekord bei Moves und Fitbit meinen beiden aktuellen Quantified Self Apps hochschrauben. Fitbit war, wie immer, ein klein wenig großzügiger beim Messen meiner Bewegungen.

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Und zweitens wollte ich das Spiel Ingress besser verstehen, welches ein Android Smartphone, Google Maps und tatsächliche Bewegung miteinander verbindet. Um im Spiel vorwärts zu kommen, muss man sich durch die reale Welt bewegen und sogenannte Portale finden, die man dann hacken kann, um Punkte zu sammeln. Istanbul ist fest in der Hand der anderen Fraktion, die bereits jede Menge Portale angelegt haben.

Screen Shot 2013-03-30 at 7.59.33 AM

Hier gibt es für Euch nun einen netten Nebeneffekt, dieser neuen Art Comupterspiele. Die Photos von meinem 5h Spaziergang…

…viel Spass und einen wunderbaren Ostersamstag wünsch ich Euch.

Sonnenaufgang in Gayrettepe und die Tulpen Istanbuls…

Istanbul, 6:46 CET, Tag 540

Heute Nacht ging die Titanic noch einmal unter. Ich wurde von Überlebenden gejagt. Als sie mich mitten in der Nacht aufgeweckt hatten, meditierte ich mich wieder zurück in meinen Schlaf…

Heute gibt es nur ein paar Bilder, erst drei vom Sonnenaufgang heute morgen und dann…

Gayrettepe, Karfreitag 2013

Gayrettepe, Karfreitag 2013

Gayrettepe, Karfreitag 2013

Gayrettepe, Karfreitag 2013

Gayrettepe, Karfreitag 2013

Gayrettepe, Karfreitag 2013

 

…und dann zwei Frühlingsbilder zum Karfreitag. Ganz Istanbul ist voller Tulpen. Seit ein paar Jahren wird das Lale Festival benutzt, um die Strassen bunt werden zu lassen im April. Schöne, gelungene Idee der Stadtmarketing Leute Istanbuls.

Lale sind Tulpen

Lale sind Tulpen

Noch mehr Lale

Noch mehr Lale

 

Wenn ich mich schäme…

Istanbul, 5:26 CET, Tag 539

Heute schäme ich mich für meinen Traum. So etwas darf ich einfach nicht träumen, ungehörig, falsch, gemein, ein wenig aufregend, etwas spannend, aber eben vor allem moralisch nicht in Ordnung.

Letzten Freitag sind wir zu viert mit in einander verknoteten Händen auf der Brust, extrem langsamen Schrittes, bei minus 10 Grad durch das Ferienhausdorf geh meditiert. 50min brauchten wir für eine Runde, für die man normal keine 10min brauchen würde.

Erst quiekten und lachten und tuschelten die beiden Kinder im Nachbarhaus hinter uns her: was machen die da? guck mal. gnhihiii.. Dann streiften uns die professionell desinteressiert starrenden Blicke der Servicekräfte, die von einem Haus zum nächsten auf ihre Golfkarts rollten. Dann ignorierten uns mit verwunderten Blicken bestimmt fünf Pärchen, die Händchen haltend zum Restaurant oder Spa liefen. Offen starrten uns die Fahrer und Beifahrerinnen der bestimmt sieben Autos an, die sich an uns vorbei drückten.

Ich musste jedes mal unwillkürlich lächeln. Ich schaute sie an, grüßte sogar leicht entwaffnend. Nein, wir machen nichts böses, wir sind nur voll schräg drauf. Wir laufen hier nur super extrem langsam, tief in uns versunken durch einen öffentlichen Raum. Mann, war mir das peinlich. Eine Frau versteckte ihr prustendes Lachen über unser komischlangsamen Gang sogar hinter ihrem Mann, als sie uns entgegenliefen.

Mich hat das an früher erinnert. Meinen ersten Liebeskummer. Wie peinlich das war, offensichtlich nicht mehr gemocht zu werden. Und das, nach dem man sich geküsst hatte! Sie wusste doch, wie ich mich angestellt habe und erzählt das jetzt bestimmt all ihren Freundinnen. Warum mag sie mich nicht mehr?

Oder als ich lernen sollte, komische Verrenkungen an der Reckstange zu machen. Keine Zeit allein zu üben, immer standen alle drum herum, der Lehrer erklärte. Einer von uns 20 konnte es natürlich auf Anhieb. Fünf wurden gar nicht erst gefragt und die 14 anderen machten sich zum Affen.

Und mich hat das wieder an das Gefühl vor meinen Vorträgen erinnert. Diese komische Angst zu versagen. Dass mich keiner versteht, dass ich ausgelacht werde, dass ich abfällige Blicke ernte, ausgebuht werde, mir die Stimme versagt, mir nicht mehr einfällt, was ich eigentlich sagen wollte.

All diese Dinge sind bei mir, in unserer Gesellschaft mit Scham besetzt. Wir glauben im Boden zu versinken. Wir entblößen uns, unsere Seele, wir werden erkannt, wie wir wirklich sind und dafür schämen wir uns (manchmal). Wir bedecken unsere Scham, kichern über FKK, wenn wir etwas dummes sagen, uns falsch anziehen, over oder underdressed sind, wenn wir verlieren, uns dumm anstellen, dann kommt so etwas wie Scham auf. Ein für mich schwer zu fassender Begriff, der mich zum Lächeln bringt.

Soll ich mit Fremdschämen weitermachen? Ihr kennt das vielleicht, wenn der Partner sich betrunken hat und rummlallt oder nicht mehr gehen kann, schämt ihr Euch dann? Wenn Euer Kind etwas nicht so gut kann auf dem Spielplatz, in der Schule, ist das nicht auch mit Scham besetzt?

Wo kommt das her, warum sitzt das so tief? Wer hat uns das beigebracht, uns zu schämen, uns in die Ecke zu stellen, wenn wir etwas nicht gut genug gemacht haben, wenn wir nicht gut genug sind? Können wir das überhaupt überwinden?

Meine Frau kennt keine Scham. Sie ist in einer anderen Kultur aufgewachsen, in der Türkei. Dort gibt es keine Scham, dort gibt es Ehre. Wem hier passiert, von dem ich oben schreibe, der läuft Gefahr, seine Ehre zu verlieren, entehrt zu werden. Sie versteht meine Schamgefühle einfach nicht. Wenn ich möchte, dass wir uns draussen vor Leuten zu benehmen haben, sagt sie mir: warum denn? Aber wenn ich anderen Frauen gestatte, mit mir zu flirten… holadiho! Selbst wenn ich mich zu neugierig umschaue, Interesse zeige, manchmal sogar, wenn ich mich bedanke, ist ihr Ruf, ihre Ehre in Gefahr. So benimmt sich kein Türke, Arne! Hast Du keine Ehre? Nein, die hab ich wirklich nicht. Zumindest nicht so viel, wie Scham.

Als wir letztes Jahr bei meiner Trainerausbildung über Lampenfieber sprachen, hatte unser Trainer Frank einen seltsamen Vorschlag: wer sich schämt auf der Bühne zu stehen, wer Versagensängste hat, sollte sich einfach komplett nackt ausziehen und vorne auf den Stuhl setzen. Die anderen würden instruiert sein, ihre abschätzenden Blicke über den gesamten Körper wandern zu lassen. Ganz langsam, von oben über die Mitte nach unten. Huuuuuuihhhh! Die Holzhammer Methode. Wer das überstanden hat, der verliere jegliche Scham, so seine These. Zum Glück für mich blieb er bei theoretischen Ausführungen.

Ich hab früher -im Rausche- Dinge getan, für dich ich mich nüchtern mehr als schämen würde. Ich verdrängte sie am liebsten mit dem nächsten Schlucke. Aber auch daran erinnerte ich mich, als uns Frank seine Holzhammer Methode gegen Lampenfieber vorstellte. Aber trotzdem wurde ich ruhiger. Stimmt, wer sich einmal bis auf die Knochen blamiert hat, dem fällt es später leichter. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. sagt der Volksmund wohl dazu.

Als ich letzten November meinen ersten wirklichen Blackout vor 40 Managern bei einem Vortrag hatte und mir die Hitze ins Gesicht stieg, mir der Atem stockte, ich stammelte und ich mich dann letztlich aufgab. Als ich mir eingestanden habe jetzt endlich, wirklich versagt zu haben, erkannt worden zu sein, als das was ich wirklich bin…

… in genau dem Moment nach diesem inneren Eingeständnis konnte ich weiter sprechen und meinen Vortrag beenden. In genau diesem Moment der größten Scham, bin ich ganz nah dran an mir. Dann bin ich offen, real und wirklich am Leben, danach befreit, erleichtert und beflügelt, fast euphorisch. Auch dieser Teil in mir, der da zutage kam, der ist nicht hässlich, der ist nicht klein. Der gehört dazu, der macht mich aus! Ohne diesen Teil, hätte ich keine Seele. Ohne diesen Teil, könnte man mich nicht lieben. Ohne diesen Teil, könnte ich mich nicht lieben. Jeder, bis auf Türken, haben das! 😉

Kurz vor dem Ende unserer Gehmeditation schwebte eine gelbe Mülltüte vom Hafen über die verschneite Wiese auf mich zu. Ich folgte ihr achtsam mit meinen Blicken. Ein Windzug trieb sie direkt auf mich zu. Ich konnte nach ihr greifen, so nah war sie. Sie blieb an der Birke neben uns hängen, flatterte im Wind. Als ich langsam auf sie zusteuerte, um sie in den Müll mit zu nehmen, frischte es wieder auf. Die nächste Böe liess sie hochsteigen in die Sonne und hinter den Häusern verschwinden.

Mit ihr verschwand meine Scham vor meinem Versagen. Das stellte ich mir vor. Und ich lächelte ganz anders, befreit und glücklich. Lasst uns unsere Schwächen, unsere Lücken, unsere Fehlern und unser Versagen, die dunkle Vergangenheit, den wunden Punkt akzeptieren. Lasst uns nicht in Scham versinken, wenn wir erkannt werden. Im Gegenzug erhalten wir das schönste Geschenk, was uns das Leben machen kann… probiert es aus!

 

Ich bin süchtig, also lebe ich…

Istanbul, 6:29 CET, Tag 538

Heute Nacht habe ich mit Bradley Manning zusammen versucht, die Öffentlichkeit über Mißstände bei der Army aufzuklären. Als er versuchte seinen Vorgesetzten zu küssen, um ihn davon abzulenken, rutschte mir das Herz in die Hose. Aber der Offizier liess es geschehen. Alles klar, wir hatten einen Verbündeten gewonnen. Ich wachte auf, ohne dass ich erfuhr, was mit unserem rausgeschmuggelten Kassiber passiert wäre…

Ich bin ein zur Sucht neigender Mensch. Früher war Sucht gleich Krankheit. Und alles, was ich heute tue, hat auch immer auch einen Anflug von Abhängigkeit und Missbrauch, der modernen Definition von Sucht.

Ich versuche immer an meine Grenzen zu gehen und darüber hinaus. Und ich versuche, die Grenzen von Themen und Dingen zu erforschen und noch weiter. Ich versuche all-in zu gehen und nicht zu viel huschhusch, nebenbei und auch das noch zu machen. Ich möchte spüren, wie es ist ganz und gar zu leben. Und ich möchte meinen Körper dabei spüren, wie fühlt es sich an, am Leben zu sein? Wo ist das Gefühl? Was macht das Gefühl mit mir? Davon bin ich abhängig. Und von so viel mehr.

Ohne Luft, ohne Sonne und Licht, ohne Liebe und Anerkennung ohne zu essen und zu trinken kann ich nicht leben. Ich bin auch abhängig davon, gesund zu sein. Und ich meine körperlich, emotional und geistig gesund zu sein.

Ich brauche Menschen um mich, die mich respektieren, die sich für mich interessieren, wie der Säufer den Schluck. Ich brauche einen Ort zu Leben, an dem ich mich wohl fühle, wie der Junkie den Schuss. Ich brauche einen Sinn bei meiner Arbeit, einen Grund zu leben, genau wie der Raucher den nächsten Zug.

Es gibt aber auch Menschen, die davon abhängig sind, sich zu bewegen, immer schneller, immer weiter. Sie brauchen das Runnershigh, wie ich früher den Rotwein jeden Abend. Es gibt andere Menschen, die sind abhängig davon sich zu vergleichen, sich zu erheben über andere. So müssen besser sein, schneller sein, erfolgreicher, reicher, cooler sein oder auch einfach nur anders sein. Ohne den ständigen Vergleich zu ihren Gunsten, werden sie nervös, wie ich früher vor der nächsten Zigarette. Es gibt Menschen die tun alles, um ihre Macht zu behalten. Sie sind abhängig von ihrem Titel, ihrer Position, ihrem Einfluss, letztlich abhängig von ihrem Recht im Zweifel legal Gewalt ausüben zu dürfen. Sie müssen über anderer Menschen Zeit, Ort und Themen bestimmen dürfen, sonst verhungern sie, wie ich heute ohne zu essen. Es gibt andere Menschen die sind abhängig von Geld, sie müssen es besitzen, immer mehr und immer mehr. Sie wollen kaufen und konsumieren und der Welt zeigen, dass sie es zu etwas gebracht haben. Sie berauschen sich daran, wie ich früher bei einem Zug vom Joint.

Ich habe all das probiert. Ich kann es verstehen. Vieles ist verführerisch. Vieles ist möglich. Vieles ist positiv und manches aber nicht. Denn die Grenze zum Missbrauch ist schwammig. Ob von Stoffen oder von Verhalten ist immer eine Frage der Perspektive, eine Frage der Position. Ich kann mich nicht frei entscheiden, ob ich abhängig von Luft sein möchte oder nicht. Wenn ich leben will, muss ich Luft atmen und Mengen davon verbrauchen, die für kleine Katzen tödlich wären.

Wie wäre es wohl, wenn ich nicht süchtig wäre? Ich würde nicht existieren. Mich würde es nicht geben. Wir sind alle abhängig von etwas. Wir können nicht allein, autark, unabhängig leben. Wir sind eingebettet in ein Netz, in eine Welt von Abhängigkeiten, von Verbindungen und Bindungen, die uns letztlich erst erschaffen.

In der buddhistischen Psychologie gibt es eine Metapher vom giften Baum, mit der sich ganz gut illustrieren lässt, was ich hier mit Missbrauch meine. Wenn man in seiner Umgebung einen giftigen Baum entdeckt, dann ist die erste Reaktion meist, dass man ihm bekämpfen oder fällen möchte. Sie wie viele Menschen und Staaten auch, Süchte von Substanzen oder süchtiges Verhalten bekämpfen und vernichten möchten. Man fürchtet den Schaden, die Vergiftung und den Schmutz und will die Ursache, den Baum am liebsten aus der Welt entfernen.

Irgendwann merkt man vielleicht und hoffentlich, dass auch der giftige Baum einen Teil des Lebens darstellt und dazu gehört und man zäunt ihn ein, stellt Warnschilder auf und klärt auf, was passiert, wenn man von seinen Früchten nascht. Wir machen auch das zum Beispiel mit den Warnungen und Bildern auf Zigarettenschachteln. Die Sprache der Angst und des Kampfes wandelt sich. Es gibt mehr Verständnis und Respekt vor dem Leben.

Und vielleicht versteht man am Ende einmal, dass gerade Probleme und Gifte unsere besten Lehrer sind. Man sucht den vergiften Baum dann auf, um seine Früchte medizinisch zu nutzen. Man versucht damit aufzuklären und das Leiden zu heilen. Wir suchen die geheilten Süchtigen und lesen ihre Bücher, lassen uns berichten, was passiert ist, um daraus für uns zu lernen.

Irgendwann begreifen wir vielleicht, dass erst aus der Konfrontation mit unseren Abhängigkeiten, mit unseren Süchten und dem Missbrauch wirkliches Verstehen, also Einsicht und dann Unabhängigkeit möglich wird.

Wünsche Euch einen fantastischen Tag!

 

Arne, das ist kein Launch, das ist BESTENFALLS ein Mockup eines First Drafts einer Machbarkeitsstudie…

Istanbul, 7:03 CET, Tag 537

Heute Nacht ist ein aufgeblasener Airbus am Fluss gelandet. Er fiel zusammen wie eine Hüpfburg, deren Kompressor der Stecker gezogen wurde. Zum Vorschein kam ein Learjet, oder doch eine Cessna? Dann hat sich PJ mit JB besoffen, was für eine Enttäuschung. Ich wachte nach langen 8h Schlaf ganz gespannt auf…

Was ich hier schreibe, erzeugt Erwartungen. Was ich hier schreibe, sind ja auch meine Hoffnungen und meine Erwartungen. Meine Gedanken eben, geistige Gebilde, Phänomene. Hat alles nichts mit der Realität zu tun, das wisst ihr doch, oder? Warum wohl fange ich hier wohl immer mit meinen Träumen an?

Ich meditiere zu viel. Zen macht mich zu weich für die harte Realität des Projektgeschäftes. Ich sollte kämpfen und meinen Führungsanspruch durchsetzen, sagen wo es lang geht. Wer widerspricht, wird erschossen. Schliesslich bin ich doch der Chef, hafte ich mit meiner Kohle. Sollen wir etwa losen, wer den Porsche fahren darf? Wer mitspielen will, soll seine Kohle auf den Tisch legen und ansonsten die Klappe halten und machen, was ich sage. So ist die Welt eben eingerichtet. Heult doch!

Das, was mein Team und ich in den letzten Monaten geschafft haben, ist doch nix. Das entspricht ja so gar nicht den Vorstellungen, die mein Geschreibe hier in den Köpfen anderer erzeugt haben. Das war doch kein Launch. Bestenfalls der Mockup eines First Drafts einer Machbarkeitsstudie, ne Hausarbeit, höchstens ne Woche Arbeit für nen echten Profi, maximum. Und wer trägt die Verantwortung? Ich allein.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Wurde vom Grenzer erst mal nicht reingelassen, hab meine Metro Station verpasst, bin in den falschen von zwei Bussen eingestiegen. Und kam doch rechtzeitig zu Hause an. Weil ich ruhig geblieben bin, während ich meine Antworten in mein iPhone hämmerte.

  

Dann hab ich uns erst mal lekkeres gekocht. Mhhhh.

Das Schöne ist ja, es stimmt alles. Die letzte Version von opd hat ne Woche Arbeit gekostet. Wir haben allein im Februar zwei mal alles weg geschmissen und komplett neu gemacht, drei Wochen vor „dem Launch“. Weil wir es können!

Das schöne ist, es stimmt auch, dass es ein Draft ist, eine Beta Version, eine Machbarkeitsstudie, eine Hausarbeit, ein Mockup. Es ist alles, was ihr wollt. Für mich es es auch alles! Es ist mein Blick in die Zukunft. So könnte es werden. So sollte es werden. Es ist ein Anfang und ein Ende. Beides!

Das schöne ist, es ist auch All-in Cloud. Mobile First. Auch für den Desktop. Mit einem responsive Design für die verschiednen Bildschirmauflösungen. Offen. Eine Plattform. Anbieterunabhängig. App-Store-Unabhängig. Das Backend redet nur über eine später zu öffnende JSON API mit dem Frontend. Und so weiter und so fort. Tausend Vorstellungen. Tausend Anforderungen. Die Architektur und die Anwendung waren und sind so vielfältig, weil wir es so wollten.

Sicher, wir enttäuschen alle Erwartungen, die ich hier und auch in persönlichen Gesprächen oder Vorträgen erzeugt habe. Denn darum geht es mir doch überhaupt nicht. Wir haben unser Ding durchgezogen. Extrem viel gelernt. Vor allem ich. Das intensivste halbe Jahr meiner Karriere liegt hinter mir. Ich bin stolz und froh.

Und ich vergleiche nicht! Warum auch. Was wir gebaut haben, ist nicht zu vergleichen.

Wir haben das grossartigste Whatchamacallit hingestellt, was ich mir vorstellen kann. Ich lass mir das nicht kaputt machen. Von niemandem! Und schon gar nicht von der Konkurrenz! So, das musste mal gesagt werden.

Und jetzt telefoniere ich mit einem Venture Capital Guy! Einfach so. Ohne Ziel. Ich brauch ihn nicht. Denn Geldprobleme sind das letzte, was ich habe.

Träumt ihr auch manchmal von Hüpfburgen?

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Wünsch Euch einen ganz tollen Dienstag…

Warum mir auch Don Draper nicht helfen wird…

Noch Berlin, 7:53, Tag 536

Heute Nacht wurde Chris Noth als Investmentbanker gefeuert. Er war eine Mischung aus Roger Sterling und Mr. Big. Aus Mitleid bat ich ihn, einen Investor für mtc zu suchen. Er war unprofessionell zuversichtlich. Nachdem er ein paar Telefonate geführt hatte, sah ich in seinen Notizen ein „no interest“. Daraufhin wollte ich ihm zwei Bekannte vorstellen, damit er dem Dating Wahnsinn seiner Heimat entkommen kann. Ich wachte weit vor dem Wecker ausgeschlafen auf…

Meine Suche nach Abkürzungen ist erfolglos. Meine Ungeduld ist zu stark. Die Vorstellung, dass andere mir helfen, meine Probleme zu lösen ist doch völlig absurd. Sie ist die Ursache für viel Stress bei den Anderen und bei mir. Kein Bitten, kein Erklären, kein Flehen, kein Charme und auch kein Geld der Welt, schaffen das. Erst wenn ich meine Probleme mir mir selbst löse, dann kann ich in diesem Feld ohne Verwerfungen mit anderen zusammen arbeiten. Erst dann kann ich erfolgreich delegieren, führen, koordinieren. Ohne diese Einsicht, ohne dieses Verstehen ist dies nicht möglich. Die Probleme kommen einfach immer wieder zu mir zurück.

Wir reden, wir verständigen uns, ich erkläre, welches Problem ich habe und wie ich mir vorstelle, dass der andere es lösen sollte. Wir gehen auseinander. Manchmal merke ich es sofort, manchmal nach Tagen oder Wochen. Und manchmal holt mich das Problem auch erst nach Jahren wieder ein. Das Leben wirft es mir wieder vor die Füsse.

Ich probier es dann erneut, gebe es jemand Anderem. Versuche meine Suche zu perfektionieren. Es muss doch da draussen jemand geben, der dieses Problem schon einmal gelöst hat. Ich frage alle, die ich kenne, ob sie jemand kennen, der mir helfen kann bei meinem Problem. Und alle haben Ideen und Ratschläge. Viele kennen jemanden, der mir helfen könnte. Und manche möchten es probieren.

Alle scheitern, weil ich (noch) nicht so weit bin.

Die Welt ist so eingerichtet. Entweder versteht man oder man scheitert. Dabei sind wir perfekt darin, unser Scheitern zu verstecken und oft genug wird das eigene Scheitern, der eigene ständige Kampf mit sich und gegen sich, als Erfolg gefeiert. Er hat gewonnen. Er hat doch so viel erreicht, trotz allem.

Ich habe Geldprobleme. Ich würde gerne opd weiter mit voller Kraft entwickeln lassen, einfach weiter machen. Wir sind doch knapp davor, es wirklich zu knacken, nur noch weitere drei Monate und dann vielleicht noch mal drei und dann, haben wir es allen gezeigt. Ein Investor soll es lösen. Schmarrn!

Ich kann kein Marketing. Ich würde so gerne eine fette Kampagne für opd machen, richtig dick. Irgendjemand muss das doch können und für mich machen. So schwer kann das doch nicht sein. So viel kann das doch auch wieder nicht kosten. Dass, was wir nicht mehr in die Entwicklung stecken, kann doch jetzt ins Marketing gehen, oder? Humbug!

Ich bin ein beschissener Chef. Ich würde doch so gerne freundlich, bestimmend, durchblickend, einfach perfekt sein. Das kann man doch lernen, es gibt bestimmt Kurse oder wenigstens Bücher, in denen ich das lernen kann. Vielleicht kann ich eine Assistenz bekommen, vielleicht kann das irgend jemand besser als ich, den ich einstellen sollte, damit er meinen Job besser macht? Blödsinn!

All diese Selbstzweifel lenken mich ab. Sie halten mich ab davon, das richtige zu tun. Ich suche Hilfe im draussen, statt einfach los zu legen, anzufangen, obwohl ich nichts weiss. Einfach aufstehen, auf die Fresse fliegen und wieder aufstehen.

Und ich kenne so viele so tolle Menschen, die so gerne helfen würden und es auch können. Sie helfen mir aber nicht dabei, meine ganz eigenen Probleme mit mir zu lösen, sondern nur bei meiner Arbeit, meinen Projekten, meinen Ideen. Dabei teilt fast jeder sehr gern sein Wissen, sein Netzwerk und seine Fähigkeiten mit mir. Ich brauch meist nur zu fragen. Der Trick dabei ist die richtige Einstellung, ein aufrichtiges, ehrliches Bemühen um die jeweilige Sache, ohne mich und mein Ego und meine Probleme im Zentrum.

Always two there are, no more, no less: a master and an apprentice sagt Yoda dazu und hat so recht damit. Kein Investor, auch nicht Roger Sterling, Don Draper und auch kein Mr. Big werden meine Geldprobleme lösen. Denn sie werden doch nur ihren eigenen lösen wollen…

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Wünsch Euch einen tollen Start in die brandneue Woche!

Bilder vom Sonnenaufgang in der Eiseskälte des Wolfsbruchs…

Noch Rheinsberg, 7:12, Tag 535

Heute Nacht wurde auf mich geschossen. Eine Kugel schlug neben mir in die Scheibe ein und blieb als Beweis darin stecken. Sehr anschaulich.

Kurz vor Sieben bin ich raus in die Eiseskälte hier und hab Euch ein paar Fotos gemacht:

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Wünsch Euch einen richtig tollen Sonntag!

Über Verlangen und Abkürzungen…

Anm: am Nachmittag überarbeitete und um die letzten vier Abschnitte ergänzteFassung.

Rheinsberg, 6:36, Tag 534

Heute Nacht habe ich Mörder gejagt. Ich sprang dabei und flog, mal wieder ein Parcour Traum in einem dunklen alten Hotel mit ein paar Strassenzügen, die ich aus den Fenstern sehen konnte. Und viel mehr, dass ich vergessen liess…

Mit vollem Magen ins Bett, er gluckerte immer noch eben beim Aufwachen. Es fühlt sich ungesund an. Das ist eines meiner Themen hier. Wie kann ich mich durchsetzen mit meinen Überzeugungen und Meinungen hier in der 5er Gruppe, die wir diesmal sind.

Ich beuge mich einem Gruppendruck, das gemeinsam stundenlang Vorbereitete und dann Gekochte, durch Fünf zu teilen und nichts übrig zu lassen. Wir haben drei Koch Anfänger dabei. Wenn wir zu lange mit der Vorbereitung brauchen, essen wir einfach viel zu spät. Und da ich ebenfalls ein Anfänger bin, da ich nicht regelmässig für fünf Personen koche, verschätzen wir uns leicht mit den Mengen. Und dann geht es mit vollem Magen ins Bett. Statt zu schlafen und sich zu erholen, darf man erst mal alles verdauen.

Wie sieht der Ausweg aus? Wir könnten über die Askese gehen, also das Abendbrot einfach weglassen. Ich erinnere mich an Textstellen aus der Buddha Biographie von Thich Nhat Hanh, die das stützen würden. Oder einfach über harte Regeln: mein Bloggeridol James Altucher schreibt hier: kein Essen nach 5:30. Wenn wir es nicht schaffen, bis halb 6 fertig zu sein, gibt es eben kein Abendessen. Darunter würde vielleicht die Qualität des Essens leiden und das Retreat wäre ein anderes.

Bei unseren Retreats geht es um Achtsamkeit. Um das Erkennen, dass unser Handeln Folgen hat. Immer. Ohne Ausnahme. Wenn wir uns verquatschen oder nicht aufmerksam genug anweisen, zeigen und kochen oder unserem Heisshunger nach Nachtisch, nach richtig gutem Essen nachgeben, dann hat das eben Folgen. Hier die Folge, dass wir zu spät essen.

Solche Widerstände zu entdecken und zu erforschen, das liebe ich an unseren Retretas so sehr. Das späte Essen ist ja nur ein Beispiel. In Gruppen über vier passieren noch so viele andere spannende Dinge.

Ich versuche herauszufinden, was das diesjährige Grundthema sein könnte. Das Retreat ist sehr kurz, wir haben nur zwei volle Tage und 2 halbe Tage an den wir an- und abreisen.

Aber es ging immer wieder mal um Gier, um unser Verlangen. Darum, dass wir etwas haben, bekommen, kontrollieren oder werden wollen, ohne dass wir uns darum wirklich Bemühen, ohne dass wir die Arbeit machen wollen, ohne dass wir den Weg gehen, der zu gehen ist.

Wir suchen oft nach Abkürzungen, um unsere Ziele zu erreichen. Unsere Gier macht das mit uns.

opd soll ein Erfolg werden! Wir haben uns doch den A. aufgerisssen, die letzten sechs Monate, nun müssen es doch alle einfach sehen, wie toll das ist. Warum werden wir jetzt nicht reich, warum fangen die Leute nicht an, uns dafür zu bezahlen, von allein? Warum rennen sie uns nicht die Bude ein, wir haben doch alles getan. Nein, das reicht nicht!

Wir wollen unserer Berufung nachgehen und am liebsten nur bloggen, joggen, lesen, programmieren, auch mal ruhig arbeiten, doch reich werden und manchmal rumsitzen, nur quatschen, mal nur so rumfahren oder was auch immer tun, was wir am liebsten tun. Und wir wollen trotzdem dabei unser Gehalt, unseren Job oder unsere Firma behalten. Irgendwie wird die Welt schon einsehen, dass wir es einfach verdient haben.

Wenn ich endlich Millionär wäre oder wenn ich das hätte, was der ander dort hat, dann bräuchte ich vielleicht nicht mehr arbeiten, dann müsste ich mich nicht mehr um meinen Lebensunterhalt kümmern. Dann könnte ich endlich das machen, was ich am besten kann, wozu ich mich berufen fühle, was die Welt zu einem besseren Ort macht. Die Welt braucht das doch! Die Welt muss das doch verstehen und sich auch mal um mich kümmern.

Wir fangen dann oft an zu tricksen, nach Abkürzungen zu suchen. Fördergelder, Venture Capital, Subventionen, Vertriebsprovisionen sind Beispiele. Man hofft, ohne die notwendige Arbeit, ohne rechtes Bemühen zu investieren, also ohne echten Wert zu schaffen, trotzdem bezahlt zu werden. Dazu sind diese Programme doch da! Andere machen das doch auch.

Und ich wollte ein tolles Abendbrot haben und zwar nicht erst um 8! Und zwar ohne den notwendigen Weg dafür zu gehen. Ich selbst habe die Verspätung verursacht, weil ich so in meiner Rolle gefangen war, den anderen das meditative Schneiden von Gemüse beizubringen, dass ich darüber meine eigene Gesundheit und die der anderen vergessen habe. Die anderen hätten das doch merken müssen. Hätten die schneller gearbeitet, wäre das nicht passiert.

So ist das! So ist das oft. Wir erstrecken unsere Achtsamkeit, richten unser Augenmerk oft nur auf Dinge, die wir gut können und blenden aus, was wir vernachlässigen. Manche sind gut im Geld verdienen und haben nur Scheiss Beziehungen, andere sind Künstler und haben keine Ahnung, wie sie ihre Kunst vermarkten können. Es gibt Sportler, die Olympiamedallien gewinnen und keine Ahnung von Glück haben, weil sie nur kämpfen gelernt haben.

James schreibt davon, dass wir auf unsere Körper, unsere Emotionen, unseren Geist und unsere Spiritualität achten, dass wir sie ins Gleichgewicht bringen sollen. Die Buddhisten erweitern das noch um Familie, um die Gemeinschaft, den Lebensunterhalt und die Beziehung zur Welt. Vernachlässigen wir einen Bereich, holt uns das ein. Ignorieren wir einen anderen Bereich, werden wir krank, kriegen eine Depression, lassen uns scheiden oder gehen bankrott.

Diese Balance zu finden, zu justieren, die Felder zu entdecken, die bisher vernachlässigt worden sind, darum geht es hier. Durch solche Tage in der Versenkung, werden Veränderungen und Entwicklungen angeschoben, die sonst ewig brauchen, ehe sie sich bemerkbar machen.

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Wünsch Euch einen tollen Tag voller Verlangen und Einsicht…

Zur Ruhe kommen…

Rheinsberg, 6:40, Tag 533

Heute Nacht flog ein Flugzeug mit einer pinken Leuchtröhre vom Bug bis zum Heck unterm Rumpf befestigt über mich hinweg. Das sah toll aus. Heute Nacht wurde ein Rind per Strassenbahn zum Schlachten gebracht. Vier Männer versuchten dann, das tote Tier auf einen Moppel zu ziehen, um es zurück nach Hause zu bringen. Heute Nacht sollte ich Geheimnisse für eine ältere Frau stehlen. Die zu bestehlenden gaben mir den umgekehrten Auftrag. Als ratloser Doppelagent wachte auf…

Hier ist Lala Land. Kaum Internet seit ich das Dorf Rheinsberg in den Wald verliess. 34kbit/s Download Geschwindigkeit. Also bin ich eigentlich Offline die meiste Zeit. Macht auch Sinn, denn ich bin auf meinem jährlichen Meditationsretreat.

Hier fing alles wieder an mit meinem Tagebuch. Hier fing ich wieder an für mich zu schreiben. Habe meine Träume, meine Ideen und Inspirationen aufgeschrieben. Und die täglich anderen Rezepte für Gemüse mit Tofu und Reis, die wir uns hier achtsam kochen.

Früher bin ich hier her und braucht zwei Tage, um den Taktschlag meines Lebens wieder aufs normale zu reduzieren. Seit ich täglich morgens sitze, geht das viel schneller, als ob ich durch die tägliche Sitzmeditation schon näher an meinem natürlichen Rhythmus bin. Meine Erkältung ist noch vorhanden, doch stört sie kaum. Bei der Sitzmeditation wird die Nase wie durch Zauber bei den ersten Atemzügen frei… wirklich!

Der Rhythmus ist das eine. Das Achtsam Sein das andere. Der erste volle Tag beginnt gleich, die Sonne hat mich eben schon begrüßt.

Meine Unruhe auszuhalten, weil ich das Bild des Sonnenaufgangs hier nicht hochgeladen kriege, das ist meine Übung. Ruhig bleiben, den Ärger kommen und wieder gehen sehen. Es klappt dann doch rechtzeitig.

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Wünsch Euch einen achtsamen Freitag!