Anm: am Nachmittag überarbeitete und um die letzten vier Abschnitte ergänzteFassung.

Rheinsberg, 6:36, Tag 534

Heute Nacht habe ich Mörder gejagt. Ich sprang dabei und flog, mal wieder ein Parcour Traum in einem dunklen alten Hotel mit ein paar Strassenzügen, die ich aus den Fenstern sehen konnte. Und viel mehr, dass ich vergessen liess…

Mit vollem Magen ins Bett, er gluckerte immer noch eben beim Aufwachen. Es fühlt sich ungesund an. Das ist eines meiner Themen hier. Wie kann ich mich durchsetzen mit meinen Überzeugungen und Meinungen hier in der 5er Gruppe, die wir diesmal sind.

Ich beuge mich einem Gruppendruck, das gemeinsam stundenlang Vorbereitete und dann Gekochte, durch Fünf zu teilen und nichts übrig zu lassen. Wir haben drei Koch Anfänger dabei. Wenn wir zu lange mit der Vorbereitung brauchen, essen wir einfach viel zu spät. Und da ich ebenfalls ein Anfänger bin, da ich nicht regelmässig für fünf Personen koche, verschätzen wir uns leicht mit den Mengen. Und dann geht es mit vollem Magen ins Bett. Statt zu schlafen und sich zu erholen, darf man erst mal alles verdauen.

Wie sieht der Ausweg aus? Wir könnten über die Askese gehen, also das Abendbrot einfach weglassen. Ich erinnere mich an Textstellen aus der Buddha Biographie von Thich Nhat Hanh, die das stützen würden. Oder einfach über harte Regeln: mein Bloggeridol James Altucher schreibt hier: kein Essen nach 5:30. Wenn wir es nicht schaffen, bis halb 6 fertig zu sein, gibt es eben kein Abendessen. Darunter würde vielleicht die Qualität des Essens leiden und das Retreat wäre ein anderes.

Bei unseren Retreats geht es um Achtsamkeit. Um das Erkennen, dass unser Handeln Folgen hat. Immer. Ohne Ausnahme. Wenn wir uns verquatschen oder nicht aufmerksam genug anweisen, zeigen und kochen oder unserem Heisshunger nach Nachtisch, nach richtig gutem Essen nachgeben, dann hat das eben Folgen. Hier die Folge, dass wir zu spät essen.

Solche Widerstände zu entdecken und zu erforschen, das liebe ich an unseren Retretas so sehr. Das späte Essen ist ja nur ein Beispiel. In Gruppen über vier passieren noch so viele andere spannende Dinge.

Ich versuche herauszufinden, was das diesjährige Grundthema sein könnte. Das Retreat ist sehr kurz, wir haben nur zwei volle Tage und 2 halbe Tage an den wir an- und abreisen.

Aber es ging immer wieder mal um Gier, um unser Verlangen. Darum, dass wir etwas haben, bekommen, kontrollieren oder werden wollen, ohne dass wir uns darum wirklich Bemühen, ohne dass wir die Arbeit machen wollen, ohne dass wir den Weg gehen, der zu gehen ist.

Wir suchen oft nach Abkürzungen, um unsere Ziele zu erreichen. Unsere Gier macht das mit uns.

opd soll ein Erfolg werden! Wir haben uns doch den A. aufgerisssen, die letzten sechs Monate, nun müssen es doch alle einfach sehen, wie toll das ist. Warum werden wir jetzt nicht reich, warum fangen die Leute nicht an, uns dafür zu bezahlen, von allein? Warum rennen sie uns nicht die Bude ein, wir haben doch alles getan. Nein, das reicht nicht!

Wir wollen unserer Berufung nachgehen und am liebsten nur bloggen, joggen, lesen, programmieren, auch mal ruhig arbeiten, doch reich werden und manchmal rumsitzen, nur quatschen, mal nur so rumfahren oder was auch immer tun, was wir am liebsten tun. Und wir wollen trotzdem dabei unser Gehalt, unseren Job oder unsere Firma behalten. Irgendwie wird die Welt schon einsehen, dass wir es einfach verdient haben.

Wenn ich endlich Millionär wäre oder wenn ich das hätte, was der ander dort hat, dann bräuchte ich vielleicht nicht mehr arbeiten, dann müsste ich mich nicht mehr um meinen Lebensunterhalt kümmern. Dann könnte ich endlich das machen, was ich am besten kann, wozu ich mich berufen fühle, was die Welt zu einem besseren Ort macht. Die Welt braucht das doch! Die Welt muss das doch verstehen und sich auch mal um mich kümmern.

Wir fangen dann oft an zu tricksen, nach Abkürzungen zu suchen. Fördergelder, Venture Capital, Subventionen, Vertriebsprovisionen sind Beispiele. Man hofft, ohne die notwendige Arbeit, ohne rechtes Bemühen zu investieren, also ohne echten Wert zu schaffen, trotzdem bezahlt zu werden. Dazu sind diese Programme doch da! Andere machen das doch auch.

Und ich wollte ein tolles Abendbrot haben und zwar nicht erst um 8! Und zwar ohne den notwendigen Weg dafür zu gehen. Ich selbst habe die Verspätung verursacht, weil ich so in meiner Rolle gefangen war, den anderen das meditative Schneiden von Gemüse beizubringen, dass ich darüber meine eigene Gesundheit und die der anderen vergessen habe. Die anderen hätten das doch merken müssen. Hätten die schneller gearbeitet, wäre das nicht passiert.

So ist das! So ist das oft. Wir erstrecken unsere Achtsamkeit, richten unser Augenmerk oft nur auf Dinge, die wir gut können und blenden aus, was wir vernachlässigen. Manche sind gut im Geld verdienen und haben nur Scheiss Beziehungen, andere sind Künstler und haben keine Ahnung, wie sie ihre Kunst vermarkten können. Es gibt Sportler, die Olympiamedallien gewinnen und keine Ahnung von Glück haben, weil sie nur kämpfen gelernt haben.

James schreibt davon, dass wir auf unsere Körper, unsere Emotionen, unseren Geist und unsere Spiritualität achten, dass wir sie ins Gleichgewicht bringen sollen. Die Buddhisten erweitern das noch um Familie, um die Gemeinschaft, den Lebensunterhalt und die Beziehung zur Welt. Vernachlässigen wir einen Bereich, holt uns das ein. Ignorieren wir einen anderen Bereich, werden wir krank, kriegen eine Depression, lassen uns scheiden oder gehen bankrott.

Diese Balance zu finden, zu justieren, die Felder zu entdecken, die bisher vernachlässigt worden sind, darum geht es hier. Durch solche Tage in der Versenkung, werden Veränderungen und Entwicklungen angeschoben, die sonst ewig brauchen, ehe sie sich bemerkbar machen.

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Wünsch Euch einen tollen Tag voller Verlangen und Einsicht…

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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