Monthly Archives: April 2013

Istanbul, 5:58 CET, Tag 571

So, heute Nacht habe ich geträumt und es fast vergessen lassen. Ein Raum, viele Menschen, es war beengt und alle schauten mir zu. Natürlich ging das, was ich vor hatte, nicht. Klassischer Vorführeffekt. Ich wachte heute sehr müde auf.

Ohje, so spät habe ich lange nicht geschrieben. Heute morgen ging es irgendwie nicht, war rebellisch. Nun war ich schon Mittag essen und noch ein Stück laufen und weiss gar nicht so genau, worüber ich schreiben kann. Bin genervt. Also ist wohl eine Pause besser.

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Wünsch Euch einen ruhigen Nachmittag!

Istanbul, 6:05 CET, Tag 570

Heute Nacht hat eine Ex versucht, mich wieder zu kriegen. Wir hatten eigentlich ein gutes, entspanntes Verhältnis bis ich die kleinen Hinweise bemerkte, wie sie auf Kontakt mit mir wartete. Ich kam in der WG an und bis zum nächsten Morgen übersah ich sie, hoffentlich verstand sie nun. Einmal sah ich, wie Säulen für einen Palast aus Bäumen, die horizontal in der Erde wuchsen, geschnitten wurden und ich wachte ruhig vor dem Wecker auf…

Eigentlich doch eine tolle Idee: Sonntag Mittag, trotz besten Wetters für eine Stunde eine Seifenblasenshow in den Trump Towsers um die Ecke hier, 10min zu Fuss weg? Klar, das machen wir…

Ich kannte das dritte Untergeschoss schon von einem Spaziergang vor einem halben Jahr. Die Türken haben in den neuen Einkaufszentren fast immer eine ganze Etage nur für Kinder gebaut, mit Stunden-Kindergarten, Kino und allen Geschäften für Kindersachen, Spielzeug, etc. Man könnte meinen, das sei Kinderfreundlich, ist es aber nicht: es ist doch nur Shoppingfreundlich.

Gestern also sind wir in die Bubbleshow dort. Unglaubliche 60 TL Eintritt pro Person, der erste Schock, aber wir konnten ja nicht wieder umdrehen. Das Theater, in dem das statt fand vielleicht zu einem Drittel gefüllt. Eine junge Dame, Amerikanerin mit noch schlechterem türkisch als ich, macht alleine auf der Bühne Seifenblasen. Das konnte sie ganz gut, die Tricks und die Effekte funktionierten alle ganz wunderbar. Und es gab ein paar tolle Effekte und Überraschungen incl. einer wirklich gut gemachten Lasershow gegen Ende.

 

Das was mich aber erschreckt hat, war das unverholene Marketing mit und auf Kosten der Kinder. Für drei Tricks mit riesigen Seifenblasen wurden insgesamt 6 Kinder auf die Bühne geholt, die in quälend langen Minuten aus dem Publikum ausgesucht wurden, ein schönes Lächeln sei das entscheidende Kriterium, sagte die Dame.

Die Kinder wurden hoch geholt, in Ganzkörperseifenblasen gesteckt, am Ende bekamen Sie ein in Plastik verpacktes Seifenblasenspielzeug: diese Geschenkübergabe wurde als Teil der Show auf der Bühne zelebriert, schön viel Aufmerksamkeit, Beifall und Scherzen und vorherigem Fragen nach Name und Alter, damit es auch jeder mitbekam, wie toll das alles ist.

Von den vielleicht 100 Kindern im Theater waren nun 94 frustriert, dass sie nicht ausgewählt wurden, auf die Bühne konnten und ein Geschenk bekamen. Das ganze passierte drei mal hintereinander, damit es auch wirklich jedes Kind mitbekam und verstand, was hier passierte.

Nach einer halben Stunde gab es eine Pause in der ich bemerkte, was ich beim Reingehen übersehen hatte: die Tische voller in Plastik verpacktes Seifenblasenspielzeug und eine Fotoecke, bei der man sich für erneute Zahlung von 25 TL in einer Seifenblase fotografieren lassen konnte, was exakt dem auf der Bühne eben 3-fach gezeigten und mit Applaus und Geschenk belohnten Vorführung entsprach.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie einige der 96 frustrierten, nicht ausgewählten Kinder ihre Eltern malträtierten um ein wenig auszugleichen, dass sie eben nicht ausgewählt worden sind, obwohl sie doch ein so tolles Lächeln hatten und es so sehr wollten.

So perfekt, so perfide und so offensichtlich hatte ich eine amerikanische Marketingmaschine noch nicht erlebt.

Es ging nicht im geringsten um die Kinder oder um das Erlebnis. Die gesamte Veranstaltung war wie eine Maschine, die nur darauf ausgerichtet ist, jedem möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Alle die dort mitarbeiteten, ahnten das. Ich sah es ihren gelangweilten Gesichtern an. Selbst der 21-jährige Amerikanerin mit ihrem perfekten Lächeln, entglitt selbiges ab und zu und ich sah, dass es nur ihre Maske war, die Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit versteckte. 

Sie verkaufen ihre Zeit, ihren Körper und ihre Seele und machten das nicht aus Liebe oder Leidenschaft, sondern weil sie den Job und das Geld brauchen und die Macher der Show damit reich, sehr reich werden.

Es ging nicht darum, dass wir eine tolle Zeit hatten. Es ging den Machern darum, möglichst viel zu verdienen. Es ging nicht, um die Kunst zu fragen, um den Austausch, das Geben und Nehmen zwischen Künstler und Publikum. Hier wurden nur die Kinder manipuliert, damit der Umsatz stimmt.

Abends dann, nachdem alle schon im Bett waren, habe ich noch ein wenig in den TED Talks gestöbert und das zweite Video war das hier, von Amanda Palmer, über die Kunst zu fragen. Das passt wieder mal so unglaublich:

Die Macher der Gazillion Bubbleshow beherrschen die Kunst zu Fragen eindeutig nicht (mehr)! Oder besser mit Amanda Palmers Worten: Sie haben die Frage beantwortet, wie sie Menschen zu bringen, für die Show zu bezahlen, statt es den Menschen nur zu zeigen!

I think people have been obsessed with the wrong question, which is, „How do we make people pay for music?“ What if we started asking, „How do we let people pay for music?“ ~Amanda Palmer at TED2013

 

Istanbul, 7:09 CET, Tag 570

Heute Nacht habe ich in einem Sitzungsaal gesessen und mit vielen konferiert. Die Toilette in der Pause war in einem winzigen Verschlag untergebracht und so eng, dass beide Wände berührte und mich nicht umdrehen und bewegen konnte. Ich wachte ausgeschlafen auf…

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Wünsch Euch einen sonnigen Sonntag!

Istanbul, 6:15 CET, Tag 569

Heute Nacht schon wieder meine Träume vergessen. Ich erinnere mich, dass ich beim Aufstehen noch ganz beschwingt war, jetzt nach Dusche und Meditation ist einfach alles verschwunden.

Da ich die Reihe nicht abreissen lassen möchte, schreibe ich hier ein paar Worte. Obwohl mir heute überhaupt nicht danach ist. Ich will schreien, nicht schreiben!

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Dann lese ich schlaue Blogposts, grade heute: gib Deine Macht und Kraft nicht auf, in dem Du andere verantwortlich machst, was Du fühlst und nicht fühlst. Du machst Dich selbst zum Opfer. Und ich möchte wohl manchmal, vielleicht oft, das Opfer der Umstände sein, nicht selbst verantwortlich sein, jemanden haben, der Schuld ist, der es heilen könnte, der es wieder gut machen kann. Diese Verantwortung immer und ständig für sich selbst und seine Gefühle. Manchmal geht mir das gehörig auf den Sack. Dann möchte ich schreien, statt schreiben. Obwohl, das hier jetzt auf zu schreiben tut grad sehr gut. Es fühlt sich wieder so an, als ob etwas abfliesst, in Bewegung kommt. Nur alleine dadurch, dass ich hier meiner Routine nachgebe und doch schreibe und nicht einfach nur „Pause“ mache. Schreiben als Therapie.

Aber der Tag ist schön, die Sonne scheint hier, die Vögel zwitschern. Ich bin wieder verbunden mit mir und meiner eigenen Kraft, wenigstens für den Moment des Schreibens. Dann geht auch alles, dann kehrt auch mein Optimismus zurück. Dann weiss ich, dass ich es selbst in der Hand hab, ob ich will oder nicht, ob ich es glaube oder nicht, ob ich mir traue oder nicht. Ich bin am Leben. Leiden gehört dazu, es gibt einen Weg, das Leiden zu beenden… ich möchte ihn finden und gehen! Ich bin auf der Suche und immer in Bewegung! Und das fühlt sich gut und richtig an.

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Wünsch Euch ein harmonisches Wochenende…

Noch Berlin, 6:47, Tag 568

Heute ist Reisetag, ich hab nur 5h geschlafen und erinnere mich echt nicht an meine Träume. Bin schon extrem aktiv und wach. Und will Euch gar nicht lange aufhalten. Heute ist Freitag und ich mach Pause.

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Wünsch Euch einen grossartigen Tag!

Berlin, 7:14, Tag 567

Heute Nacht habe ich einen Hubschrauber in einem Haus im Wald gejagt und am Heckrotor abgefangen. Dann ging es mit einer Katze weiter, das war schon schwerer. Dann telefonierte ich mit einem krebskranken Freund, wollte ihn trösten und spürte doch nur die Trauer des Loslassen müssens.

Dies könnte ein Post werden, vor dem ich Euch warnen möchte, meine Gedanken scheinen dunkel und schwer. Wer keine Lust hat, sich in den Strudel zu begeben, sich zu verbinden mit meiner dunklen Seite, der hat jetzt die Gelegenheit. Sagt nicht, ich habe Euch nicht gewarnt.

So, jetzt kann ich befreiter weiter schreiben.

Meine Zähne tun mir rechts oben weh und ich habe eine leichte Erkältung. Ich fühle mich von allem ausgenutzt. Und bin gereizt und noch leichter reizbar. Gestern schon war ich lieber still, statt meine Laune laufen zu lassen, zu zeigen, was ich wirklich denke. Ich ahne, dass dabei meine destruktive, dunkle Seite aktiv ist.

Eigentlich suche ich dringend Hilfe im Aussen. Jeder ist willkommen. Jedem kann ich meine Zähne in den Hals schlagen und anfangen das Blut, die Energie auszusaugen. Ich fühl mich grad leer gelaufen. Da ich das weiss, vermeide ich, kontrolliere ich mich, wende mich schnell ab, weiche aus. Zum Schutz der anderen, zu meinem scheinbaren Schutz.

Es gibt solche Phasen. Es geht vorbei, ich weiss das ja. Es ist nur kurz. Ein tiefes Eintauchen kann es schnell beenden, ein Ausweichen und Ignorieren leicht verlängern. Dabei gibt es keinen konkreten Anlass, keinen echten Grund, zumindest fällt mir keiner ein. Es gibt Situationen und Momente, des gerade nicht loslassen könnens, des festbeissens, des unbedingt dies, genau dies jetzt klären, haben, verstehen, vergessen, lösen wollens…

Die mich lange kennen, machen nun besser einen Bogen um mich. Was hat er jetzt wieder? Achso, seine übliche Phase. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel gelaufen bin. Das Ding ist, niemand und nichts kann diese Stimmung beenden. Nur ich selbst kann mich da raus ziehen.

Ich spüre, es ist schon fast so weit, gleich vorbei. Mein Schreiben hier, das Eingestehen des Scheisse drauf seins, hilft dabei grad irgendwie. Es fliesst schon ab. Es fliesst schon wieder. Um die Stirn weht ein Lufthauch, die Kiefer lockert sich. Ich spüre, ich kann doch lächeln.

Bin immer noch nah dran, am Abgrund, am wahren Kern. Nah dran an den Themen, die man selbst nicht wahr haben möchte. Nah dran an den Eigenschaften, die man selbst nicht wahr haben möchte. Nah dran am Punkt der Entscheidung: weiter so und irgendwie sterben. Oder rein und durch und irgendwie woanders weiter…

Das Blinis ist eines der Gedankenfelder, bei dem ich manisch hängen bleibe. Heute bin ich aus Angst vor mir selbst-allein-zu-haus hier her. Bin weg gerannt vor meinem Büro hierher. Das erste Mal seit letztem Samstag. Na Fremder, sagte der Architekt eben zu mir, ein Scherz unter Stammgästen.

Ich reihe Gedanken und Sätze aneinander. Es schwirrt die Erkältung in meinem Kopf, grade puckert es rechts oben über der Augenbraue. Der Zahn zieht auch noch. Die Nase ist frei, wie meist beim Meditieren, auch beim Schreibmeditieren.

Heute morgen hab ich ein schönes TEDdirector Video gesehen über Tests zu unserer Arbeitsmotivation, etwas langatmig und etwas zu langsam für meinen Zustand. Ihr wisst, die Unruhe und Gereiztheit kann sich alles als Anlass nehmen, um sich aufzuregen und nach Energie, nach Aufladung zu schreien.

Es ging darum, wie neben der Bezahlung, auch die Bedeutung, das Machen, die Herausforderung, Verantwortung, Identität, Stolz, etc. für unsere Motivation verantwortlich ist. Es wird als der Ikea Effekt beschrieben. Wir lieben die Möbel mehr, bei deren Aufbau wir geschwitzt haben oder auf die wir lange warten mussten, als das schnell verfügbare, das Einfache, das Beliebige. Ariel stellt in dem Video mehrere Experimente vor, die diese Erfahrung bestätigen.

Er erzählt, dass in Bücher übers Bergsteigen nur von den Mühen, den Schmerzen, Frostbeulen und der übermenschlichen Anstrengung geschrieben steht. Alles für den Moment auf dem Gipfel. Alles nur um nach dem Abstieg, den nächsten Aufstieg zu planen. Er erzählt auch von dem Studenten, der zwei Wochen lang hochmotiviert an einer Präsentation für eine Fusion seiner Firma sass die am Tag der Fertigstellung abgesagt worden ist. Und der in eine tiefe Depression fiel. Er erzählt auch von Microsoft, die ein Forschungsprojekt einstellten und dabei die zweihundert Entwickler tief enttäuscht zurück liessen, weil sich niemand dafür interessierte, was sie geschaffen hatten. Diese Erfahrungen und Ahnungen verifizierte Ariel durch Verhaltensexperimente: ein einfaches gesehen werden, ein kurzes anerkennen dessen was ist reicht oft aus, um uns in der Spur und bei der Stange zu halten.

Sisyphos leidet, weil sein Stein und Berg, seine Aufgabe, als Ausdruck von Beliebigkeit interpretiert wird. Meditation hilft mir normalerweise, selbst in dieser Beliebigkeit einen Sinn zu erkennen, mich darüber zu erheben. Aber in diesen Tagen der dunklen Gedanken zweifle ich…

Vielleicht habe ich gar keine Erkältung, sondern nur Heuschnupfen. Vielleicht habe ich gar keine dunkle Phase, sondern… möchte nur mehr gesehen werden?

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Wünsch Euch einen hellen, sonnigen, luftig leichten Donnerstag… 😉

 

Berlin, 7:05, Tag 566

Heute Nacht habe ich geträumt, mich erinnert beim Aufwachen und jetzt fällt es mir nicht mehr ein. Eigentlich sollte ich wohl über Netzneutralität schreiben, machen grade alle anderen, die sich nicht über Hoeneß aufregen. Aber ich habe das noch nicht ganz durchdacht und so halte ich mal lieber die Klappe. Das kommt mir grad selbst komisch vor. Um so besser! Also mach ich heut ne Pause vom Schreiben und wünsche Euch einfach so einen tollen Mittwoch!

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