Monthly Archives: Mai 2013

Noch Istanbul, 5:22, Tag 601

Heute Nacht wieder ein B-Movie. Vergessen lassen.

Heute ist Reisetag. Mit dem Mittagsflieger, kein Jumpstart, dafür Stau auf der D-100.

Und heute ist auch Teamstaffel! 3 Teams x 5 Mitläufer x 5 Kilometer durch den Tiergarten mit den mtc Kollegen, laut Wetterbericht wirds ein Regenlauf. 80% Wahrscheinlichkeit. Auch ist auch gut! Da hat man mehr zu erzählen. 😉

James hat schon aufgeschrieben, was ich hätte schreiben wollen. Ich liebe es, einfach nur auf meinem Kissen zu sitzen und zu atmen und nichts zu tun.

Aber heute ist auch Reisetag. Ein Bruch, ein Kulturwechsel. Erst mal nur ein Ortswechsel. Meine Kleene liest ihr Morgenmagazin schräg gegenüber auf dem Sofa. Nur weil das iPad grad verschwunden ist. Ich schau sie an, schau ihr zu, höre wie sie flüsternd leise liest. In zwei Wochen hat sie die 1. Klasse hinter sich. Dann bin ich wieder hier, um das mit ihr zu feiern.

In 5 Minuten klingelt der Wecker. Aufstehen! Anziehen! Frühstück! Schulbus! Flieger!

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Wünsch Euch einen flotten Freitag!

Istanbul, 5:55, Tag 600

Heute Nacht habe ich toll geträumt. Ich bin zwei mal in die Fortsetzung gegangen, als ich erst weit dann kurz vor dem Wecker jeweils kurz wach wurde. Nun habe ich alles vergessen.

Gestern hab ich auf dem Weg zum Büro und zurück ein paar Bilder gemacht, die ich Euch jetzt zeigen möchte. Als erstes ein kleines Kätzchen im Hof der griechisch-orthodoxen Kirche Taksim Platz.

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Hier nur ein Blick in den Himmel der Kirche, ein schöner alter Bau.

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Unten am Bosphorus war ich etwas zu zeitig, so dass ich mich erst noch in einen Tee Garten gesetzt habe. Irgendeine Fähre machte eine Riesenwelle, als ich die anrollen sah, hatte ich das iPhone schon schussbereit in der Hand. Splash!

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Auf dem Nach Hause Weg am Nachmittag bin ich über Sultanahmet gelaufen, dort fand diesmal keine Ralley statt, sondern ein Open Air Schachtournier. Ich schätze, dass im Hippodrom so um die 500 Schachbretter aufgebaut waren.

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Ein paar der Kinder spielten schon oder noch im Gras nebenan.

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Als ich dann wieder in die Strassenbahn nach Hause eingestiegen bin, fiel mir diese geschmiedete Laterne erstmalig auf.

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Hier ist grad schräges Wetter, bewölkt aber auch nicht wirklich immer und so um die 30 Grad, etwas schwül. Nach dem klaren Tag am Dienstag, ist hier nun wieder alles trübe, dunstig. Trotz der Wolken schafft es die Morgensonne aber, ein paar Farben in den Himmel zu malen.

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Wünsche Euch lächelnd einen spannenden Donnerstag!

Istanbul, 6:24 CET, Tag 599

Heute Nacht hab ich mich auf eine Konferenz geträumt. Bin mit vielen neuen Menschen in Kontakt gekommen. Habe mich immer fürs Gespräch, statt fürs Twitter entschieden, wusste nicht mal den korrekten Hashtag. Bin mit wunderbarem Licht aufgewacht.

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Wenig später zog eine Wolke über uns, liess aber noch einen schmalen Streifen Himmel übrig. Der gestrige Artikel hätte eigentlich lauten müssen: Mein Negativ ist Positiv… Das stellte ich aber erst nach einem Kommentar fest. Der heutige Artikel muss mit Positiv motiviert… überschrieben werden. Einfach so. Dabei will ich nicht über positive Motivation sprechen. Habe ich gestern schon gemacht.

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Wünsche Euch einen Tag voller Anziehungskraft…

 

Istanbul, 5:53 CET, Tag 598

Heute Nacht hab ich einen langweiligen B-Movie geträumt und beim Aufwachen beschlossen, es einfach dem Zufall zu überlassen, ob ich mich jetzt noch an einzelne Szene erinnere: mein Name war komisch lang und vorne fehlten ein paar Buchstaben.

Oje, gestern habe ich spontan mein Wochenende verlängert und nun habe ich ein schlechtes Gewissen. Es treibt mich an, heute besonders ordentlich, effektiv, produktiv und motiviert zu sein. Tsss, wie schräg ich oft funktioniere…

Hab schon meine 20min meditiert, gleich nach dem Aufstehen. Und doch noch mal ganz klein wenig Zeitung gelesen. Dann 5km um‘ Block gerannt, weil ja am Freitag die Teamstaffel ist und ich wieder etwas Gefühl für Geschwindigkeit und Dauer brauche, damit ich möglichst weit unter 25min komme.

Heute wollte ich eigentlich wieder einen Pausenpost schreiben. Ich bin ja so stark negativ motiviert und wollte deshalb mehr Zeit zum „arbeiten“ haben.

Ein Gedanke stellte dann fest, dass Pause für mich eine negative Wertung enthält. Gestern war Pause. Nicht gut!

Heute dann ein Pausenpost im Blog. Auch nicht gut! Als ob ein Tag mehr frei oder „Ein Traum und ein Bild“-Pausenpost etwas Negatives, etwas Schlechtes sei. Tsss, wie schräg ich doch funktioniere…

Komplett ehrlich sollte ich sein und am Ende bin ich frei. Allein schon, dass ich andere Menschen anlüge und es Höflichkeit nenne, macht mich zu einem ‚mich windenden Wurm‘.

Ja, das ist klar. Ich überfliege die Texte und stimme zu. Aber wie kann man komplett ehrlich noch an der Gesellschaft teilnehmen? Wie soll man denn seine Ziele erreichen? Was passiert wirklich, wenn man jedem immer ehrlich sagt, was man von ihm denkt? Was ist denn nun mit Höflichkeit?

Ich glaube, es gibt Grenzen der Ehrlichkeit.

Ich verletze oft  Gefühle anderer Menschen mit meinen Wertungen ihrer Person, ihrer Leistungen, Ihren Stärken und Schwächen. So lautet das Feedback. Das kostet einfach Beziehungspunkte, sagte mir mal Frank bei einem Seminar. Die muss man sich vorher oder nachher wieder verdienen, wenn man die Kommunikation aufrecht erhalten möchte.

All diese und noch viel mehr Ausreden fürs Nicht Ehrlich Sein sind tief eingebaut in unsere Gesellschaft und in unsere Persönlichkeiten, seit langer Zeit, seit frühester Kindheit.

Die Kommunikation zwischen Menschen wird erst durch unterschiedliche Gefühle, Sichtweisen, Erfahrungen und durch die unterschiedlichen Werte interessant. Klar, dass man sie leicht verletzen kann. Unweigerlich. Denn sie sind nicht und niemals gleich!

Aber es gibt eben auch eine Ehrlichkeit, die dem Kontext, dem Moment unangemessen ist.

Ich muss nicht jedem Menschen meine ehrliche Meinung über ihn aufdrängen. Lieber mal ruhig sein. Mal nichts sagen. Einfach lächeln, einfach atmen und weiter gehen, sich nicht einfangen lassen.

Wenn ich zu jemanden ehrlich bin, mit der Intention ihn zu verletzten, herabzusetzen, mich über ihn zu stellen, dann bin ich nicht frei. Wenn ich zu jemandem ehrlich bin, um mir mein Sein, meine Leistung, meine Identität von ihm bestätigen zu lassen, um mein Ego zu füttern, nur dann bin ich ein armer Wurm.

Je mehr ich hier am Laptop sitze, je mehr ich einfach mache, schaffe, schreibe, lese, mich organisiere, für mich sorge, um so schwächer wird die negative Motivation, um so mehr spüre ich die Kraft, die im Machen liegt. Um so mehr spüre ich das kleine Glück des einfach Tuns. Um so mehr spüre ich die Lebenskraft in mir.

Ich glaube, dass beide: James und Meike das genau so meinen. Wer sich selbst gut kennt, wer bei sich ist, wer sich nicht verbiegt, wer einfach macht, wer achtsam ist, derjenige braucht andere nicht zu manipulieren, der braucht nicht höflich sein, er braucht nicht zu versuchen, ehrlich zu sein. Er ist es einfach.

Wenn ich nicht endlich kapiere, dass es noch andere Optionen gibt. Das negative Motivation nur ein Weg ist, für den ich mich aktiv entscheide. Wenn ich nicht endlich verstehe, kann ich da nie raus finden.

Eine negative Sicht auf mich selbst, auf meine gestriges, angebliches Nichtstun, die Abwertung meines Lebens ist die Ursache für viel Stress und Leid. Diese negative Sichtweise begünstigt und verursacht erst die Lügen. Am Anfang steht immer eine Lüge sich selbst gegenüber… ein sich nicht so annehmen können und wollen. Und diesen Konflikt kann nur jeder selbst beenden!

OK, der Post wird nicht besser, je länger ich ihn hier bearbeite! Ich drück jetzt senden!

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Mit diesem schönen kleinen Selbstbetrug zum Schluss, wünsche ich Euch einen grossartigen, positiv-motivierten Dienstag!

 

Istanbul, 5:36 CET, Tag 597

Heute nacht habe ich fast einen Vortrag verpasst. Ich half jemanden bei irgend etwas. Ein Blick auf die Uhr, 10 vor halb. Ich hatte meine Routine geopfert, keine Zeit die Folien noch mal durchzugehen. Ich wachte ich auf und konnte nur diese eine Szene vorm Vergessen retten…

Der Sinn meiner Morgenzeitung im Netz, mobil, als Stream und personalisiert stelle ich heute in Frage. Ja, es spült mir News vor die Augen: es regnet in Deutschland, Bayern hat gewonnen, in Beirut regnet es auch, Granaten. Daneben übernimmt Mobile Computing die Welt, aber eigentlich geht es nicht um Mobile, sondern um Kontext und das alles nicht mehr als Computer, sondern überall.

Das alles vor und nach der Meditation und während ich versuche, hier zu schreiben. James drüben fällt mir wieder ein, der einfach sagt: lies nichts. Das sollte ich probieren. Wirklich!

Meine Unruhe, die mich seit fast zehn Tagen in Atem hielt, ist seit gestern morgen -seitdem ich hier deutlicher als üblich- drüber schrieb, verschwunden. Was’n krasses Ding!

Sei offen und ehrlich und es löst sich. Arbeite dagegen an, verstecke es, ignoriere es, gehe drüber hinweg und es wird stärker. Es gibt kein Weg, diesem Gesetz zu entkommen. Das ist Karma, Schicksal, Gott. Nenne es, wie Du willst.  Es ist völlig egal. Im Moment der Aktzeptanz, wenn Du siehst, was wirklich ist, wenn Du es geschehen lässt ohne Wertung, ohne Jammern, ohne Festhalten, ohne Zweck… in diesem Moment, in dem Du es geschehen lässt, ist alles gut, da liegt der eigentliche Sinn und dort ist das Glück.

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Mit einem Lächeln wünsch ich Euch einen tollen Start in die neue Woche…

 

Silivri, 4:40 CET, Tag 596

Heute Nacht habe ich Erfolg gehabt, bin aufgestanden, hab mit Menschen gesprochen und in einem Hotelzimmer gesessen, hab mich wieder hingelegt. Ich grabe frühere Träume aus, in meinem Bemühen mich zu erinnern.

Tagebuchbloggen als Psychohygiene, zum Aufräumen für Klarheit. Das unerbittliche Fenster in meine Seele, für jeden sichtbar. Heute trübe Scheiben, kein Durchblick, bähh. Dann gute Laune, Optimismus, mhh. Mit meiner abgrundtiefen Ehrlichkeit ist es nicht weit her. Das macht das Schreiben so problematisch. Ich arbeite an Themen, die ich nicht hier veröffentlichen will. Warum nur?

Eine Elster auf dem Terassentisch sucht nach BlingBling oder Futter oder beidem. Die Katze unterm Tisch findet den erinnerten Geruch an gegrilltes Fleisch wärmend kuschelig. Der Igel ward nicht mehr gesehen. So ist es gut.

Beneidenswert mein Leben sei. An drei Orten zu Hause. Nirgendwo richtig. Zwischen den Kulturen unverstanden. So allein, dass ich hier viel schreibe. So allein, dass ich hier nichts schreibe. Bilder machend, um sich später zu erinnern.

Seit einer Woche fühle ich Veränderungen in meinem Leben vor. Immer, wenn sich dramatisches verändert -Beziehungen zu mir und anderen- dann werde ich krank. Ich verliere meinen Rhythmus. Es gibt Aussetzer. Hektisches Nachholen. Ich habe halbe Kraft für Drittes und Anderes.

Drei junge Schwalben üben zum ersten Mal übers Meer zu fliegen. Wie aufgeregt sie mit den Flügeln schlagen, sobald es unter ihnen rauscht und sich bewegt. Sie steigen viel zu hoch, um noch eine Mücke zu erwischen. Aus Angst nass zu werden und dann zu sterben? Laut erzählend sitzt die Mama auf einer Stange und blickt sich dabei hektisch um. Im Herbst werden sie fit sein für die grosse Reise.

Nun ist die Sonne aufgegangen. Sie wärmt mir den Rücken. Der Mond ist im Meer verschwunden. Es ist halb sieben und alles noch so friedlich. Kein Mensch zu sehen. Der frühe Morgen gehört den Vögeln allein, bin nur Zuschauer.

Beneidenswert doch jedes Leben scheint. Wie kommt das Wasser in das Meer? Die vielen Elemente flüssig verbunden, das pralle Leben. Wie kann ich davor sitzen, es anschauen, darüber nachdenken, darüber schreiben, es fotografieren und ihr könnt es dann lesen, anschauen, nachdenken, wo immer ihr auch seid?

Beneidenswert das Leben scheint. Im Vergleich erstickt das Glück.

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Silivri, 6:51 CET, Tag 595

Heute Nacht also, habe ich wunderbar geträumt und es schon wieder vergessen. Es lag nichts zum Aufschreiben am Bett und mein Vorsatz, mir das ganz bestimmt zu merken, funktionierte nicht.

Starker Wind hat hier dafür gesorgt, dass die See den halben Sandstrand aufgegessen hat. Dort, wo der Stein im Wasser liegt, waren normalerweise die kleinen Wellen. Jetzt fehlen 10m.

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Und die Kinder haben erst gestaunt und dann mit Freuden mit den grossen Wellen gespielt.

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Später dann wollte sich ein Igel zu unserem Abendbrot gesellen. Auch das natürlich eine Riesenattraktion für die Kinder. Dem Igel ging es gut hier, er war sehr vorsichtig. Bei den vielen frei laufenden Katzen und Hunden hier, wäre er ohne Vorsicht wohl nicht so gross geworden.

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Heute morgen am Strand immer noch das gleiche Bild, die Wellen zwar nur noch halb so gross, aber immer noch fehlen 10m von dem eh schon schmalen Strand. Bin gespannt, ob dieses Terraforming nun permanent ist oder ob sich das Wasser wieder zurück zieht.

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Sehr zeitig geht die Sonne auf. Hier zum Abschluss dieses kleinen Bilderpostes der tradtionelle Blick.

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Wünsch Euch ein ruhiges Wochenende!