Ich kann wieder sehen…

Istanbul, 12:28 CET, Tag 573

Heute Nacht hatte ich einen leichten Alptraum bei dem zwei meiner Backenzähne locker wurden, zerbrachen und rausfielen. Ich versuchte die Stücken wieder rein zu drücken, so machen das die Krügers eben. Es ging nicht. War übrigens komplett unblutig das Ganze, das Zahnfleisch war hellgrau, das Loch einfach nur dunkel, die Zähne normal. Ich war um 3 wach und machte mir Gedanken, halb sechs wachte meine Kleine auch mit einem leichten Alptraum auf, jemand hatte sie gejagt und sie sich versteckt.

Heute morgen bin ich ein wenig gelaufen, habe mich dann entschieden, wieder mal spät zu schreiben. Der Tag ist ja lang und auch wenn ich eine morgendliche Schreibmeditation drüber steht, darf man ja nicht zu berechenbar werden.

Die Negativität, die mich manchmal umgarnt, so wie vielleicht in den letzten Tagen, weicht langsam wieder. Es sind wie immer nur Phasen in denen mir mal langsamer, mal schneller klar wird, worum es geht. Es gab starke Impulse des Weglaufens davor. Es gab starke Impulse des Ärgers. Heute Morgen nach dem leichten Alptraum, beim Laufen und beim Hinterherfühlen der Gewalt, die hier gestern ausgebrochen ist, hatte ich lösende, leichte Gedanken. Es ändert sich nichts, wenn ich mich mehr ärgere, wenn ich böser, trauriger, zickiger werde. Es ändert sich nur etwas, wenn ich positiv denke, wenn ich vorwärts schaue, wenn ich anfange, wenn ich eintauche, wenn ich los lege ohne! mir dabei all zu viele Gedanken zu machen.

Seit ein paar Monaten beobachte ich mich ständig beim Werten, das mir davor gar nicht so sehr aufgefallen ist. Ich werte vieles in meinem Umfeld nun in positiv, negativ und neutral… und lasse meine Stimmung davon beeinflussen. Ein wiederkehrender Impuls ist es, wenn ich mich selbst abwerte, also mich selbst unter Druck setze: Du musst das noch fertig machen, Du hast das zugesagt, eigentlich müsste ich dies oder jenes machen. Aus der Negativität dieses Druckes entsteht nichts Gutes. Aber ich bin extrem geübt darin. Ein zweiter Impuls ist es, andere abzuwerten, um mich zu beschäftigen, um helfen zu können, um eine Ausrede zu haben.

Diese Mechanismen zu erkennen und dann einfach sein zu lassen, das ist mir heute morgen aufgefallen, als ich gehmeditierend durch die abgekühlte Kampfzone in Mecidiyeköy lief. Wenig später fand ich meinen Rhythmus und hörte auf, viel zu denken, ich sah mich um, fühlte mich, fühlte wie ich ging, wie ich mich bewegte.

Ich kann wieder sehen. Wenn ich mich zu sehr in meinen Gedanken verstricke, dann sehe ich nichts mehr, um mich herum. Dann werde ich blind für alles andere und alle anderen. Wenn ich wieder in Balance bin, dann sehe ich wieder. Dann sehe ich wieder Chancen, Gelegenheiten, Schönheit und die viele Liebe um uns herum.

Fast alle Wunden, die seelischen und die körperlichen, kann die Zeit heilen. Wir brauchen selbst nicht viel zu tun. Was wir tun können ist, neue Wunden, neue Wertungen durch Achtsamkeit zu vermeiden. Denn es liegt immer eine Alternative in Achtsamkeit und Liebe. Jon schrieb einen Satz dazu auf Facebook:

Let go. Just let go of whatever it is that „I“ cling to. Release Me from the prison of I.

Das fällt so schwer, immer wieder jeden Tag. So lange ich am Ich also an meinem Ego festhalte, bin ich blind für alles andere.

Wünsch Euch einen schönen Donnerstag…

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