Es ist fast zu leicht!

Istanbul, 5:18 CET, Tag 575

Heute Nacht erinnere ich mich nicht an meine Träume, bin unruhig sehr zeitig aufgewacht.

Es verändert sich etwas. Wie eigentlich immer. Ich spüre, wie sich etwas verändert hier. Es fällt mir in diesen Tagen überhaupt nicht leicht, hier zu schreiben. Ich weiss nicht mehr, warum ich das überhaupt mache. Drüben beim Zen-Koch ist noch nichts passiert. Es zieht mich immer wieder dort hin. Aber nachdem ich hier geschrieben habe, erlahmt der Enthusiasmus, damit habe ich eine Ausrede. Es gibt ein paar Dinge, vor denen ich mich drücke, das sind aber eher die einfachen ToDos und das sich Drücken ist nur ein Symptom.

Gestern war ich drauf und dran, zu beschliessen, in der nächsten Woche noch hier in Istanbul zu bleiben: das hätte persönliche Gründe, die nicht hier her gehören. So würde auch die offizielle Begründung lauten. Ich würde nicht an einer Paneldiskussion teilnehmen, die mich schon seit Wochen aus meiner Komfortzone zieht. Ich würde mich nicht mit 4.999 anderen durch die re:publica schieben. Ich würde unser All Hands wieder nur per Hangout machen können, das ich noch nicht mal vorbereitet habe. Gegen Ende der Woche würde ich einen Termin verpassen, der zwar noch nicht bestätigt ist, der mich aber sehr wahrscheinlich, wenn er stattfindet, auch aus meiner Komfortzone holen würde.

Es wäre nun relativ leicht, sich zu drücken und aus persönlichen Gründen abzusagen. Ich weiss auch, wie ich das ohne Schaden anzurichten, hinkriege. Ich würde einfach alle drei Termin intensiv von hier vorbereiten. Viel intensiver noch, als ich es machen würde, wenn ich dabei wäre. Das ginge ganz gut. Alle Vorwürfe, allen Stress, den mein Nichterscheinen auslösen würde, könnte ich so halbwegs ausgleichen. Für mich selbst zumindest. Ohne schlechtes Gewissen, mit dem angemessenen Engagement, laufen die meisten Vorwürfe ins Leere.

Nun versuche ich heraus zu finden, warum meine persönlichen Probleme hier auf einmal wichtiger und dringender sind, als diese seit langem fest stehenden Termine vor Ort in München und Berlin. Habe ich diese Probleme nur, weil ich nicht aus meiner Komfortzone möchte? Benutze ich diese Probleme als Ausrede, weil ich unbewusst Angst vor Verletzung und Bloßstellung habe? Ich versuche darüber zu meditieren, meine Gedanken und Gefühle zu ergründen. Dabei fiel mit wieder mal der Vergleich mit der Eifersucht in Beziehungen ein.

Wenn man sich seinen eigenen Ansprüchen und Werten entsprechend verhält, wenn man kein schlechtes Gewissen hat, weil man zu seinen Gefühlen, Gedanken und zu seinen Handlungen stehen kann, wenn man sich achtsam verhält und nicht im Rausch oder Dämpfung hat treiben lassen, dann kann man die Eifersucht seines Partners als das sehen, was sie auch sein kann: ein Wunsch nach Aufmerksamkeit und Ausdruck der Beziehung und Liebe.

Wenn man sich aber selbst in undichte Handlungen verstrickt, spüren das die Menschen um einen herum. Obwohl, es ist eher anders rum, die reinen Handlungen erscheinen uns als das Besondere, das aussergewöhnliche.

Wenn man selbst also unachtsam jedem Reiz hinterher läuft, jedem Impuls des eigenen Egos, der eigenen Ängste oder auch der eigenen Bequemlichkeit nach geht, dann erzeugt Eifersucht etwas anderes in einem, dann spricht die Eifersucht des Partners mit dem eigenen schlechten Gewissen. Dann hält uns Eifersucht einen Spiegel vors Gesicht, dem wir schwer ausweichen können und in den wir grade nicht schauen wollen. Dann werden wir vielleicht unwirsch, regen uns auf oder wir  streiten uns sogar.

Da ich sehr oft, fast ausschliesslich unbewusst handle, fällt mir es mir so schwer zu erkennen, was die Ursache meiner Gedanken, Gefühle und Handlungen war und vor allem, was die Folgen sind. Aber zurück zu meinem Problem mit der kommenden Woche und der Abwägung der Anforderungen, die das Leben an mich stellt. Zurück zur Frage der Priorisierung, der Ursachen und der Auswirkungen.

Also, ich weiss, was ich machen muss, um die Auswirkung meiner Abwesenheit in Berlin zu minimieren. Übrigens genau das gleiche, was ich machen würde, um die Auswirkung meiner Anwesenheit zu maximieren: voll und ganz da sein, mich engagieren und Achtsamkeit und Aufmerksamkeit investieren.

Es ist fast zu leicht! Aber das an einem Samstag Morgen zu erkennen, ist das eine. Sich seine Handlungen und Entscheidungen bewusst zu machen und vor allem, die Konsequenzen aktiv anzunehmen und so sein Leben selbst zu gestalten, ist das andere.

Alles hat Auswirkungen und alles hat Ursachen. Ob sie mir gefallen oder nicht, ist dabei sekundär. Ob sie anderen gefallen oder nicht, ist ebenfalls nicht entscheidend. Das ich ganz am Leben bin, also ganz bewusst bei dem bin, was ich tue, das erst macht es leicht(er)!

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Wünsch Euch einen leichten, klaren Start ins Wochenende!

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