Über die Dynamisierung des eigenen Verhaltens…

Berlin, 6:10, Tag 586

Heute bin ich mitten im Traum aufgewacht. In der letzten Szene quetschte ich mich grade zwischen eine Glastür und einen Tresen, um zu einem Herrn x vorgelassen zu werden. Im Rücken drückte die Glastür, am Bauch drückte der Tresen und nun bitte einmal das Wir-Lieben-Pförtner-Programm abspulen. Der Wecker haute mich aus dieser Szene und liess mich alles davor instant vergessen.

Jetzt habe ich hier schon fast zwanzig Minuten mit verschiedensten Dingen verdaddelt, also Mails gelesen, ein paar Tickets kommentiert, ein paar Benutzer in einer neuen Umgebung eingerichtet. Aber beim Meditieren vorhin, wollte ich doch über die Dynamisierung des eigenen Verhaltens schreiben.

Eigentlich hat jeder Mensch, den ich so treffe und mit dem ich mich näher unterhalte, irgend ein Problem oder einen Traum. Also irgend ein Ding, was stört oder wenn es gelöst oder da wäre, das Leben verschönern würde. Man braucht gar nicht lange, um bei einer Unterhaltung darauf zu stossen. Ich nenn das jetzt mal Entwicklungsfelder.

Ich hatte hier letzte Woche über die Motivatoren geschrieben, die uns antreiben: also Lust/Schmerz, Hoffnung/Angst und Anerkennung/Ablehnung. Damit komme ich schon sehr weit. Es gibt dabei aber immer noch so etwas wie: Ego, Identität oder auch Besitz und Fähigkeiten.

Manche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihr Bankkonto: wenn sie viel drauf haben, halten sie sich für wichtig, erfolgreich und besser als andere. Nimmt man ihnen Geld weg oder ist man vermeintlich dafür verantwortlich, dass sie nicht so viel Geld bekommen, wie sie meinen zu verdienen, fühlen Sie sich angegriffen und erzeugen Konflikte.

Manche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihren Job: wenn sie als Steuerberater, Entwickler oder Chef gebraucht werden, dann halten sie sich für wichtig, erfolgreich und besser als andere. Kritisiert man sie in ihren Job, oder gibt ihnen auch nur Feedback, dann fühlen sie sich persönlich angegriffen und verteidigen ihre Entscheidungen vehement. Meist versuchen sie mir dann zu beweisen, dass ich ja keine Ahnung von ihrer jeweiligen Profession hätte, ich wäre ja kein Steuerberater, Entwickler oder Chef in ihrer Firma deshalb kann ich das nicht ver- oder beurteilen und schon gar nicht kritisieren.

Mansche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihre Hobbies, andere über ihre Familie, andere über ihr Frau oder Mann sein. Manche identifizieren sich nur mit ihren Erfolgen in der Vergangenheit und vergessen das jetzt. Andere leben nur für die Zukunft und leiden unter dem Jetzt.

Hah! Ich nenn das mal Besitz/Verlust Motivation , als viertes Paar. Ich zum Beispiel, bin eigentlich ein klassischer Weg-Von-Mensch, ich renne weg von Schmerz, Angst, Ablehnung und Verlust. Wenn ich davon nicht bedroht werde, bin ich normalerweise nicht motiviert, faul, mache nichts. Ich habe dann ein Verhalten entwickelt, das ich auch Selbstsabotage nenne, mit dem ich mir ein entsprechendes „schlechtes“ Umfeld erzeuge, einfach um motiviert zu bleiben.

Aber wie ist das denn jetzt mit der Dynamisierung des Verhaltens? Ach ja klar, darum ging es hier ja. Also, all die Konzepte, die ich eben beschrieben habe, zeigen ja leider keinen Weg zu einem glücklicheren und schöneren, erfüllterem Leben. Sie erzeugen im besten Fall eine Erkenntnis oder Einsicht in bislang unbewusste Prozesse.

Der Schlüssel zur Veränderung von wiederholt unangenehmen Erfahrungen, Misserfolgen oder Fehlern liegt ausschliesslich in der Dynamisierung des eigenen Verhaltens, in der Flexibilisierung unserer eigenen Muster und Gewohnheiten. Wenn wir merken, dass wir Angst, Ärger, Schmerz, Leid erfahren … dann reagieren wir sehr oft sehr eindimensional, berechenbar.

Vielleicht noch ein Beispiel: Angstvertrieb. Es wird oft Werbung erstellt, um bei uns Ängste auszulösen, meist vor einer beliebigen Bedrohung: Jobverlust, Haus brennt ab, Krankheit, Unfall. Und zufällig hat der Werbetreibende, der die Angst bei uns erzeugt, ein Gegenmittel, vielleicht gar Versicherungen parat.

Nur gehen diese Ursachen der Ängste -also die Gefahren- ja mit Abschluss einer Versicherung nicht weg, sondern sie bleiben bestehen. Auch wenn man alle Versicherungen hat und alle mit dem RundumSorglosPacket und dem Europa Schutzbrief für alle Eventualitäten zusammen. Das Haus ist nicht besser gesichert, man ist nicht besser im Job, man wird nicht nicht krank, man verhindert durch eine Versicherung nicht einen einzigen Unfall, man mildert nur die Folgen ab.

So ähnlich ist es mit all unseren Ängsten, Ärger, Schmerz und Leid und genauso natürlich mit all unseren Träumen, Wünschen, Zielen und Idealen. Auch dabei reagieren wir sehr oft berechenbar, wir sind wie im Autopilot. Wir vergleichen uns vielleicht oder suchen noch nach Abkürzungen. Aber meist begründen wir uns nur, warum das Leben so ist, wie es ist und dass man mal müsste, könnte, sollte.

Aber wie ist das denn jetzt mit der Dynamisierung des Verhaltens? Stimmt, darum ging es hier. Stellt Euch mal vor, wir würden nun anfangen, unsere üblichen Reaktionen auf unsere Ängste zu flexibilisieren. Vielleicht merken wir dann, dass unsere Angst genau so ein flüchtiges Gefühl ist, wie unser Glück. Wir können unsere Ängste oder die Suche nach Glück unser Leben bestimmen und kontrollieren lassen oder wir entscheiden uns anders. Wir können uns die Ursachen und die Wirkungen dieser Gefühle mal genauer anzuschauen. Allein dadurch gewinnen wir eine enorme Zahl an Möglichkeiten, unser eigenes Leben selbst zu gestalten.

Die Buddhisten nennen das Loslassen. Wir können unsere Ängste loslassen, wir können das wirklich tun. Wir können unseren Traum vom Lottogewinn loslassen, ja wir können das!

Eine Warnung: Diejenigen, die bisher unsere Knöpfe gedrückt haben und von unseren immer gleichen Reaktionen ihren Lebensunterhalt bestritten haben, die können richtig sauer auf uns werden, wenn das plötzlich nicht mehr funktioniert.

Wir können uns aus Angst vor Krebs die Brüste amputieren lassen oder alle Versicherungen kündigen. Es ist immer nur unsere eigene Entscheidung, es ist unser eigenes Leben. Nur wir haben es selbst in der Hand!

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Wünsch Euch einen klareren Tag!

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