Berlin, 6:10, Tag 588

Heute Nacht habe ich mich mit Aleyna in einem Haus voller Menschen versteckt. Sie war ernsthaft bei der Sache. Ich wusste nicht, ob sie Angst spürt oder nur aufmerksam ist. Johanns riesige Dachlandschaftsterasse über den Dächern einer unbekannten Großstadt hat uns gerettet. Er hatte Besuch. Wir zogen uns für die Begrüßung in eine Ecke der Terasse zurück. Ich hatte Höhenangst, das Geländer nur zwei Stangen und so niedrig, dass ich an den Rand robben musste. Unten sah ich Menschen, die sich auf einem Stück Rasen in der Mitte einer Allee mit 20l Kanistern halbvoll Wasser bewarfen. Es war ein grosses Spiel. Ich wunderte mich über ihre Kraft. Ich wollte fotografieren, mir eine Kamera besorgen. Es gäbe einen Laden unter uns. Es war nur ein Rossmann, der nur für mich in das Haus eingebaut wurde und nachher gleich wieder verschwunden sein wird. Es blieb nur ein grosser leerer Raum übrig, mit kahlen neonbeleuchteten Wänden. Ich wachte auf…

Der Unruhegeist ist gerade sehr stark in mir. So stark, dass ich versucht bin, mich krank zu fühlen und zum Arzt zu gehen. Mein Geist springt noch schneller als sonst von Thema zu Thema, von Gefühl zu Gefühl. Es ist so, also ob ein Turbo angesprungen ist, der mich noch sensibler für alles um mich herum macht, als ich eh schon bin.

Als ob gleich alles aus einander fliegt und seine wahre Natur offenbart: ist vielleicht doch nur alles nur eine Simulation. Aliens spielen ihr Civ 23 – Universe Edition. Der Spielstand nach 13,73 Mrd Jahren: unentschieden, sich immer noch ausdehnend.

Ein lieber Freund lobte mich für die Entwicklung meines Schreibstiles hier. Nun fühle ich mich gehemmt. Wie? Ich habe mich entwickelt, was wie warum, wieso? Gut oder schlecht? Was, wenn es wieder weg geht?

Gestern habe ich das schönste Grab auf der ganzen Welt entdeckt. Es ist hier gleich um die Ecke und ich habe es gestern zum ersten Mal gesehen. Obwohl dort der naheliegendste Geldauatomat ist. Jetzt weiss ich auch, warum. Er ist nur deshalb dort, damit ich diese Stelle entdecken konnte.

Gestern war es endlich soweit. Man sieht das Grab vom Fussweg aus. Man braucht nur durch den Zaun zu schauen. Der Moment der Entdeckung war tausend mal schöner und intensiver, als es sich hier auf dem Bild wiedergeben lässt. Und niemand ausser mir, nahm davon Notiz.

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Dabei verstehe ich das Friedhofsphänomen eigentlich gar nicht so richtig. Ich habe keine Zugang dazu, das religöse Verbrämen des Todes stört mich am meisten. Dieses spekulieren über ein Leben danach, ein Bewusstsein danach, die Drohung der Hölle, die Verheissungen des Paradieses. Echt? Ihr meint das wirklich so, wie ihr das sagt? Wow!

Ein Platz der Erinnerung an seine Lieben zu haben, die Errinerung in einen Stein zu meisseln. Vielleicht solch einen Platz dafür zu schaffen. Und dann die Verbindung von allem mit allem zu spüren. Ja, das ist es. Für mich.

Ich laufe beschwingt nach Hause, nur fünf Minuten. Ich sehe den Menschen in die Augen. Ich sehe, manche wundern sich über meinen Blick. Ich lächle sie innerlich einfach an, dann haben sie keine Angst vor mir, dem Unbekannten.

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Wünsch Euch einen ganz leichten, luftigen Freitag…

 

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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