In den den Sonntag, mit einem kleinen Herz…

Bizimköy, 6:51, Tag 631

Heute Nacht war ich auf einer Party in einem dunklen Park, ich konnte die Teilnehmer nicht erkennen, nur Lichter und Schatten und Geräusche. Ich schaffte es zum Bus, der zum Flughafen fuhr. Es ging einen Berg hoch, Wasser kam uns entgegen. Der Bus wurde zum Boot und wir schwammen den Berg hoch, gegen den Strom und wichen Bäumen aus. Ich wachte kurz vor einem Gewitter auf, das eine Stunde später schon wieder vorbei ist. Nun scheint die Sonne und der Sonntag kann beginnen…

Eines meiner Sommerprojekte wird Speckstein werden. Das habe ich schon vor ein paar Wochen beschlossen. Ein paar Feilen, ein bisschen Sandpapier und einen kleinen und einen grossen Stein habe ich schon mitgebracht.

Das erste kleine Experiment startete heute morgen: heraus kam ein kleines Herz für mein kleines Herz.

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Bin noch etwas eingerostet, aber für den Start ganz zufrieden. Meine Hände sind heile und der Stein ist beim Loch bohren nicht zerbrochen. Das war ein schöner, ruhig-meditativer Start in den Sonntag.

Meine Sommerprojekte ergaben sich in der Vergangenheit immer erst rückblickend, irgend ein wiederkehrendes Thema oder eine Aufgabe. Ich erinnere mich, vor ein paar Jahren war es mal Brain Challenge auf dem iPhone durchspielen oder die Portraits der Gemüsemärkte in Akcay machen. Vor zwei Jahren habe ich mich ganz in Excel versenkt, unter den Tabellen leiden meine Kollegen heute noch.

Letztes Jahr erinnere ich mich nicht, vielleicht weil ich hier jeden Tag geschrieben habe, könnte das mein Sommerprojekt gewesen sein. Nun hab ich mich ans tägliche Schreiben hier so gewöhnt, dass ich noch Kapazität für ein zweites Projekte habe. Zum Ausgleich für das viele am Laptop sitzen, wollte ich wieder mal was Handwerkliches machen, auch etwas mit den Händen und mit Geduld, aber mit einem anfassbaren Ergebnis.

Und? Habt Ihr schon ein Sommerprojekt?

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Wünsch Euch einen ruhigen Start in den Sonntag!

 

Why Open? Mein TEDx Talk ist Online…

Noch Istanbul, CET 6:59, Tag 630

Heute Nacht erinnere ich mich nicht an meine Träume, echt nicht. Irgendwie haben ein paar Szenen des gestrigen Flugfilms: Ridley Scotts‘ Prometheus Eindruck hinterlassen. Beim Nachfühlen kamen einige der sehr starken Bilder des Films, aber kein Traum mehr…

Dann wollte ich Euch noch mein TEDx Video zeigen. Der Ton ist schlecht zu verstehen, aufgrund von technischen Probleme mit der Funktechnik. Das ist etwas schade, aber wenn ihr Euch anstrengt, dann geht es vielleicht. Und ich muss unbedingt etwas mit meinen: Ähms machen! 😉

Ich konnte das Video bis heute nicht noch einmal anschauen. Ich trau mich einfach nicht und wenn ich das dritte Ähm bemerke, schalte ich weg.

Jedes mal, wenn wir durch solche Quellwolken fliegen, berührt mich deren Architektur extrem und ich muss ein Foto machen.

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Genau vor einem Jahr habe ich ein schönes Bild vom neuen Flughafen machen können, auch dieses mal sass ich ganz günstig, aber die Bedingungen waren nicht so ideal für eine Foto. Aber hier kann man den Flughafen Tempelhof und sogar die Hasenheide dahinter erkennen, wenn man weiss, wie die aussehen.

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Später schon im Sinkflug, kamen wieder schöne Wolkenformationen näher…

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Die uns schliesslich beim Landeanflug auf Istanbul durch wirklich spektakuläre, durch die Abendsonne gefärbte Nebelbänke führten, die in diesem Bild mit Schiff gipfelten:

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Hier werdens knapp über 30 Grad bei Sonne mit ein paar Wolken, da kann ich mich grad nicht beschweren! So, jetzt noch Frühstück, dann Packen und wir verlassen Istanbul für den Sommer…

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Wünsch Euch mit einem vorfreudigen Lächeln einen sonnigen Tag

 

Wer findet den Buntspecht?

Noch Berlin, 6:22, Tag 629

Heute Nacht habe ich mich mit dem Europäischen Patentamt getroffen. Erst einmal bewunderten wir Werbegeschenke, aufsteckbare Krawattenverschönerer, die sich wie ein goldenes Skelett um den Krawattenknoten legen und ihn in Form bringen. Das EPO verbietet seinen Mitarbeitern nun mit dem Taxi zu Meetings zu fahren und den Rest des Traumes hab ich mit der Dusche vergessen…

Wäre ich gestern Abend nicht noch eine Runde über den Riesenfriedhof hier in der Bergmannstrasse gedreht, dann hätte ich mich gestern überhaupt nicht vom Laptop weg bewegt. Auf meinem Fitbit hatte ich grade mal 1.500 Schritte Abends um 7. Wir sitzen an der Kalkulation und den Angeboten fürs 2. Halbjahr, das am Montag beginnt. Damit beide Seiten gewinnen können, sind einige Änderungen, einiges Strecken, einige Verbesserungen notwendig, die ich gerne vor meinem Urlaub noch erledigt hätte. Wobei ich wohl auch diesen Sommer keinen wirklichen 2 Wochen Cliché Urlaub machen werde, vielleicht ein paar Tage Offline im Sommerhaus, vielleicht ein paar Tage spontan irgendwo in den Süden.

Die Friedhöfe an der Bergmannstrasse sind meine Entdeckung dieser Tage. Nachdem ich mit Ingress mehr auf mein Smartphone schauen muss, beim Spazieren gehen, bin ich jetzt wieder ganz bei meiner Umgebung und lasse mich treiben. So habe ich den riesigen Friedhof gestern einmal komplett umrundet. Es sind eigentlich drei oder vier Friedhöfe,  die zusammen gewachsen sind oder einfach nur zusammen angelegt wurden.

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Wie ein riesiger, ruhiger Park keine 300m weg von hier. Ich war ab und zu schon mal auf in den letzten Jahren auf einer Bank gleich gegenüber der Post, wenn ich Mittags etwas Zeit hatte oder ich mich beruhigen musste. Aber so richtig auf Entdeckungsspaziergang bin ich nie gegangen. Das hat sich nun geändert.

Langsam finde ich mich auch zurecht. Die vier Friedhöfe sind durch Mauern getrennt, die nur an manchen Stellen unterbrochen sind. Das erschwert die Orientierung etwas vor allem für mich als Neuling. Nach drei langen Streifzügen, kriegt mein interner GPS Sensor das jetzt ganz gut hin, weil ich viele Blickwinkel wieder erkenne und durch Querwege die Richtung nicht mehr verliere.

Hier meine Schnappschüsse von gestern Abend. Die starken Kontraste haben das iPhone etwas überfordert. Ich musste oft mit Hand eine Sonnenblende formen, um bis in die Schatten zu kommen und graues Überstrahlen der Ränder zu vermeiden. Auch sind die Linien eine echte Herausforderung für mich. Die Gräber sind doch vergleichsweise kompakte Objekte, bei denen Verzerrungen und Schrägen viel mehr auffallen als bei Streetfotografie. Dort sind die Objekte, als die Häuser und Strassen und Laternen und Schilder ja viel, sehr viel größer und man kann sich ein paar gerade Linien raussuchen. Auf dem Friedhof ist schnell das ganze Objekt im Sucher.

Am meisten beeindrucken mich die Gräber um die Jahrhundertwende so gegen 1900, die monumentale Architektur der noch Kaiserzeit und der Reichtum nach der  Gründerzeit sind sehr deutlich zu spüren. Sehr, sehr schön! Wer möchte, kann sich gerne mit mir zu einer Führung verabreden, dann braucht er nicht selbst auf dem riesigen Areal zu suchen. 😉

Hier nun aber endlich die Bilder, ohne Kommentar einfach hintereinander weg in gross. Einen hab ich noch: ich hab sie gestern fürs iPhone nachbearbeitet, also nicht wundern, die Farben sind hochgezogen in meinem Instagram Stil, den ich die letzten Jahre entwickelt hab. So!

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Wünsche Euch lächelnd, einen ganz grossartigen Freitag!

Alles wird einfach, wenn man dabei lacht…

Berlin, 6:25, Tag 628

Heute Nacht war ich in der Wüste, überall Sand. Ich lief durch ein paar Schluchten und wurde gejagt. Ich spürte meine Feinde, wenn sie auf mich zielten und konnte immer ausweichen. Einmal kletterte ich einen Sandberg hinauf. Bemerkte dann, dass es der Körper einer riesigen Statue war, ich brach den Unterkiefer ab, als ich mich mit letzter Kraft an den Lippen hochzog. Die Nase schien sehr sandig, so dass ich’s übers Ohr versuchte. Schliesslich stand ich auf dem Kamm des Berges, aus dem der riesige Kopf gebildhauert war. Ich war entkommen…

Die Verhandlungen sind vorbei. Mir ist nach Feiern zumute. Wir haben gewonnen. Sie haben auch gewonnen. Es ist alles gut. Und alles ist lustig, immer! Sie haben gekriegt, was sie forderten. Wir haben gekriegt, was wir forderten. Aber warum tun wir das? Egal! Alles wird einfach, wenn man dabei lacht.

Alle ziehen grade um, openpatentdata.com auch. Die Miete war zu teuer, die alte Wohnung wurde deshalb zu klein. In der neuen Wohnung: da gibt’s erst mal genug Platz. Und Irgendwann ist jeder Umzug abgeschlossen, die Möbel aufgebaut, die Lampen aufgehängt, alle Kisten ausgepackt. Wenn der Einzug gefeiert werden kann, melden wir uns wieder! Wir haben sogar ein Umzugsschild:

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Wir bauen hinter den Kulissen noch weiter an unserer Vision von Offenen Patent Daten und bereiten zwei weitere Wohnungen vor:

Einmal PatDex: eine super einfache, super schnelle, super schöne Machbarkeitsstudie unseres Designers Brent, der sich mit Meteor grade Programmieren bei bringt. Hier bei Github könnt ihr Euch sogar die Sourcen anschauen und selbst mit machen, wenn Euch der Ansatz auch so gefällt wie uns.

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Das zweite ist noch nicht spruchreif, nur soviel: ich wollte auch unsere Middleware austauschen und mit Ruby und einem anderen Entwicklerteam neu aufsetzen. Auf dem Weg dahin entsteht viel Neues. Aber ob und wann wir umziehen, steht noch nicht fest.

Vor 17 Jahren sass ich einmal allein im Rechenzentrum der Landesbank Berlin. Ich betreute zusammen mit Peter die OS/2 LAN Server. Also Peter war für die Server zuständig und ich brauchte sie, um eine Software mit von mir selbst programmierten Scripten in alle Fillialen zu verteilen. Mit der Software konnten die Berater Hausfinanzierungen berechnen, incl. Bauspar und Versicherungsmodul. So was war der Knaller damals.

Ich spielte mehrere Updates ein, denn ich wollte der Landesbank einen Gefallen tun. Peter war viel teurer als ich, weil er von Compunet kam und Jost Stollman persönlich kannte. Als ich dann endlich soweit war und den Server und den Reset Knopf drückte – da passierte es.

In genau dem Moment fiel mir ein, dass ja noch etwa 400 Mitarbeiter einer Abteilung darauf arbeiteten und ungespeicherte Dateien geöffnet hatten. Mein Daumen hatte den Knopf gedrückt und ich bemerkte, wie er sich langsam weiss färbte. Wenn ich jetzt los lies, hatte ich ein Problem.

Mit der anderen Hand kam ich grade so ans Telefon, aber nicht an mein Laptop am Schreibtisch zwei Meter weit weg. Also rief ich Peter an, der -weil er gut war- den Server remote stoppen konnte, denn genau das hatte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vergessen. Mein Daumen wurde taub, weil Peter nicht nur teuer, sondern auch noch langsam und sehr bedächtig war. Nach über einer Stunde war er sicher, dass keine Dateien mehr geöffnet war. Ich spürte meinen Daumen nicht mehr. Als ich die Hand endlich weg zog, lachte ich laut auf! Vor Erleichterung und Glück und weil der Schmerz nachliess…

Mein Kampf um die offene Dateien auf dem LAN Server machte die Runde in der Bank. Ein Projektleiter hörte davon und als der Rollout abgeschlossen war, bekam ich bei ihm einen neuen Job und war wenig später alleine zuständig für alle 17 Mailserver der 4.000 Bankmitarbeiter. Mit diesem Job verdiente ich so viel Geld, dass ich meine erste Firma gründen konnte.

Aber seit diesem Tag vor 17 Jahren lass ich die Knöpfe, die ich drücke, immer gleich wieder los. Seit diesem Tag vor 17 Jahren denke ich bei allen „Don’t press the red button“ Projekten, an meinen Daumen und an Peter und klicke mich lächelnd weg.

Seit diesem Tag vor 17 Jahren weiss ich, dass offene Dateien etwas sehr Gutes sind. Wenn man drüber lachen kann! Also, vergesst nicht: alles wird einfach, wenn man dabei lacht. Denn wenn man selbst nicht lacht, dann lachen andere…

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Es ist ein Dschungel da draussen…

Berlin, 6:25, Tag 627

Heute Nacht hatte ich einen leichten Alptraum. Auf einer Dschungelfahrt mit dem Boot auf einem Fluss bemerkte jemand plötzlich kleine Blutegel an mir und zog sie mir einem Ploppen von meiner Haut. Einer war schon zu tief, links hinten am Rücken über den Nieren. Ich wachte kurz nach 2 auf, als jemand versuchte ihn rauszuholen und träumte davon sogar weiter, als ich mich wieder hinlegte. Erst ein Atem zählen und Lächeln beendete das zum Glück schmerzfreie rumpulen…

Es passiert so viel gerade, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Diese Tage sind intensiv und lang und schön und produktiv! Ich könnte wieder nur Tagebuch schreiben und Euch von den fünf Treffen/Meetings/Abstimmungen gestern nacheinander erzählen. Na, ich picke mir nur eines raus:

Gestern mittag habe ich einen schönen Podcast mit meinem Freund Tony für GuerrillaFM aufgenommen: über meine 3 Schritte, 7 Ebenen und 2 Grundsätze bei (Preis)Verhandlungen mit dem Einkauf. Das könnte ganz gut geworden sein.

Das passt ausserdem extrem gut, weil ich -was der aufmerksame Leser schon weiss- eben gerade in diesen Tagen wieder mal eine grosse Runde beim Einkauf drehen darf und ich somit mitten im Thema stecke. Abonniert am besten gleich den Podcast in iTunes oder als RSS, sonst verpasst ihr das noch 😉

Oder schaut Euch das vorher erst mal an: denn Tony hat grade eben eine spitzenmässiges neues Design und Layout für GuerrillaFM gelauncht:

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Was auch toll ist, durch dem Podcast entsteht eine kostenlose, frei verfügbare Wissensbibliothek zum jederzeitigen Nachhören zu sehr viele Themen rund um einen sehr weit gefassten Marketingbegriff.

Seit vier Jahren schon erscheint dieser wöchentliche Podcast, den ich wirklich jedem empfehlen kann, der irgendwie noch im Berufsleben steckt, aber auch denen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr oder noch nicht verdienen müssen, seien diese 20m Marketing pro Woche ans Herz gelegt, denn…

…es ist ein Dschungel da draussen! 😉

 

Jm Weltall geht nicht’s verloren. Es ist alles nur Wandel.

Berlin, 6:27, Tag 626

Heute Nacht habe ich natürlich geträumt und ich hätte den Traum auch festhalten können, nur ich wollte nicht.

Es regnet hier gerade und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Dabei bin ich gerade aufgestanden. Der gestrige Tag war wieder sehr intensiv, vormittags bestimmten die noch andauernden Einkaufsverhandlungen. Dann ein spontanes Mittagessen mit einem unserer langjährigen externen Mitarbeiter, mit denen wir ja ebenfalls verhandeln dürfen. Ich hatte vorher beschlossen: keine Spielchen, einfach alles(!) offen legen und unsere Bedürfnisse in der Zusammenarbeit klar benennen.

Und ich wurde belohnt. Wir haben verhandelt und es hat auch hier Spass gemacht. Das Feedback, das wir uns gaben und die Ideen, die wir in den nur 50m entwickelten, euphorisierten mich regelrecht: SEMCO, der mich vor 10 Jahren schon gefunden und extrem begeistert hat, die Diskrepanz beim Wollen und Sein, also eigentlich Leadership und ein gegenseitiges Sehen… bei Tomatensuppe und Spargelauflauf im Felix, schön!

Dann wurde es etwas schwieriger. Wie soll ich das beschreiben? Ich habe es noch nicht verdaut und verstanden, was genau passiert ist.

[… und wenn ich das verstanden hab, zeig ich Euch den Text wieder, der hier mal stand]

Ich suche sehr gerne im Aussen nach einer Lösung für meine Probleme. Immer schon. Ich lese ein Buch, führe ein Gespräch, bin auf einer Konferenz, lese im Netz und bin überzeugt, dass das was dort geschrieben steht, bei uns passt: und adaptiert werden kann. Ich bin schnell im Vergleichen und im Finden von Gemeinsamkeiten: Ja, genau wie bei uns! Die haben das so gemacht und dann ging es besser! Das müssen(!) wir jetzt auch bei uns machen! 

Und genau das ist meine Suche nach Abkürzungen! Das ist meine Suche nach der einfachen Antwort für schwierige Fragen und meinem Drang nach schwierigen Lösungen auf einfache Fragen. Dabei weiss ich doch, dass Abkürzungen nicht funktionieren. Alles braucht seine Zeit. Alles hat seine Zeit. Ich kann die Zutaten bestimmen, ich kann die Bedingungen bestimmen, aber wenn ich das erledigt habe, dann braucht es auch Vertrauen oder Glaube und manchmal ein wenig Glück, dass die richtigen Dinge reifen und sich in die richtige Richtung entwickeln. Jaaa!

Nach langen 14h unter Spannung bekam ich dann meine Belohnung für den langen Tag in meiner Küche: die beste Pasta seit Ewigkeiten im Molinari.

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Mein Abendspaziergang über den Friedhof an der Bergmannstrasse führte dann zu unglaublichen Neuentdeckungen:

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Wünsch Euch einen grossartigen Tag mitten im Wandel.

Update: versucht, noch etwas abstrakter zu schreiben…

Update II: Mittelteil erst mal rausgenommen…

Es gibt immer Sonne hinter den Wolken und manchmal einen Regenbogen…

Berlin, 6:03, Tag 625

Heute Nacht hab ich doch soo wild geträumt, bin auch zeitig aufgewacht und war mir sicher, hier berichten zu können. Nope!

Ich fang mal mit dem an, was mich heute morgen bei Facebook begrüßte: eine typische Strassenszene in Istanbuls Zentrum gestern Nacht:

Die Polizei hat zum Glück schnell verstanden. Genau so könnt ihr Euch Istanbul im Zentrum rund um den Taksimplatz gerade vorstellen: in einer Strasse sitzt man friedlich beim Abendessen. Es ist 9 Uhr und alles klopft auf Töpfe und Pfannen. Nebenan auf dem Taksimplatz versuchen Menschen zu demonstrieren. Und die Polizei will die Demo auflösen und startet eine Aktion nach der anderen. Immer im gleichen Muster. Hier fehlte nur der Wasserwerfer. Und zum Glück feuert der Polizist nicht, der das Gasgewehr schon an die Schulter nahm.

Dann habe ich hier gestern Abend einen Artikel gefunden, der mich sehr ansprach. Nicht in allen Details, aber die allgemeine Linie stimmt. Und ich sehe diese Argumente, ich fühle, dass dort etwas dran ist, dass etwas passiert. Hier, in der Türkei, in Brasilien, überall…

People across the world are standing up and demanding that government be responsive to them, not to the rule of money; that the economy be re-made so it serves all in a democratic and egalitarian way.  Progress is being made toward the world we want, every day, by millions of people around the world. You are not alone, you are part of a worldwide movement.

Für mich ist auch das Internet wieder ein Teil der Ursache für diese Massenbewegungen. Ich war live über Facebook dabei, als in Japan die Erde bebt und Torsten aus einem Tokioter Hochhaus berichtete. Ich sehe live, wie die Demonstranten Twitter benutzen, um sich zu koordinieren und die Welt zu informieren. Ich benutze tägliche diese Kommunikationswerkzeuge. Sie machen uns klar, dass wir verbunden sind, dass wir alle überall ähnliches erleben, die gleichen Probleme haben. Und in dieser Argumentation machen die bislang streng geheimen, extrem aufwändigen und teuren #Prism und #Tempora Programme der Amis und Briten wirklich erst Sinn.

Und zum Schluss zu etwas ganz anderem. Eine Geschichte von Toby, die ich ebenfalls gestern hier auf Facebook fand und die mich extrem berührt hat:

Habt Ihr Euren Lehrer schon gefunden?

Wünsch Euch einen tollen Start in die neue Woche!

Gesehen werden…

Berlin, 8:40, Tag 624

Heute habe ich ausgeschlafen und zuletzt von einer Konferenz geträumt. In einem Hotel, in einem flachen Raum waren zu wenig Tische aufgebaut, ich sollte 4:10 sprechen. Die Präsidentin des DPMA war vor mir dran, es war eine andere Version der PATINFO. Eine Frau von einem PIZ klaute mir mein Kleingeld. Ich musste eine Etage hoch, zog mich um, traf Mirko und andere Freunde, war völlig relaxt. Dieses Chaos hier draussen, war kleiner als das in mir drinnen. Und das ist selten. Der Traum davor handelte sinnvollerweise von der Anreise, die gleichzeitig eine Abreise von einem anderen Ort war. Es sollte geflogen werden, ich kam nicht los, fand den Weg nicht, wir hatten ewig lange nur noch eine halbe Stunde bis zum Takeoff, waren also hoffnungslos zu spät, aber wir versuchten es trotzdem weiter. Den Traum davor habe ich vergessen. Den Traum beim Einschlafen auch.

Nun schreibe ich hier erst nach einem schönen Spaziergang und Frühstück mit Tilman und seiner Familie hier im Kiez weiter. Es ist schon halb 12 und damit unverhältnismässig spät für meine Schreibmeditation. Tja, strenge Morgenroutine oder einfach Annehmen was ist. Beides ist wichtig!

Heute will ich unbedingt übers Gesehen werden schreiben. Ich erinnere mich nicht mehr daran, ob ich schon so konkret darüber geschrieben habe. Nein. Eine kurze Recherche ergab ganz schöne Posts, aber es ging in ihnen nicht darum, was mich seit gestern Abend besonders bewegt.

Gestern Abend sah ich wieder Live Bilder von erneuten Protesten auf dem Taksim Platz in Istanbul. Die Polizei meinte nach ein paar Stunden friedlichen Protestes, dass jetzt alle ihre Meinung ausgedrückt hätten und nach Hause gehen könnten. Als niemand der Aufforderung nachkam, wurde der Platz mit den schon üblichen Wasserwerfern und Tränengasattacken geräumt, was natürlich zu stundenlangen Strassenkämpfen führte.

Ich habe mich wieder sehr darüber aufgeregt. Habe viel auf Facebook gefunden und gepostet! Habe wieder bedauert, dass ich nicht mit dabei sein konnte. Wollte wieder gleich Montag in den Baumarkt, mir eine gute Atemmaske besorgen, damit ich am nächsten Samstag zusammen mit den tausenden Menschen der Gewalt zu trotzen und sie unterstützen kann.

Durch meine Liebste sehe und verstehe ich auch die konservative Sicht auf die Proteste sehr gut. Ich sehe den tiefen Graben, der die türkische Gesellschaft durchzieht und der vielleicht am ehesten mit Moderne auf der einen und Tradition auf der anderen Seite beschrieben werden kann. Die Gegensätze sind so gewaltig, dass jede der beiden Gruppen sich in ihre eigenes Weltbild zurück zieht und sich hinter Extremen verschanzt. Was beide gemeinsam haben, sie identifizieren sich über das Trennende. Und wenn doch mal das Gemeinsame betont wird, dann nur um die Gegenseite damit zu vereinnahmen.

Die Polizei auf Seiten der Tradition, sieht nur die Ruhestörer. Die Demonstranten auf Seiten der Moderne, sehen nur die Gewalt der Polizei. Niemand sieht den Menschen unter dem Bau- oder dem Polizeihelm. Niemand sieht den Menschen unter den Gasmasken. Alle verwechseln die Seite auf der jemand steht, mit der Identität. Du, bist ein Chapuller? Und Du bist ein Polizist. Nein!

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Konflikte sich in Luft auflösen, wenn man die eigenen Vorstellungen, Label, Zuschreibungen, Titel, Gruppenzugehörigkeiten loslässt und „nur“ den anderen Menschen betrachtet. Die Na’vi in Camerons Avatar grüßen sich mit: Ich sehe Dich! Und genau diese Art des Sehens möchte ich hier erforschen.

Mein letzter Partner in der Firma hatte ganz eigene Vorstellungen von Strategie, Marketing und Vertrieb und damit unserer Zukunft. Er hatte klare Vorstellungen, was ich zu tun hatte, wie ich mich entwickeln solle, zu welchen Terminen ich gehen, welche Kunden ich gewinnen sollte. Er kümmerte sich um das Backoffice und hatte auch dort ganz genaue Vorstellungen davon. Jede Anregung, jeder Wunsch, jede Kritik haben wir gegenseitig als Angriff verstanden. Ich sah ihn als den alternden Senior, er sah mich als den jungen Wilden. Ich dachte, er war tief davon überzeugt, besser zu wissen als ich, was gut für unsere Firma und für mich ist. Als ich das 2005 so erkannte, trennte ich mich von ihm und startete mit Gunnar die heutige mtc.

Mein letzter Steuerberater hat jede Kritik an seiner Bilanzierungspraxis als Angriff auf seine Person, seine Integrität verstanden. Er hörte meine Wünsche und meine Anregungen und verstand doch nur Kritik an seiner Arbeit. Ich war für ihn bestimmt ein guter Kunde. Aber ich war für ihn auch jemand, der keine Ahnung von Steuern hatte, der sich um sein Geschäft kümmern sollte. Er würde den Rest schon machen. Seine Absichten waren ehrenwert. Sein Selbstverständnis führte dazu, dass er tief davon überzeugt war, besser als ich zu wissen, was gut für unsere Firma und für mich ist. Als ich das verstand, habe ich ihn 2010 gekündigt.

Wir brauchen Label, Zuordnungen, Titel in unserer Gesellschaft. Eine der ersten Fragen nach dem Kennenlernen: Was machst Du? Was bist Du? Die Antwort darauf sind oft Berufsbezeichnungen, die uns helfen sollen, eine Vorstellung vom anderen zu bekommen.

Wir machen das, weil wir oft nicht wissen, wie man den anderen Menschen sehen und erkennen kann. Wir haben oft keine Zeit und wohl kein Interesse. Vielleicht haben wir das wirklich verlernt. Es steht auf keinem Lehrplan und bei der Kindererziehung, ach hört auf! Das „Was willste mal werden, wenn Du gross bist.“ führt später genau zu diesen Verwechslungen, zur Betonung von Trennendem und so zu Konflikten.

Wie geht es denn, zur Begrüßung einfach nur zu sagen: Ich sehe Dich? Vielleicht nicht mit den Worten, aber mit den Augen. Wie geht es denn beim Hallo sagen, beim ersten Erkennen, nur den anderen Menschen zu suchen? Auf Reset drücken, die Vorstellungen loslassen, die Label, Bezeichnungen, Gruppenzugehörigkeiten  löschen.

Und dann zu fragen: Wie geht es Dir heute? Aus echtem Interesse für den anderen Menschen, der Person gegenüber, unabhängig von allem, was wir über ihn zu wissen meinen.

Erst in diesem Momenten des gegenseitigen Sehens, verbinden wir uns wirklich. Dann sehen wir wirklich. In diesen Momenten entstehen Geschichten, die wir auch aus der Türkei hören, wenn Davide mit dem Klavier die Menschen verbindet und die Polizisten die Helme abnehmen. Wenn sie die Nelken annehmen, die ihnen die Demonstranten gereicht haben. Diese Bilder, diese Momente haben die Kraft, sie berühren unsere Seelen. Eine Eskalation von Gewalt und Konflikten wird so verhindert.

Anderen Menschen unsere Vorstellungen von Ihnen aufzuzwingen, funktioniert nicht. Es erzeugt Widerstand. Es erzeugt so starken Widerstand, dass wir unweigerlich ins Handeln kommen: uns von unseren langjährigen Partnern trennen können, auf die Strasse ins Tränengas und in die Strahlen der Wasserwerfer gehen, den Anweisungen von gewaltbereiter Polizei eben keine Folge leisten.

Letzte Woche auf unserem Sommerfest, da habe ich das geübt. Ich habe versucht, jeden -den ich begrüßte habe- neu anzuschauen. Bei manchen gelang es, bei anderen noch nicht. Manchmal waren die gemeinsamen Erlebnisse und Erinnerungen noch zu stark, als dass ich sie loslassen konnte. Aber bei vielen klappte es schon ganz gut und das Strahlen des Lächelns zeigte mir, dass es gut war.

Ich hatte das früher mal meine Lächeltage genannt: Ich bin lächelnd durch den Tag. Habe jeden mit dem ich in Kontakt kam, einfach freundlich und offen angelächelt. Das Ergebnis war umwerfend. Ein Tag voller Licht und Sonne und guter Laune für mich und alle anderen. Eine Folge des Lächelns ist, dass es uns erlaubt hinter die Fassade zu schauen. Die Bedienung beim Starbucks fühlt sich ernst und angenommen. Die Stewardess lächelt zurück und giesst das Glas gleich voller ein. Der Busfahrer ist erstaunt über mein Danke beim Aussteigen. Der Bettler lächelt zum ersten Mal an diesem Tag.

Sich gegenseitig so zu erkennen, gehört für mich zu einfachsten und schönsten Wegen zu alltäglichem Glück!

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Wünsche Euch lächelnd, dass ihr heute alle gesehen werdet…

Wir werden uns auch an #PRISM und #TEMPORA gewöhnen…

Berlin, 6:47, Tag 623

Heute Nacht habe ich gut geschlafen und viel geträumt. Von einem Hochbeet, auf dem ich von unten mit einer langen Stange ein paar Pflanzen aussäte. Als ich wieder kam, pickten mindestens 3 Störche oben meine Samen wieder weg. Ich machte mein Sonnenaufgangsfoto, legte mich noch mal hin und träumte mich in die Verlängerung: eine Gruppe kam vom Hochbeet geklettert, die Königin eines der Stämme aus der Umgebung mit ihrem Hofstaat. Sie suchten eine Platz für die Hochzeit ihres Sohnes, leider hätte das andere Königshaus noch nicht geantwortet, ob das Beet ginge. Man würde mir Bescheid geben.

Es gab noch viel mehr, ich erinnere mich sehr gut an noch mindestens zwei Szenen, aber ich will mich und Euch nicht langweilen. An diesem ruhigen Samstag Morgen ohne viel Programm, ohne die Geschäftigkeit der Wochentage habe ich quasi noch Vollzugriff auf meine Träume. Ich kann wie bei #PRISM und nun auch bei #TEMPORA auf all die Daten der Nacht voll zugreifen. Das denke ich zumindest.

Meine Selbstzensur funktioniert trotzdem. Diese Selbstzensur sind die Algorithmen, mit denen die Geheimdienstler die gespeicherten Verbindungsdaten analysieren, um irgendwelche Erkenntnisse zu gewinnen, wer wann gefährlich für die Gesellschaft werden könnte, aber meistens wohl, um mehr oder alles an Information über bereits auffällige Menschen, vermeintliche Gegner, zu gewinnen. Meine Selbstzensur führt dazu, dass ich bestimmte Szenen ausspare und hier nicht erzähle, während ich andere Szenen Euch sehr gern sehr bunt beschreibe.

Ich hab gestern mit Tony einen Podcast darüber gemacht, wie ich Vertrieb in Grosskonzernen angehe, also wie ich Key Account Management mache, wie das die Amis und manche hier eben nennen. Mein 3. Punkt war, dass man alles über den Konzern herausbekommen müsse, man solle die Sprache des Konzerns lernen, die Publikationen im Netz und auch alles noch gedruckte einfach querlesen: Geschäftsberichte, Pressemitteilungen, Lebensläufe der Vorstände, Produktbeschreibungen, Strukturen. Erst wenn man die immer ganz eigene Sprache des Konzerns versteht, könnte man die wirklichen Probleme der Mitarbeiter des Konzerns sehen, die dann letztlich erst zu Aufträgen führen.

Im Grunde machen die Geheimdienste ja nichts anderes, wenn sie einen Verdächtigen oder irgend einen Anhaltspunkt haben, dann wollen sie alles über ihn wissen, mit wem hat er wann telefoniert, gemailt, welche Seiten schaut er sich an. Diesen Wunsch kann ich auf einer Seite voll verstehen. Wenn man dieses Profiling durchführt, dann kann ein Mensch einen anderen Menschen letztlich sehr genau beurteilen: wie radikal, entschlossen und damit gefährlich ist dieser andere wirklich? Dass es sich dabei um einige wenige oder viele von Millionen Menschen handelt, die so analysiert werden, ist klar. Dass aber eine kleine Gruppe oder selbst Einzelpersonen aufsehend erregende Straftaten vollbringen können, bei denen viele Menschen sterben, ist ebenfalls klar.

Nun wird viel über die Enthüllungen Edward Snowdens zu Prism und Tempora geschrieben. Wir sind empört, haben es doch schon immer gewusst, fühlen uns in unserer Freiheit beschränkt, bekommen eine difusse Angst vor dem unbekannten Überwacher, dem grossen Bruder, der alles mitlesen kann, was wir hier im Internet so tun. Wirklich! Es schaut immer jemand zu. Das kann zu äusserst unangenehmen Gefühlen, vor allem der Scham, bei fast jedem in unserem Kulturkreis führen.

Aber auch die Geheimdienste haben das Internet im letzten Jahrzehnt als den Heilsbringer begriffen, sind dem Hype aufgesessen, dass mit dem Web 2.0, mit der digitalen Revolution nun endlich bald Weltfrieden herrschen kann, das bald Hunger, Armut und vielleicht sogar die Überalterung der Bevölkerung verhindert werden kann. Es ist nur natürlich, dass auch sie dachten, dort mit machen zu müssen. Es war zu verlockend! Das Reality Distortion Field mit seinem Zentrum im Silicon Valley war so stark, dass man sich einfach diesem neuen Problem des immer stärker wachsenden Internets zuwenden musste.

Man dachte, dass es mit dem Internet nun auch eine Abkürzung für mehr Sicherheit gibt: und bald sind alle Verbrecher noch vor der Tat verhaftet und echte Terroristen werden schon beim Gedanken an eine Bombe präventiv nach Guantanamo geschickt.

Auch die Argumente, dass mehr Menschen im Strassenverkehr oder durch legalen Alkoholmissbrauch sterben, als durch Terroristen oder organisierte Kriminalität /Ausnahme Mexiko/ zusammen genommen, interessierte ja keinen mehr. Dass das Social Web, das neue Internet, die digitale Gesellschaft alle Probleme der Welt und auch diese löst, war nur noch eine Frage der Zeit. Es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren!

Ich denke, dass genau in diesem (Irr)glauben diese gewaltigen Überwachungsmaschinen gebaut worden sind.

Ich denke, dass auch die Chinesen genau so etwas auch haben. Wir haben oft genug Berichte über die Zensur und die Grosse Firewall gelesen und wie die Regierung ihre Überwachungsinfrastruktur nutzt, um ihre Feinde zu bekämpfen.

Aber das größte Problem ist der mögliche Missbrauch dieser Infrastruktur durch die Mitarbeiter selbst. Es lassen sich aus diesen Daten für sehr viele Menschen beliebige Skandale produzieren, die durch die Medien aufgegriffen werden können. Stellt Euch einen alten, hässlichen Innenminister vor, der jahrzehntelang hart gearbeitet und gekämpft hat und dann kurz vor Ende seiner Karriere mit dem Ministerposten belohnt wurde. Stell Euch weiter vor, ein viel jüngerer, gutaussehender Ministerkandidat der Opposition ist ständig in den Medien, die Umfragen sehen gut aus, die amtierende Regierung wird voraussichtlich abgewählt. Auf dem Computer des alten Innenministers blinkt der Cursor im #PRISM Eingabefeld? Könntet Ihr widerstehen und Euren Konkurrenten nicht „googlen“ und nicht nach einer Schwachstelle suchen?

Ich weiss, ich könnte es nicht. Als ich Anfang 20 in einer ostfriesischen Sparkasse das Bankgeschäft lernte, konnte ich es auch nicht. Durch mein Interesse für Computer arbeitete ich schon als Auszubildender in der Controlling- und damals noch EDV- genannten IT Abteilung der kleinen Bank. Ich bekam Vollzugriff auf das Banksystem und die Berechtigungen auch alle Konten von Arbeitskollegen einzusehen.

Mit einer einfach Abfrage: obl kundennummer bekam ich eine Übersicht über alle Giro- und  Sparkonten sowie die Depots der Kollegen. Das Monatsgehalt des Vorstandes: damals 1994 waren das 19.000 DM. Am meisten überrascht haben mich aber die 1,3 Millionen des alten, geizigen, alleinstehenden Kollegen aus der Wechselabteilung, die er hautsächlich mit hochverzinslichen West Berlin Anleihen, die er in den 70igern gekauft hatte, verdiente und weil er schon seit über 40 Jahren in der Bank arbeitete und seit Beginn an konsequent monatlich sparte.

Sehr schnell wurde mir dieses Spionieren langweilig, ich fühlte mich sehr unwohl dabei, so in die Privatspähre der Kollegen einzudringen, ausserdem war es natürlich „verboten“ so etwas ohne beruflichen Anlass auszuführen und natürlich wurden auch jede meiner Abfragen protokolliert. Aber eine Abstumpfung setzte ein. Ich hatte die Fähigkeit dazu, wendete sie aber unbewusst nicht mehr an. Nicht bei meinen neuen Freundinnen, auch nicht bei den Bekannten oder Kollegen, die mir das Leben schwer machten.

Diese Abstumpfung beobachtete ich immer wieder: bei meiner Arbeit in der Hauptkasse, bei der wir zwei mal am Tag, mit etwa 5 Millionen DM den kompletten Bargeldbestand der Bank zählten. Oder ich regelmässig als Geldkurier, aus Versicherungsgründen mit drei Rentern im Auto, maximal 800.000 DM in Lederkoffern durch Ostfriesland fuhr. Ich verlor den Bezug zu diesem Geld, es wurde mein Arbeitsmittel und war kein Zahlungsmittel mehr für mich.

Das gleiche passierte im übrigen zuvor schon einmal, als ich Ende der 80iger im Kuhstall arbeitete: im dem Kalbfleisch und Milch produziert wurde und ich lernte, die lebenden Fabriken zu versorgen. Das führte zu Beginn dazu, dass ich kein Fleisch essen und keine Milch mehr trinken konnte. Ich wusste ja und war Teil davon, wie das hergestellt wurde. Irgendwann war die Arbeit im Stall, die Arbeit im Stall und es gab keine Verbindung mehr, wenn ich eine Tüte Milch aus dem Kühlschrank holte. Das dauerte etwa ein halbes Jahr, bis bei mir diese Gewöhnung einsetzt.

Ich versuche zu verstehen, wohin mich hier grad meine Argumentation geführt hat?

Erstens vielleicht: es war illusorisch zu glauben, dass die Technologie des Internets nicht von allen Teilen der Gesellschaft voll benutzt wird. Jeder probiert das aus, auf der Suche nach Abkürzungen.

Und Zweitens wird ein Gewöhnungseffekt bei den Geheimdiensten und auch bei uns eintreten.

Und Drittens, ein Missbrauch dieser Möglichkeiten durch die Beteiligten Menschen lässt sich nicht verhindern.

Edwards Snowdens Enthüllungen über Prism und Tempora sind das beste Beispiel dafür, dass es nicht möglich ist, größere Projekte mit vielen Beteiligten über längere Zeiträume vollständig geheim zu halten. Vor allem nicht, wenn sie uns alle betreffen.

Ohne einen Reboot und vollständige Neuinstallation das aktuellen Gesellschaftsbetriebssystems aka Weltrevolution werden wir solche Programme zum Machterhalt der Mächtigen nicht verhindern können. Wir konnten es noch nie verhindern!

Ich träume aber weiter davon, dass durch das Internet, durch diese immer vollständigere digitale Vernetzung der Menschheit, der Missbrauch und Terror durch Einzelpersonen, Organisationen oder Institutionen irgendwann aufhört.

Ich träume weiter davon, dass das Gute über das Böse siegt. Ich bin ein Optimist!

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Wünsche Euch (un)wissend lächend einen tollen Samstag!

Gefühle wegatmen…

Berlin, 6:31, Tag 622

Heute Nacht bin ich beim Gewitter spät eingeschlafen und um 3 kurz panisch aufgewacht. Wir verhandeln neue Angebote mit unserem größten Kunden, mein Kopf lief auf Hochtouren mit hätten wir doch, könnten wir dann, würden wir sie, wenn wir… Gedankenspielen. Doch ich beendete ruhig atmend die schreienden Ungerechtigkeit unseres Kampfes um Fairness als David vs. Goliath. 😉 Ich habe so meinen Traum nicht fortsetzen können und der erneute leichte Schlaf löschte jegliche Erinnerung daran.

Mich selbst wieder zu balancieren, mich mit dem Moment und mir zu verbinden, ist das nützlichste Ergebnis meiner Meditationspraxis. Erkennen, Annehmen und Loslassen in wenigen Sekunden oder Minuten. Manchmal kann ich meine Gefühle wegatmen: ich sehe meine Wut, ich sehe die Ursache, ich sehe, dass ich mich wütend mache, ich sehe die Energie, die in meiner Wut steckt, ich kümmere mich um meine Wut.

Wenn ich mir das sage, in den Momenten in den ich mich über den Einkäufer aufrege, dann sehe ich plötzlich, dass ich mich auch über meine Trägheit in der Vergangenheit aufrege, dass ich den Anderen oder meine Umgebung nur als Stellvertreter oder Auslöser benutze, dass ich über die Abhängigkeit von diesem Kunden wütend bin, weil ich Angst davor hab, ihn zu verlieren. Weil ich gezwungen werden könnte, etwas ändern zu müssen. Weil ich mich wütend sehe, erkenne ich plötzlich, dass solche Abhängigkeiten natürlich und überall sind. Ich sehe, dass ich keine Angst vor Veränderungen haben muss, es ändert sich schon alles in jeder Sekunde.

Und dann, wenn ich dran bleibe, dann kommt vielleicht ein Moment, in dem ich mich entscheiden kann, erst mal mich besser zu behandeln, in dem ich erst mal nicht mehr wütend auf mich bin. Dann schreibe ich oft die Gedanken, die Ideen, die Felder der Wut auf. Ich mache mir Notizen, programmiere so mein Unterbewusstsein, wandle die Energie der Wut in eine Energie des Handelns um. Versuche die Entschlossenheit der Wut zu speichern für später, wenn ich am Telefon und noch mehr im Termin all meine Energie, all meine Kreativität, all meine Fähigkeiten brauche, um erfolgreich zu verhandeln.

Diesen neuen Umgang mit Wut zu trainieren führt dazu, dass ich mich wohler fühle mit mir, dass ich selbstbestimmter und freier lebe. Nicht mehr dem Diktat meiner Gefühle unterworfen, nicht mehr abhängig von meinen Gefühlen, sondern anerkennend, wohlwollend, achtsam mit mir, meinen Gefühlen und den Menschen und Dingen um mich herum umzugehen.

Falls ihr nicht wütend werdet, nehmt Ärger, Neid, Gier, Angst, irgend ein eher negativ wirkendes Gefühl. Und genau das funktioniert im übrigen auch mit unseren positiven Gefühlen. Wenn wir etwas anziehend, schön empfinden, wenn wir zufrieden sind und Glück empfinden, auch dann lohnt es, sich mit dem Atem zu verbinden und sich die Herkunft und die Folgen seiner positiven Gefühle klar zu machen. Aber das ist ein ander Post an einem anderen Tag…

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Wünsch Euch lächelnd einen Tag voller Gefühle!