Meine Eindrücke von der #PATINFO13

Ilmenau, 8:18, Tag 608

Heute Nacht habe ich toll geträumt. Ich habe bestimmt 10 min nach dem Aufwachen danach gesucht, weil ich es wirklich als intensiv und bewegend erinnerte, aber die Inhalte blieben dem Schlaf vorbehalten.

Da ich keinen Vortrag hatte, konnte ich gestern ganz entspannt den Vorträgen hier auf der PATINFO folgen.2013-06-06 11.55.11-1

Es geht hier um neue Wege der Patent- und Markeninformation. Ein in meinen Augen anspruchsvolles Motto des PATON’s als Veranstalter. Ich konnte natürlich nicht anders, als bei allen Vorträgen nach dem Neuen, nach den neuen Wegen zu suchen.

Das deutsche Patentamt überraschte mich gestern zweifach: Ein Vizepräsident berichtet über sein Selbstverständnis seiner Behörde als „staatliche Infrastruktur“. Eine interessante Bezeichnung, die sehr gut zum Motto passt. Wobei es eher um die Strassenbeläge ging, als um neue Wege.

Er erwähnte auf einer Folie, dass das Amt dabei sei, ein System für das Management von Kundenbeziehungen (CRM) und ein Ticket System für den Kundenservice einzuführen. Soweit so gut!

Dabei stellte er aber klar, welchen Stellenwert der Kundenservice für das DPMA hat: „Kundenservice machen wir nebenbei, neben dem Tagesgeschäft, dafür haben wir kein Personal.“ Oha! Er verabschiedete sich mit den Worten: „Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an meine Kollegen am Stand“ und bitte nicht an mich… vervollständigte ich dann in Gedanken. So etwas wird natürlich der Aufregung geschuldet sein, vor 400 Leuten zu sprechen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber trotzdem, ich mag den deutschen Beamten für solche Auftritte wirklich sehr. Und das meine ich wirklich nicht mal ironisch!

Dann das europäische Amt mit einem charmanten Franzose, der sich ehrlich freute mal auf Deutsch vortragen zu dürfen. Wobei die PATINFO ja rigoros darauf besteht, dass Vortrag und Präsentation in Deutsch gehalten werden.

Er ging direkt auf das Motto der Konferenz ein: „Neue Wege würden nur durch Kooperation und Strategisches Denken beschritten werden können.“ Eine Zahl, die ich mir immer wieder mal ins Gedächtnis rufen muss: 90% aller Patentveröffentlichungen werden bei den IP5, den fünf größten Ämtern getätigt. Da ist Deutschland noch nicht mal dabei, bzw. nur indirekt über die Anmeldungen, die parallel beim deutschen und europäischen Amt getätigt werden.

Hier unser Mark lachend beim Vorstellen bei unserer Vision von Zukunft: OPD

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Später an unserem Stand habe ich alles über Implantate erfahren können: eine völlig andere, neue Welt für mich.

Wusstet ihr, dass man Titan beim Galvanisierung je nach Spannung alle Farben des Regenbogens annehmen kann? Oder, dass es gegenläufige Gewinde, selbstschneidende Schrauben aus Titanlegierungen für 25€ das Stück, verschränktes und schräges Einschrauben gibt? Eine solche Hight Tech Platte zB für das Schienen von Knochenbrüchen (Traumas) vereinigt bis zu fünf verschiedene Funktionen? Innovationen seien eigentlich nur noch im Material möglich, aber nicht mehr in der Mechanik, dort scheint fast alles ausgereizt und auch schon patentiert. Genau solche Gespräche, sind das eigentlich Tolle an dieser Veranstaltung!

Dann gab es noch einen Vortrag vom DPMA über Internet Quellen bei der Patentrecherche. Interessant fand ich die aktuelle Lage der Gerichtsentscheidungen zu solchen Quellen.

Krass ist, dass er seit dem 14. Juli 2009 (zweitausendneun!) in Patentstreitigkeiten Veröffentlichungen im Internet als „Stand der Technik/Prior Art“ anerkannt wurden. In einer Entscheidung in 2003 hatte das Bundespatentgericht (BPatG) das noch anders gesehen. Hammer!

Danach gab es einen Überblick über die vom DPMA verwendeten Tools: incl. Google Scholar! Der Vortragende erklärte anhand eines Screenshoots sogar die Funktionen von Google Scholar. Ich glaube, vor zwei Jahren wäre dieser Vortrag noch nicht möglich gewesen. Google ist mittlerweile Infrastruktur und wird selbst vom DPMA nicht mehr als evil, oder als an Forschungsgeheimnissen interessiertes, gewinnorientiertes Privatunternehmen gesehen.

Ein Riesenerfolg der Lobbyarbeit von Google oder Einsicht? Komisch, wie die Patentgemeinde, also die gleichen Menschen die in 2011 bei der Verkündung des EPA Google Translate Deals die Verwendung von Espacenet abgelehnt haben, weil doch Google alle Recherchen speichern und sofort an die Konkurrenz verkaufen würde.

Nun im Jahr 2013, gibt das DPMA offiziell zu, auch in Google Suchmaschine und Google Scholar nach dem Stand der Technik zu recherchieren. Immerhin, um damit die Patentierbarkeit von Innovationen zu beurteilen. Eine tolle, unerwartete Entwicklung.

Ich vermute, dass diese Wende um 180 Grad hier niemandem auffällt. Ich erinnere mich aber sehr gut, an die damaligen Reaktionen. Ich frage mich, worüber diese Teilnehmer heute meckern? Wer heute der Feind ist?

Zum Schluss gab es sieben ausgewählte Kurzvorträge der über 30 Aussteller hier. Spannend war der Vortrag von Thomson Innovation, die wirklich ihr 50jähriges Bestehen ihrer Datenbank DWPI feiern. Das Alter einer Software als Alleinstellungsmerkmal. Da unser DEPAROM im nächsten Jahr auch schon 20 Jahre alt wird, überlege ich nun, das wohl das ganze Jahr lang zu feiern!

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So, jetzt habe ich diesen Blogpost geschrieben, während ich am Stand sitze und im Plenum Vorträge zuhöre. Sorry, ging nicht anders!

Übrigens sah so mein Bild am Zweitmonitor für unsere Standbesucher eben aus: ganz links DEPAROM, dann unser OPD und unser Stealth Projekt PATDEX, von dem noch gar niemand etwas weiss, gab es auch noch.

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Und da ich wohl doch ein Romantiker bin, hier noch drei Bilder zum Freitag. Einmal hier die Blumenwiese hinter der Festhalle. Nach dem Winter und Frühling, stand ich gestern minutenlang in einer Pause und habe mit allen Sinnen diese Wiese genossen.

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Nach dem Konferenzkonzert sind wir durch Ilmenau zurück zum Hotel gelaufen, als mich dieser Himmel gefangen nahm und mich erst im Austausch gegen ein Foto wieder frei gelassen hatte!

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Heute musste ich ausschlafen, so dass mein traditonelles Sonnenaufgangsbild etwas verspätet entstanden ist.

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Wünsch Euch einen Tag voller Leben und Freude!

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