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Lächelnd lief ich durch die Stadt, wieder sehend…

Berlin, 9:07, Tag 610

Heute Nacht sollte ich Aufräumen und beschwerte mich bei Tony darüber, dass ich doch kein Dekorateur sei. Ich wachte wieder pünktlich zum Sonnenaufgang auf, machte mein Foto und schlief dann doch noch eine Stunde lang weiter. Sonntags eben!

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Gestern habe ich meine Fokussierung auf Ingress ein wenig auflösen können.

Mir ist klar geworden, wie schnell Gewohnheiten zu Zwängen werden können: meine täglichen Fotos vom Sonnenaufgang, mein tägliches Meditieren, mein tägliches Schreiben, mein ständiges Ingress spielen. Und vorher mein Landlord-, davor mein Foursquare spielen, die meinem kontinuierlichen Smartphone Check einen Anlass und scheinbaren Sinn geben, das immerwährende Mail, DM, Twitter, News, Facebook checken überdeckend.

Mein Smartphone ist mein Hund geworden. Ein Hund, der ständig Gassi gehen will: dort ein Haufen, hier ein Bein heben, dort Schwanz wedelnd andere Hunde umspringend, hier und dort kläffend. Immer in Hektik, immer in Bewegung, fiepend, vibrierend, ständig hungrig nach nach meiner Aufmerksamkeit und Leckerli. Ein Streicheln, ein Tippen bringen kurze Befriedigung bis zum nächsten Reiz.

Und gestern bin ich von Mitte nach Hause in den Bergmannkiez gelaufen, mit meinem Smarthone in der Tasche. Ohne die Portale auf dem Weg zu hacken, die Resonatoren zu rechargen oder nach zu deployen, die Keys, Burster, Cubes, Shields einzusammeln.

Ein Genuss! Ein wahrer Genuss, einfach so durch die Stadt zu laufen. Es kommt mir vor, als ob ich mich überfressen hatte. Ich hatte nicht so sehr ein Katergefühl, schon eher der Tag, nachdem ein schlimmer Kater wieder weg ist.

Mit dieser Einsicht kam die Freude zurück und das Spielerischere, die Leichtigkeit.

Ich erkannte Minuten nach dem Loslassen des Zwanges, was die Attraktivität solcher Spiele, dieser neuen Technologien für mich ausmacht. Ich konnte schon Minuten später den Sinn meines tiefen Eintauchens in diese anderen, neuen Welten erkennen.

Nach dem Loslassen und dem Auflösen eines Zwanges kam tiefe Freude zurück, Freude darüber am Leben zu sein, Freude an der Technologie, an deren Möglichkeiten und Chancen. Lächelnd lief ich durch die Stadt, wieder sehend.

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