Berlin, 6:25, Tag 628

Heute Nacht war ich in der Wüste, überall Sand. Ich lief durch ein paar Schluchten und wurde gejagt. Ich spürte meine Feinde, wenn sie auf mich zielten und konnte immer ausweichen. Einmal kletterte ich einen Sandberg hinauf. Bemerkte dann, dass es der Körper einer riesigen Statue war, ich brach den Unterkiefer ab, als ich mich mit letzter Kraft an den Lippen hochzog. Die Nase schien sehr sandig, so dass ich’s übers Ohr versuchte. Schliesslich stand ich auf dem Kamm des Berges, aus dem der riesige Kopf gebildhauert war. Ich war entkommen…

Die Verhandlungen sind vorbei. Mir ist nach Feiern zumute. Wir haben gewonnen. Sie haben auch gewonnen. Es ist alles gut. Und alles ist lustig, immer! Sie haben gekriegt, was sie forderten. Wir haben gekriegt, was wir forderten. Aber warum tun wir das? Egal! Alles wird einfach, wenn man dabei lacht.

Alle ziehen grade um, openpatentdata.com auch. Die Miete war zu teuer, die alte Wohnung wurde deshalb zu klein. In der neuen Wohnung: da gibt’s erst mal genug Platz. Und Irgendwann ist jeder Umzug abgeschlossen, die Möbel aufgebaut, die Lampen aufgehängt, alle Kisten ausgepackt. Wenn der Einzug gefeiert werden kann, melden wir uns wieder! Wir haben sogar ein Umzugsschild:

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Wir bauen hinter den Kulissen noch weiter an unserer Vision von Offenen Patent Daten und bereiten zwei weitere Wohnungen vor:

Einmal PatDex: eine super einfache, super schnelle, super schöne Machbarkeitsstudie unseres Designers Brent, der sich mit Meteor grade Programmieren bei bringt. Hier bei Github könnt ihr Euch sogar die Sourcen anschauen und selbst mit machen, wenn Euch der Ansatz auch so gefällt wie uns.

Screen Shot 2013-06-27 at 7.29.54 AM

Das zweite ist noch nicht spruchreif, nur soviel: ich wollte auch unsere Middleware austauschen und mit Ruby und einem anderen Entwicklerteam neu aufsetzen. Auf dem Weg dahin entsteht viel Neues. Aber ob und wann wir umziehen, steht noch nicht fest.

Vor 17 Jahren sass ich einmal allein im Rechenzentrum der Landesbank Berlin. Ich betreute zusammen mit Peter die OS/2 LAN Server. Also Peter war für die Server zuständig und ich brauchte sie, um eine Software mit von mir selbst programmierten Scripten in alle Fillialen zu verteilen. Mit der Software konnten die Berater Hausfinanzierungen berechnen, incl. Bauspar und Versicherungsmodul. So was war der Knaller damals.

Ich spielte mehrere Updates ein, denn ich wollte der Landesbank einen Gefallen tun. Peter war viel teurer als ich, weil er von Compunet kam und Jost Stollman persönlich kannte. Als ich dann endlich soweit war und den Server und den Reset Knopf drückte – da passierte es.

In genau dem Moment fiel mir ein, dass ja noch etwa 400 Mitarbeiter einer Abteilung darauf arbeiteten und ungespeicherte Dateien geöffnet hatten. Mein Daumen hatte den Knopf gedrückt und ich bemerkte, wie er sich langsam weiss färbte. Wenn ich jetzt los lies, hatte ich ein Problem.

Mit der anderen Hand kam ich grade so ans Telefon, aber nicht an mein Laptop am Schreibtisch zwei Meter weit weg. Also rief ich Peter an, der -weil er gut war- den Server remote stoppen konnte, denn genau das hatte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn vergessen. Mein Daumen wurde taub, weil Peter nicht nur teuer, sondern auch noch langsam und sehr bedächtig war. Nach über einer Stunde war er sicher, dass keine Dateien mehr geöffnet war. Ich spürte meinen Daumen nicht mehr. Als ich die Hand endlich weg zog, lachte ich laut auf! Vor Erleichterung und Glück und weil der Schmerz nachliess…

Mein Kampf um die offene Dateien auf dem LAN Server machte die Runde in der Bank. Ein Projektleiter hörte davon und als der Rollout abgeschlossen war, bekam ich bei ihm einen neuen Job und war wenig später alleine zuständig für alle 17 Mailserver der 4.000 Bankmitarbeiter. Mit diesem Job verdiente ich so viel Geld, dass ich meine erste Firma gründen konnte.

Aber seit diesem Tag vor 17 Jahren lass ich die Knöpfe, die ich drücke, immer gleich wieder los. Seit diesem Tag vor 17 Jahren denke ich bei allen „Don’t press the red button“ Projekten, an meinen Daumen und an Peter und klicke mich lächelnd weg.

Seit diesem Tag vor 17 Jahren weiss ich, dass offene Dateien etwas sehr Gutes sind. Wenn man drüber lachen kann! Also, vergesst nicht: alles wird einfach, wenn man dabei lacht. Denn wenn man selbst nicht lacht, dann lachen andere…

2013-06-27 05.19.26-1

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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