München, 7:47, Tag 632

Heute Nacht hab ich den Workshop vorgeträumt, aber Details sind beim Aufwachen schnell verschwunden. Meine Gedanken sind schon nicht mehr hier bei mir im Hotel sondern eilen der Zeit voraus. Die Morgenmeditation hat mir heute sehr gut getan. Sie holt mich zurück, nimmt mir Angst und Unruhe und wandelt, sieht die Anspannung als etwas Positives.

Meine Erwartungen drehen sich immer wieder um Abkürzungen: Wenn mein Marketing besser wäre, dann würde wir es einfacher haben, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn ich mehr auf Instagram interagieren würde, dann würde ich noch mehr Fans bekommen und das würde es einfacher machen, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn ich heute richtig toll bin, dann werden wir vielleicht wieder beauftragt und haben es dann wieder einfacher haben, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn ich über die Abschaltung des Google Readers schreiben würde, und meine Alternativen posten, dann würden mehr Besucher auf mein Blog aufmerksam werden und wer weiss, vielleicht wird es dann etwas einfacher, unseren Lebensunterhalt zu verdienen.

Auch ich erwarte oft ausserhalb in Form von Abkürzungen oder von anderen Menschen die Lösung meiner Probleme. Dabei agiere ich nicht auf Augenhöhe. Sondern ich erwarte Hilfe, Unterstützung, Rat für den ich dann irgendwie meist mit Geld bezahlen muss. Ich weiss, irgendwie stelle ich mich damit über denjenigen der mir helfen muss. Ich habe dann grosse Ansprüche und hohe Erwartungen an die Dienstleistung. Schliesslich habe ich doch auch hart gearbeitet für mein Geld. Leicht war es nicht, wieso sollte es dann die anderen leicht haben?

Warum machen ich das?

Ich sehe unter anderem zwei Gründe: der erste ist, dass ich mein Verhalten oft mit meinem Wesen verwechsle. Ich denke, wenn ich etwas lerne und erfahre, wenn ich mich dort hin bewege, wenn es dort sauber und aufgeräumt ist, wenn ich dieses oder jenes habe, dann kann ich mich so verhalten, wie ich das will. Dann kann ich das erreichen, was ich meine, jetzt zu brauchen oder jetzt zu wollen. Ich denke, dass kurzfristige Verhaltensänderungen auch mein Wesen verändern. Mittel und langfristig stimmt das. Nur, dass was ich bin, was ich mag, was ich nicht mag, was ich wie fühle, wenn etwas um mich herum passiert, kann ich durch mein Verhalten mittelfristig ändern. Ich kann mein Wesen nicht kontrollieren, so wie ich mein Verhalten kontrollieren kann. Vor allem, wenn ich unzufrieden bin und wenn eine Diskrepanz zwischen meinem tatsächlichen Wesen und meinem erwünschten Wesen besteht, gibt das Probleme.

Und der zweite Grund, warum ich das tue ist, dass ich nicht an die wahren Ursachen meiner Erwartungen, meiner Ziele, meiner Stärken und Schwächen ran will und lieber grosse Umwege in Kauf nehme, als die echte Abkürzungen zu suchen. Die echten Abkürzungen liegen in der Konfrontation mit dem was ist, im Annehmen unserer Stärken und unserer Schwächen und im ständigen Suchen nach Veränderung, nach Entwicklung. IN MIR!

Beides zusammen führt zu jeder Menge Beschäftigung, jeder Menge Betriebsamkeit, Hektik und Stress bei mir! Den ganzen Text hier oben, hatte ich eben im wir geschrieben. Aber nach jedem Absatz habe ich alle wirs durch michs ersetzt. Ich schreibe nicht über Euch, über meine Beobachtungen. Ich habe über mich geschrieben und wollte mich mit dem wir mit Euch verbinden, mich verbrüdern. Es sind für mich unangenehme Erkenntnisse, sie geben mir keine Ausrede mehr, und sie machen mir viele Kämpfe der Vergangenheit sichtbar…

So, nun aber – auf in den Arbeitstag!

2013-07-02 05.11.44-1

Wünsch Euch mit diesem Sonnenaufgang überm Dom hier in München einen grandiosen Start in einen Tag voller Abkürzungen…

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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