Murmeltiertag…

Bizimköy, 5:52, Tag 639

Heute Nacht erinnere ich mich nur noch dunkel an meinen Traum. Heute spürte ich starke Entschlusskraft beim Aufstehen, die scheinbar der Erinnerungskraft entgegenwirkt.

Der Sonnenaufgang vorhin sah genau so aus, wie der von gestern. Gleiche Temperatur, gleicher Wind, gleiche Nichtwolken, gleiche Zeit. Diese Tage sind selten. Ich kenn mich aus, denn seit ich irgendwann in 2008 angefangen habe, der Sonne beim Aufgehen zu zuschauen, passiert das nicht sehr oft. Als ich das letzte Mal das Gefühl der ständigen Wiederholung, der Gleichheit und Gleichförmigkeit der Tage hatte, war das im Wintergrau über Kreuzberg. Nun also das Sommerblau über Bizimköy. Es kann uns im Winter treffen, es kann uns im Sommer erwischen.

Eben habe ich mich über Mail aufgeregt. Und zwar so, wie ich mich nur über Mails aufrege, die ich von Bekannten bekomme. Etwas wird angestossen in mir, ein Prozess startet, der mit Widerstand als Energiequelle funktioniert. Dabei lasse ich zu, dass ich mich aufrege. Denn ich finde, ich habe Recht und ich habe alles Recht der Welt, mich aufzuregen. Ich bin bockig, denn ich habe doch recht.

Das passiert mir mit Mails, mit Sätzen, mit Anrufen bei vielen Dingen, die andere von mir wollen. Ein interessante Beobachtung: wenn ich die anderen grade mag, können sie alles von mir wollen. Wenn ich sie grade nicht mag, ist jetzt nochsokleine Bitte eine Qual für mich. Ich geh in Widerstand und meist produziere ich dann Konflikte.

Statt zu lernen, statt für das nächste Mal einfach zu lernen, statt die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, statt wirklich zu handeln, rege ich mich lieber auf und produziere Konflikte. Erst mal geh ich in Konflikt mit mir. Dann verdränge ich gerne, was wirklich passiert ist, dass ich Teil dessen bin.

Aber dann erzeuge ich Nebelkerzenkonflikte mit anderen mir nahestenden Personen, die doch bitte mal Verständnis für meinen Stress mit xxx haben sollten. Und dann erfülle ich mit knirschenden Zähnen doch die Bitte, nicht ohne ein paar bewusste Giftspritzer, und unbewusst ein paar Sollbruchstellen einzubauen.

Wenn ich mir hier so beobachte, lässt meine Zuneigung mir gegenüber weiter nach. Ich merke, wie das ein sich selbst verstärkender Prozess ist, der damit startet, dass ich eine Situation nicht so akzeptiere, wie sie ist, sondern denke, sie sollte anders sein.

Ich ärgere mich über meine Schwächen, über meine Unorganisiertheit, über meine Fehler und andere sehen das, und nutzen diesen, meinen Ärger aus. Sie bohren unbewusst den Finger rein. Indem sie einfach sagen: siehst Du, wegen diesen Fehlern darfst Du jetzt das machen, was ich dir sage. Damit es nicht noch schlimmer wird.

Um diesen Mechanismus zu erkennen und zu durchbrechen, deshalb bin ich hier. So weit weg.

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