Hey, ich hab Urlaub! Und höre auf zu Denken…

Bizimköy, 6:55, Tag 642

Heute Nacht habe ich einen tollen Clown in bunten Lederklamotten getroffen. Er stand in einem Hotel rum, umringt von meinen ehemaligen Fans. Ich wollte mich erst morgen verkleiden und wieder mal meinen Anzug anziehen. Wir waren auf keiner Konferenz, sondern einer Familienfeier. Alle strengten sich an, durch ihre Verkleidungen den Tag zu etwas besonderem werden zu lassen. So wie der glückliche Clown mit seinem teuren, weichen Lederkostüm, der irgendwie starke Ähnlichkeit mit meinem Onkel Klaus hatte…

Jetzt weiss ich, was es ist. Ich hab Urlaub. Ich sträube mich dagegen, nichts zu tun. Wirklich mal nichts. Nur rumdaddeln, lesen, rumhängen, mich fallen lassen in (schlechten) Gewohnheiten: nur Spielen, Lesen, dann Baden und dann Sonnenbaden, auch Duschen, abends Grillen, zwischendurch Spazieren, dann wieder Spielen, und Lesen und zwischendurch auch noch sehr viel Schlafen.

Nicht, dass ich mein Leben sonst nicht mag und nicht auch sehr geniesse, aber in dieser Woche breche ich mit vielen meiner lieben Gewohnheiten und mache Urlaub von mir selbst.

Erst kommt so etwas wie Angst dabei zum Vorschein. Das brauch ich bestimmt nicht näher erläutern, aber die Angst zu versagen, allein-, nicht mehr-erfolgreich, langweilig, nur noch Durchschnitt zu sein… wenn ich mich nicht in meinen Gewohnheiten einlulle, sondern mal ausbreche, vor allem wenn ich ins Nicht-Tun, also ins Nur-Sein ausbreche. Urlaub darf mir nicht zu sehr gefallen, ich liebe doch meine Arbeit. Auch. Und wenn ich zu lange nichts dafür tue, dann… ohdann, wird vielleicht bald alles vorbei sein. Ok, ihr kennt solche Gedanken, oder?

Doch dann tritt bei mir das liebe, gute, alte Schamgefühl zu Tage. Auch das kennen bestimmt viele? Denn fast alles, was mit unseren Körpern, fast alles, was eben noch mit Angst zu tun hatte, führt wenn man kurz drin bleibt in dem Gefühl, zu Scham. Ich schäme mich für mein faul sein, für mein Versagen, für mein NichtgleichaufMails-Antworten. Aber auch für mein Antworten im Urlaub kann ich mich schämen. Ich schäme mich dann einfach für das Nicht-Tun, also für mein Nur-Sein. Ok, kennt ihr das auch noch? Oder schämt ihr Euch sogar dafür, Euch zu schämen? 😉

Wenn man dann dran bleibt und das grosse Glück hat, dass der Urlaub noch nicht vorbei ist, dann kommt der Punkt, an dem wieder alles gut wird. Der Punkt, an dem man aufhört zu Denken und zu Werten. Vielleicht, weil man nicht mehr kann. Vielleicht, weil man etwas ahnt. Vielleicht, weil man versteht. Weil man versteht, dass es Dinge gibt, die man nicht und niemals mit dem Verstand greifen kann.

Denn wenn solche Gedanken vorbei sind, wenn die Angst und die Scham genug gefühlt sind, dann verlässt man seine Zeitmaschine und kehrt zurück zum Hier und Jetzt. Hört die Vögel zwitschern. Riecht den Sommer. Fühlt die Haut. Geniesst es einfach, am Leben zu sein. Und hört auf zu Denken!

The beginning of freedom is the realization that you are not “the thinker.” The moment you start watching the thinker, a higher level of consciousness becomes activated. You then begin to realize that there is a vast realm of intelligence beyond thought, that thought is only a tiny aspect of that intelligence. You also realize that all the things that truly matter – beauty, love, creativity, joy, inner peace – arise from beyond the mind. You begin to awaken. ~Eckhart Tolle

Wünsch Euch einen Freitag wie im Urlaub!

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