Istanbul, 6:13, Tag 645

Heute Nacht habe ich schön geträumt, beim Duschen und der Meditation hatte ich noch eine lose Verbindung zu den dramatischsten Szenen, die sogar nicht in einem Hotel und auch nicht auf der Flucht spielten. Ich wachte müde, aber motiviert auf.

Gestern dachte ich, dass ich verrückt geworden bin. Nein, eher ganz konkret: ich bin schizophren. Ich habe Seiten an mir wieder entdeckt, die ich nicht mag, die ich nicht kenne und die ich in meinem normalen Leben ausblende, die ich vor mir selbst nicht wahr haben möchte.

Der Auslöser war einfach: ich wurde nicht gemocht, für etwas das ich tat.

Dabei habe ich alle möglichen Tricks im Laufe meines Lebens entwickelt, damit ihr mich alle gerne habt. Aber manchmal klappt keiner der Tricks. Manchmal habe ich sogar keine Lust auf Tricks. Manchmal will ich nicht nett sein.

Wenn es ganz schlimm wird, fühle ich shizophren: will zwar gemocht werden, verhalte mich aber wie ein Ar***. Und dann wundere ich mich, was schief gelaufen ist. Und dann seid ihr Schuld!

Unterschiedliche Interessen scheinen diese Schizophrenie zu verursachen.

Und wenn ich will, finde ich überall unterschiedliche Interessen. Es gibt doch nur unterschiedliche Interessen auf dieser Erde. Niemand will, was ich für richtig halte. Niemand versteht mich, meine Gründe und vor allem: niemand nimmt mich ernst. Ich werde ignoriert!

Und wenn ich mich dabei erwische, das zu denken, genau dann bin ich nicht nett. Dann bin ich schizophren! Dann höre nicht mehr zu, dann will mit dem Kopf durch die Wand und wieder geliebt werden. Und mit jedem Satz reite ich mich tiefer in die Sosse rein. Jede Erwiderung des Anderen bestätigt meinen Verdacht, dass er mich niemals und nicht versteht und mir nur Böses will und überhaupt! Es ist doch gar nicht so kompliziert!

Ich höre dann wirklich nur noch, was genau meinen Interessen entspricht. Ich erwidere genau nur, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen. Ich argumentiere ausschliesslich mit Tatsachen, die doch nur Behauptungen sind. Ich entlarve jeden Satz des anderen als Behauptung, um sie dann mit meinen Tatsachen zu widerlegen. Ich sage, es geht mir ums Verstanden werden wollen, dabei will ich doch nur Recht haben. Ich sage, ich meine es doch nicht böse, dabei bin ich stinksauer! Ich fühle mich angegriffen, dabei feuere ich die ganze Zeit aus allen Rohren.

Ich schäme mich in Grund und Boden für die Ausbrüche, für diese Anfälle. Ich versuche mich zu entschuldigen, ich will erklären, wieder grade biegen. Und mache alles nur noch schlimmer!

Gestern nachmittag hatte ich einen Durchbruch! Ich habe bemerkt, was alle diese Situationen in den letzten Monaten gemeinsam haben.

Mir passieren solche Eskalationen vor allem dann, wenn ich mich selbst grad überhaupt nicht mag. Wenn ich unzufrieden mit mir und meinem Leben bin. Wenn ich grade in einer pessimistischen Phase bin. Dann habe ich hier einen Post gefunden, der mir klar wachte, was es ist:

There are times, when I always seem angry and continuously look for conflict. Walk away: the battle I’m fighting isn’t with you, it is with myself. ~Arne Krueger

Gestern nachmittag ist mir damit eingefallen, was die beste Medizin gegen diese Art von Krankheit ist. Gegen die Shizophrenie des GemochtWerdenWollens hilft nur, sich selbst wieder zu mögen. Sich endlich wieder mal in sich selbst zu verlieben. Sich endlich wieder etwas Gutes tun zu wollen. Das ist der Schlüssel!

Das Grinsen im Herzen, das daraus folgt, kann man nicht verbergen. Es strahlt durch jeden Satz, durch jeden Blick und jedes Wort durch. Man versteht plötzlich nicht mehr alles falsch. Es klärt sich alles auf.

Die dunklen Wolken der Konflikte verziehen sich. Man sieht den anderen plötzlich wieder. Man versteht auf einmal die Position des anderen. Man bemerkt seinen eigenen Anteil am Konflikt.

Dabei ändert dieses Grinsen des Verliebtseins nichts an den unterschiedlichen Interessen! Man ist ja nicht in den anderen verliebt, sondern in sich! Man nimmt sich selbst ernst, aber nicht wichtig. Und die Energie fliesst nun in den Ausgleich der Interessen und nicht mehr in die Betonung der Unterschiede… das ist schön!

Wünsch Euch einen verliebten Start in die neue Woche…

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

One Comment

  1. Oh, wie gut ich das kenne! Lasst mich bloß alle in Ruhe und kümmert Euch um mich!
    🙂 Antje

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