Konflikte und Sucht…

Berlin, 5:56, Tag 648

Heute Nacht war ich auf Inseln mit Bergen. Tausende Touristen kommen an, während wir gerade wieder fahren. In den Scheunen sind Zelte aufgeschlagen. Überall, wo ein Dach drüber ist, zelten die Touristen. Dann suche ich ein leeres Taxi. Sie stehen in Reihen wie am Flughafen. Dabei sind wir in einem Dorf. Die Entscheidung für einen Fahrer fällt schwer und ich wache ganz leicht vor dem Wecker auf.

Manchmal verbinde ich die komischsten Themen miteinander: heute ist Konflikte und Sucht dran. Bin ich gestern mit Tony drauf gekommen.

Ich bin irgendwie süchtig danach, mich zu streiten, zu argumentieren und zu provozieren. Wenn dann mein Gegenüber tatsächlich sauer wird, erschrecke ich mich und versuche, die Wogen wieder zu glätten, alles wieder einzurenken, mich zu entschuldigen.

Es ist dabei so, als ob ich die Kontrolle verliere. Die Auslöser für solche Konflikte können sehr vielfältig sein. Meist hat sich etwas angestaut. Etwas, das mir schon ein paar Mal aufgefallen ist, ich aber immer nichts gesagt habe. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, es hat nicht gepasst, ist doch alles nicht so schlimm und wichtig.

Wann der Konflikt ausbricht, kann ich nicht wirklich kontrollieren. Ich verstehe das erst hinterher, wenn sich die Rauchschwaden wieder verzogen haben. An meine Worte im Konflikt kann ich nicht mehr wirklich erinnern, es ist als ob ich in Trance oder im Flow bin. Unter Hochdruck suche ich nach Argumenten, nach Erinnerungen, nach Punkten mit denen ich meinen Standpunkt, meine Wut, meinen Ärger, meinen Frust erklären kann. Dabei wird nicht viel gespeichert.

Wenn der Konflikt ausbricht, überrasche ich mein Gegenüber damit. Dadurch erscheine ich noch unzuverlässiger und unberechenbarer, als ich es möchte. Aber ich weiss selbst nicht, wann mir etwas zu viel wird. Als ob ich die Impulskontrolle verloren habe.

Und an diesem Punkt fiel es auf, dass der Verlust der Impulskontrolle ja ein Suchtmerkmal ist. Man scheint nicht kontrollieren zu können, ob und wann man wie viel trinkt. Man erfindet dann tausend kleine Sachen, warum es ganz OK ist, Alkohol zu trinken: ein Glas Rotwein ist gut fürs Herz. Zum Essen, das schmeckt einfach. Ist doch nur zum Anstossen.

Das alles dient dabei nur der Vertuschung des Verlustes der Impulskontrolle.

Bei dieser Verbindung zwischen Sucht und Alkohol steigen schon viele Menschen aus und werden mit mir diskutieren und mir beweisen wollen, dass sie eben nicht süchtig sind. Genauso akzeptierte ich bis gestern nicht, dass ich süchtig nach Konflikten bin. Mir gefällt doch irgendwie, die Kontrolle zu verlieren, an die Grenze zu gehen und zu schauen, wie sehr ich provozieren, wie sehr ich mich durchsetzen kann, wie weit ich komme.

Genauso habe ich mich früher gefühlt, als ich nach dem Essen das zweite Glas Rotwein einschenkte. Bin doch nicht süchtig. Es schmeckt doch. Mir gefiel doch irgendwie, so viel zu vertragen, an die Grenze zu gehen und zu schauen, ab wann ich das wirklich nicht mehr kontrollieren kann. Ach lass uns noch in ne Bar gehen, einer geht doch noch und nach Hause hab ichs bisher noch immer geschafft. Ich konnte mich damals an manche Abende genauso wenig erinnern, wie ich mich heute nicht mehr an meine Worte im Konflikt erinnern kann.

Dem Alkoholiker sind der Kater und die Kosten und die Folgen seins Trinkens aber nicht egal. Nur er trinkt trotzdem! Mir sind die negativen Folgen der Konflikte, die Belastungen der Beziehung, das Leid bei den Beteiligten und die Folgen der Konflikte auch nicht egal. Und doch streite ich mich weiter.

Mittlerweile ahne ich, dass ich durch Übung von Reflektion und Meditation, durch das blosse Sitzen auf dem Kissen, solch destruktiven, negativen Gewohnheiten sehr wohl ändern kann. Jeder ist so in der Lage sein Leben selbst zu gestalten und sich von leid erzeugenden Süchten zu heilen.

Aber etwas kann und möchte ich aber nicht ändern, sondern will ich immer schlimmer werden lassen: Themen miteinander zu verbinden. Beziehungen, Abhängigkeiten und Ähnlichkeiten zwischen Dingen zu erkennen und so zu lernen, sich zu entwickeln. Denn das ist mein Weg!

Zwischen Verhalten, Gefühlen, Konzepten, Gedanken, Wahrnehmungen und Informationen, zwischen allem und allen bestehen die vielfältigsten Beziehungen. Ich kann vielleicht Zusammenhänge erkennen, die mein Umfeld nicht sehen will oder kann.

Mein Suche nach Kontrollverlust ist eine Ursache für Konflikte! Und dabei bin nicht süchtig nach Konflikten. Man ist nicht süchtig nach Alkohol, sondern nach dessen Wirkung. Ich bin nicht süchtig nach Konflikten, sondern mich verlangt danach, ungesehene Beziehungen zu erkennen und zu offenbaren. Daran berausche ich mich!

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Wünsch Euch einen ganz berauschenden Donnerstag!

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